Der Jubiläumsplatz soll zur „guten Stube“ werden, Autos und Busse dagegen verbannt. So die Idee der Bürger. Die Stadt sieht das ganz anders.

Der Jubiläumsplatz soll zur „guten Stube“ werden, Autos und Busse dagegen verbannt. So die Idee der Bürger. Die Stadt sieht das ganz anders.
„Weg mit den Bussen.“ Damit wäre der Jubiläumsplatz frei für Veranstaltungen und Aktivitäten. So lautet der Wunsch der vieler Bürger.

„Weg mit den Bussen.“ Damit wäre der Jubiläumsplatz frei für Veranstaltungen und Aktivitäten. So lautet der Wunsch der vieler Bürger.

Blazy

„Weg mit den Bussen.“ Damit wäre der Jubiläumsplatz frei für Veranstaltungen und Aktivitäten. So lautet der Wunsch der vieler Bürger.

Mettmann. Heute in einer Woche tag der Rat der Stadt Mettmann. Auf dem Programm: Eine umfangreiche Tagesordnung mit ein paar Punkten, die es in sich haben. Abschaffung der Brötchentaste, Kürzung von Zuschüssen für Musikschule und Volkshochschule. Darüber hinaus will die Stadt auch die Pacht für Kleingärtner anheben. Man merkt schnell: Der Kreisstadt geht es – finanziell – derzeit richtig dreckig.

Doch weil wir alle nicht nur von heute auf morgen denken und auch den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Stadt hinterlassen möchten – braucht man ja ab und zu mal eine gute Idee. Diese gute Idee haben jetzt die „bürgernahen Gruppierungen“ in Mettmann.

„Die von der Stadt gelieferten Gründe zur Ablehnung des busfreien Jubi sind nicht ausreichend.“

Befürworter des busfreien Jubi

Darunter sind die Aulen Mettmanner, die Gesellschaft Vereinigung, Mettmann-Impulse, die Bürgervereine Metzkausen und Obschwarzbach, natürlich das Bürgerforum und die Initiative 4/4 für Mettmann. Ihr Sprecher ist Peter Feyen, der sich jetzt in einem offenen Brief an die Fraktionen im Stadtrat gewandt hat. Das erklärte Ziel: Der Jubiläumsplatz soll jetzt nicht nur auto-, sondern auch busfrei werden. Ausgedacht haben sich das die Teilnehmer der Arbeitsgruppen zur Innenstadtgestaltung. Gründe gibt es auch Sicht der engagierten Bürger genug. Wie etwa ein Zugang zum Element Wasser und den Start einer „grünen Achse“ entlang der Hoffstädterwand in den Stadtwald und in der Verlängerung in das Grün der Umgebung an die Radwegenetze Panorama-Radweg, Nordbahntrasse, den Neandersteig. Dazu kommt ein attraktiverer Markt am besten noch überdacht. Möglichkeiten für eine Kirmes, eine Eisbahn im Winter. Kurz ein Umfeld für eine „gute Stube“, die auch Anziehungskraft auf Großstädter haben kann, so Peter Feyen. Konkret hat die sogenannte Arbeitsgruppe Verkehr formuliert, dass die Schwarzbachstraße nicht mehr für die Durchfahrt von Bussen zur Verfügung stehen soll.

Rund 5000 Fahrgäste steigen pro Tag am „Jubi“ aus und um

Die Bushaltestellen, die sich zurzeit vor der Deutschen Bank und gegenüber am Jubiläumsplatz befinden, sollen nach dem Wunsch der Bürger auf die Johannes-Flintrop-Straße – in den Bereich von Einmündung Poststraße bis Einmündung Schellenberg – verlegt werden. Die Busse, die bislang über die Schwarzbachstraße Richtung Kaldenberg, Metzkausen, Ratingen auf die Nordstraße fahren, sollen künftig über die Johannes-Flintrop-Straße und die Seibelspange auf die Nordstraße gelangen.

Die Stadtverwaltung hält von der Idee überhaupt nichts

Die Stadtverwaltung hält von dieser Idee aber überhaupt nichts und schlägt den Politikern vor, diesen Vorschlägen in der Ratssitzung in der nächsten Woche nicht zu folgen. Dafür sprechen aus Sicht der Stadt eine ganze Reihe von Gründen, die man durchaus nachvollziehen kann. An den Bushaltestellen rund um den Jubiläumsplatz steigen pro Tag etwa 5000 Menschen ein und aus. Von den insgesamt elf Buslinien am Jubiläumsplatz fahren sieben Buslinien die Haltestellen im Bereich Schwarzbachstraße am Jubiläumsplatz an. Sollte man dem Vorschlag der Bürger folgen, müssten die Linien künftig über die Seibel-Querspange fahren. Die Busse hätten dabei einen Umweg von 450 Metern über die Seibel-Querspange und die Johannes-Flintrop-Straße in die Breite Straße und zurück in Kauf zu nehmen. Verwaltung und Rheinbahn haben ausgerechnet: Dies verlängert die Fahrzeiten für Fahrgäste um etwa vier Minuten. Darüber hinaus entstehen der Rheinbahn Mehrkosten. Durch die Linienwegverlängerung würden die Busse rund 10 000 Kilometer im Jahr mehr fahren. Darüber hinaus könnte es der Fall sein, dass durch den längeren Linienweg für die Buslinien O10, O13, SB68, 741, 748, 749 und DL6 die Anschlüsse zur Regiobahn sowie zu den überregionalen Buslinien nach Wuppertal oder Düsseldorf nicht mehr gewährleistet werden können. Vor allem die Linie O13, die fahrgaststärkste Buslinie im Stadtgebiet mit einer Taktung von 20 Minuten, würde dann das Zentrum von Mettmann nicht mehr anfahren.

Vorhandene Haltestellen an der Flintrop-Straße reichen nicht aus

Wollen Fahrgäste am Jubiläumsplatz in andere Linien umsteigen, müssten sie laut Stadt einen Weg von etwa 360 Metern in Kauf nehmen. Es verlängerten sich somit nicht nur die Fußwege zum Zentrum, auch das Umsteigen in andere Linien wird erschwert. Ähnliches gilt für die Regionalbuslinie 748, die für Bürger aus Obschwarzbach die einzige Direktverbindung in die Mettmanner Innenstadt darstellt.

Noch ein Argument: Die Haltestellen an der Johannes-Flintrop-Straße/Jubiläumsplatz würden durch acht Linien angefahren. Dafür reichen die vorhandenen Haltestellen nicht aus. Die Anwohner an der Johannes-Flintrop-Straße beschweren sich schon heute über die Lärm- und Geruchsemissionen, die durch haltende und wartende Busse verursacht werden. Mehr als zwei Busse gleichzeitig können auch gar nicht an einer Haltstelle stehen. Die Krönung: Ursprünglich wollte man die Flintrop-Straße entlasten, wenn man dort jetzt zusätzliche Busse halten lässt, wäre das eine große Zusatzbelastung. Die bürgernahen Gruppen haben diese Argumente gelesen und sind der Ansicht: „Die von der Stadtplanung gelieferten Begründungen zur Ablehnung des busfreien Jubi’s sind nicht ausreichend.“ Bei allem Respekt an die bürgernahen Gruppen für viele gute Vorschläge. Irgendwann ist auch mal eine Grenze erreicht. Es ist schlichtweg unmöglich, die Busse vom Jubi zu verbannen, ohne dass dies zu erheblichen Nachteilen für Anlieger und Fahrgäste kommt. Da kann man sich auf den Kopf stellen.

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