Die Bovensiepen-Villa steht zum Verkauf. Bürgerforum sorgt sich um das Denkmal.

Stadtbild
Die Bovensiepen-Villa ist ein herausragendes Beispiel für die Architektur der Gründerzeit.

Die Bovensiepen-Villa ist ein herausragendes Beispiel für die Architektur der Gründerzeit.

Stefan Fries

Die Bovensiepen-Villa ist ein herausragendes Beispiel für die Architektur der Gründerzeit.

Mettmann. Hohe Decken, lichtdurchflutete Zimmer, Parkettböden, eine gedrechselte Eichentreppe, die bis unter die Dachmansarde führt, verspielte Stuckarbeiten – die alte Bovensiepen-Villa an der Goethestraße ist ein herausragendes Beispiel einer Fabrikantenvilla aus der Gründerzeit.

Die Familie Bovensiepen, Inhaber der Peter Wolters Kratzenfabrik, brachte einst ihren Wohlstand in einem schmucken Prachtbau zum Ausdruck.

Seit Jahren ist das Anwesen nicht mehr bewohnt

In der ehemaligen Kratzenfabrik Peter Wolters an der Düsseldorfer Straße ist die Kreisverwaltung eingezogen, nachdem 1974 Firmensitz und Produktionsbetrieb ins norddeutsche Rendsburg verlegt wurden. Die Villa wurde ebenfalls verkauft.

Doch seit vielen Jahren stehen die 18 Zimmer leer. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Eigentümer. Zuletzt war es ein Architekt, der aber seine Baupläne nicht umsetzen konnte und die Villa deshalb wieder verkauft haben soll.

Bis unters Dach hat das Haus 500 Quadratmeter Wohnfläche

Inzwischen ist das Denkmal samt Grundstück im Besitz einer Hausverwaltung aus Hattingen, die das Objekt über die LBS Immobilien zum Kauf anbietet. 500 Quadratmeter Wohnfläche, 180 Quadratmeter Keller und und ein 500 Quadratmeter großes Grundstück gibt es für 600 000 Euro. Eigentlich ein Schnäppchenpreis. Doch tatsächlich soll der Zustand der Villa „stark renovierungsbedürftig“ sein.

Das Mettmanner Bürgerforum kristisiert, dass es in Mettmann weder einen Masterplan Architektur noch ein Nutzungskonzept für die Oberstadt/Altstadt gibt. Und Vorsitzender Peter Feyen befürchtet, dass sich deshalb demnächst wieder über Einzelobjekte in der Stadt gestritten werde. Das Bürgerforum begrüßt ein Stadtentwicklungskonzept, sieht es aber nicht als Allheilmittel an. Feyen: „Es ist lediglich der Schlüssel zu öffentlichen Fördergeldern. Inhaltlich wird das nicht ausreichend, um in die Tiefe zu gehen.“

So steht es in der Objektbeschreibung des Immobilienmaklers. „Die Heizung und wahrscheinlich die gesamte Elektrik müssen erneuert werden“, sagt Robert Hein, Gebietsleiter der LBS Immobilien. Aber auch die Parkettböden, die teilweise mit Teppichboden überklebt waren, müssten grundsaniert werden. Da kommen, schätzt Hein, ein paar hunderttausend Euro zusammen. Ein Schmuckstück für einen Liebhaber mit viel Geld.

Neubau mit fünf Wohnungen entsteht hinter der Villa

Im ehemaligen Garten der Villa, von der die Bovensiepens zu Fuß in die Fabrik gehen konnten, will der Eigentümer einen Neubau mit fünf barrierefreien Eigentumswohnungen (108 bis 160 Quadratmeter) errichten.

Laut Uwe Pastoors, Inhaber des Immobilien-Unternehmens „House-Concept“, dass die Wohnungen dieses Objekts vermarktet, soll im Mai mit dem Bau begonnen werden. Pastoors: „Wir haben nur noch eine Wohnung zum Verkauf, 150 Quadratmeter groß im Erdgeschoss.“

„Dunkle Wolken am Horizont? Der nächste Dorfkrug? Oder finden sich Liebhaber?“ Nachdem in Metzkausen der alte Dorfkrug abgerissen wurde, sorgen sich Mitglieder des Bürgerforums um die alte Bovensiepen-Villa. „Was wird sein“, fragt Forums-Vorsitzender Peter Feyen, „wenn letztlich doch nur noch das Grundstück zählt, weil das Gebäude zu hohe Sanierungskosten erforderlich macht?“

Feyen vermutet nämlich, dass die Villa komplett von oben bis unten grundsaniert werden muss. Das jedenfalls liest er aus der Beschreibung des Immobilienmaklers.

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