Autor Jacques Berndorf las in der Stadtbücherei aus seinem aktuellen Werk „Die Nürburg-Papiere“.

Jacques Berndorf fesselte und amüsierte die Zuhörer in der Stadtbücherei bei seiner Lesung.
Jacques Berndorf fesselte und amüsierte die Zuhörer in der Stadtbücherei bei seiner Lesung.

Jacques Berndorf fesselte und amüsierte die Zuhörer in der Stadtbücherei bei seiner Lesung.

Stefan Fries

Jacques Berndorf fesselte und amüsierte die Zuhörer in der Stadtbücherei bei seiner Lesung.

Mettmann. „Nett, dass Sie gekommen sind. Ich habe den Auftrag, Sie kulturell aufzuschütteln“, begrüßte Jacques Berndorf die etwa 120 Gäste. Sie hatten sich in der Stadtbücherei eingefunden, die Karten für das Ereignis waren binnen kürzester Zeit vergriffen, um dem Romancier und Krimiautoren beim Vorlesen zuzuhören.

Reportagen aus Vietnam, Beirut und dem Libanon

Doch bevor der laut Eigenaussage museumsreife, alte Esel aus seinem aktuellen Werk „Die Nürburg-Papiere“ vorzutragen begann, erzählte der 1936 in Duisburg geborene Schriftsteller, der sich als Journalist für namhafte Magazine überall dort herumgetrieben hat, wo es blutig und schlimm war, von seinem Leben.

Als Krisen- und Kriegsberichterstatter wurde er für Reportagen nach Vietnam, Beirut, in den Libanon und nach Kolumbien geschickt, bei einem täglichen Muss von einer Flasche Whiskey. Nur mit Hilfe des Alkohols konnte er die täglich erlebten Alpträume ertragen.

Der Soldat hatte nur noch zwei Schritte zu leben

Beispielhaft erzählte er von Joey, einem Soldaten, mit dessen Platoon er nachts in Vietnam auf Patrouille ging. „Dass etwas mit ihm nicht stimmte, sah ich nicht, sondern roch es. Er trug seine Gedärme vor sich her und hatte noch zwei Schritte zu leben.“ Aufgerüttelt im Sinne von ergriffen war spätestens an diesem Punkt das Publikum. „Es war mir wichtig, Ihnen das zu erzählen, damit wir auf Augenhöhe korrespondieren“, so der Autor.

Das Krimi-Schreiben darf man bei Martin Preute, so der bürgerliche Name, also durchaus als Therapie begreifen, die ihm die Rückkehr ins Leben ermöglichte. Und was er macht, das macht er richtig. Ironisch, unterhaltsam und wirkungsvoll sind auch die Nürburg-Papiere, die auf politischen Fakten basierend.

Alle zwei Jahre fand am Nürburgring ein Formel-1-Rennen statt, das ein Minus von etwa 18 bis 20 Millionen Euro verursachte.

Diese Defizite konnte aus motorsportlicher Quelle nicht mehr kompensiert werden, also wurde gebaut.

Anstelle der geplanten 21,4 Millionen liegt der Kostenpunkt zurzeit bei etwa 400 Millionen Euro.

Und weil Jacques Berndorf ja von Volkshochschule, Buchhandlung Schlüter, den Bildungsprofis nebst Stadtbibliothek eingeladen worden war, um Leichen zu servieren, begann er zu lesen. Gut betont und mit Pausen an den richtigen Stellen, rollte der Autor nun den Fall um Jakob Lenzen, einen toten Bauern, aus. Es war eine Hinrichtung, konstatiert Kommissar Rodenstock.

Lokalkolorit, Intrigen und Verwicklungen

In kleinen schwarzen Büchern hatte sich der sanfte, kluge Bauer Notizen zu allem gemacht, was ihn bewegte. Auch zu den Bauereignissen am Nürburgring? Was er von der GmbH hielt? „Fehlbesetzung“, wusste der Sohn lakonisch zu berichten. Als typische Zutaten erfreuten Lokalkolorit, Intrigen, politische Verwicklungen, ebenso präzise wie starke Charakter und eine spannend konstruierte Geschichte die Zuhörer.

Unterbrochen von einer Pause unterhielt Jacques Berndorf alias Martin Preute zwei Stunden sein Publikum und machte damit große Reklame für sich und sein Buch. Begeistert entließen ihn die Zuhörer nach lang anhaltendem Applaus.

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