Der Zahn der Zeit nagte ordentlich an Mettmanns alten Einwohnerlisten. Dank der „Aulen“ sind die Daten nun digital verfügbar.

Mettmann. Die Heimatvereinigung Aule Mettmanner hat in ihre Geldbörse gegriffen und 6000 Euro locker gemacht, mit denen alte Bürgerbücher, oder auch Einwohnerlisten genannt, digitalisiert werden. Die Bücher lagern im Stadtarchiv und sind stark beschädigt. „Wir hätten die Bücher nicht mehr zur Forschung ausleihen dürfen, weil sie durch Schimmel und häufigen Gebrauch sehr in Mitleidenschaft gezogen worden sind“, sagt Stadtarchivarin Marie-Luise Carl. Es war die ehemaligen Stadtarchivarin Gudrun Wolferz, die im Vorstand der Aulen tätig ist. Sie erkannte den Ernst der Lage und machte den Vorschlag, dass die Heimatvereinigung finanziell die Stadt unterstützen könnte. Gesagt, getan, die alten Bürgerbücher wurden gescannt und digitalisiert. Jetzt können interessierte Menschen, die beispielsweise ihren Stammbaum erforschen, via Computer Einblicke in die Bürgerbücher nehmen und müssen dafür die Bücher nicht anfassen.

Im Stadtarchiv übergab jetzt Anita Schäfer, zweite Vorsitzende der Aulen, die Kassette mit den 31 digitalisierten Büchern Bürgermeister Thomas Dinkelmann. Was sind denn überhaupt Bürgerbücher? Im Bürgerbuch wurden bis ins 20. Jahrhundert die Einwohner einer Stadt verzeichnet, die das Bürgerrecht erworben hatten, indem sie den Bürgereid geleistet und das Bürgergeld gezahlt hatten (auch Neubürger). Mit dem Bürgerrecht erwarben sie bestimmte Rechte ( Ausübung eines Gewerbes, Wahlrecht), aber auch Pflichten (zum Beispiel Steuern abzuführen, Verteidigung). Häufig wird in Bürgerbüchern die Herkunft der Neubürger festgehalten. In Mettmann sind die Bürgerbücher nach Straßen geordnet. Am Beispiel der Lutterbecker Straße erklärt Archivarin Carl die Bedeutung des Bürgerbuchs, das in diesem Fall aus dem Jahr 1907 stammt. Dort lebte im Haus Lutterbecker Straße 2 (ehemals Haus Stern) die Familie Rensing. Anton Rensing, so die Aufzeichnung, war bereits 1898 im Alter von nur 44 Jahren gestorben. Er hinterließ seine Witwe Wilhelmine und acht Kinder. „Wir finden in den Bürgerbüchern den Namen der Bürger, den Geburtsort, den Beruf, die Konfession sowie Angaben, wann die Menschen nach Mettmann gezogen und wann sie weggezogen sind“, sagt Carl. So zog Antonia, einer der Töchter der Familie Rensing, am 13. Juni 1907 von Mettmann nach Düsseldorf, kehrte aber am 20. Februar 1908 wieder nach Mettmann zurück. Vielleicht war sie als Haushaltsgehilfe in Düsseldorf angestellt, vermutet Marie-Luise Carl. Ein Sohn, Heinrich Rensing, der 1890 geboren wurde, starb im Jahr 1915 als Soldat im Ersten Weltkrieg. Ein typisches Kreuz im Bürgerbuch gibt darüber Aufschluss. Für die Witwe Wilhelmine waren es schwierige Zeiten. Sie musste acht Kinder ernähren. Die Witwe gründete einen, man würde heute sagen, „Tante-Emma-Laden“ in ihrem Haus und vermiete nebenbei noch Zimmer an Kostgänger. So an Johann Schneider, der aus Walgenbach stammte, 1906 von Brühl nach Mettmann zog und ein paar Monate bei Rensings wohnte, ehe er weiter nach Düsseldorf zog. „Auf die Bürgerbücher kann jetzt viel besser zugegriffen werden“, freute sich die Stadtarchivarin.

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