Wilfried Meiswinkel hat die erste umfassende Biografie über Johannes Flintrop geschrieben. Der Kaplan starb 1942 im KZ.

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Wilfried Meiswinkel, Lehrer und Vorsitzender der Kolpingsfamilie, zeigt Pfarrer Monsignore Herbert Ullmann die Biografie.

Wilfried Meiswinkel, Lehrer und Vorsitzender der Kolpingsfamilie, zeigt Pfarrer Monsignore Herbert Ullmann die Biografie.

Kaplan Johannes Flintrop kam 1942 im KZ Dachau ums Leben.

Stefan Fries, Bild 1 von 2

Wilfried Meiswinkel, Lehrer und Vorsitzender der Kolpingsfamilie, zeigt Pfarrer Monsignore Herbert Ullmann die Biografie.

Mettmann. „In den vergangenen 40 Jahren ist er eher totgeschwiegen worden“, sagt Wilfried Meiswinkel über den Mettmanner Kaplan Johannes Flintrop. Außer der Straße, die nach Flintrop benannt ist, könnten viele Mettmanner mit dem Namen gar nichts anfangen. „Ich wollte Flintrop dem Vergessen entreißen“, sagt Meiswinkel, der Vorsitzende der Mettmanner Kolpingsfamilie. In zwei Jahren hat er die erste umfassende Biografie über den Martyerpriester, der 1942 im KZ Dachau ums Leben kam, geschrieben.

Widerstand gegen unmenschliches System soll fortleben

Möglicherweise, so hofft Meiswinkel, ist das Buch ein kleiner Beitrag, der zur Seligsprechung Flintrops führen könnte. Wichtiger ist dem Oberstudienrat, der am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Ratingen die Fächer Geschichte, Französisch und katholische Religion unterrichtet, dass das Leben Flintrops, sein Wirken und sein Widerstand gegen ein unmenschliches System fortlebt.

Flintrop entschied sich gegen das Hakenkreuz

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Wilfried Meiswinkel, Lehrer und Vorsitzender der Kolpingsfamilie, zeigt Pfarrer Monsignore Herbert Ullmann die Biografie.

Wilfried Meiswinkel, Lehrer und Vorsitzender der Kolpingsfamilie, zeigt Pfarrer Monsignore Herbert Ullmann die Biografie.

Kaplan Johannes Flintrop kam 1942 im KZ Dachau ums Leben.

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Kaplan Johannes Flintrop kam 1942 im KZ Dachau ums Leben.

Meiswinkel zeichnet auf mehr als 60 Seiten das Bild eines jungen Kaplans, dessen politisches Bild, als er 1932 seine Stelle in Mettmann antritt, von einer national-konservativen Einstellung geprägt ist. Nach der Machtergreifung der Nazis geht Flintrop mehr und mehr auf Distanz zur Obrigkeit. Meiswinkel: „Im Spannungsverhältnis von Kreuz und Hakenkreuz entscheidet er sich als mutiger Glaubenszeuge bewusst für das Kreuz.“

Erstmals gerät Flintrop in die Fänge der Gestapo, als er 1941, inzwischen zum Wehrmachts-Standortpfarrer bestellt, einen französischen Kriegsgefangenen, den geistlichen Abbé René Burté , in St. Lambertus eine Messe lesen lässt. Nach vier Tagen wird er aber wieder freigelassen.

Meiswinkel hat die Verhörprotokolle ausgewertet

Ein Jahr später wird Flintrop denunziert, als er im Gespräch mit einer Patientin im Evangelischen Krankenhaus erklärt, dass deutsche Soldaten Gräueltaten in Russland begehen und der Krieg gegen Russland noch lange gewonnen sei.

Johannes Flintrop wurde am 23. Mai 1904 in Wuppertal-Barmen geboren. Mit 17 Jahren begann er das Studium der Theologie in Bonn und setzte es in Münster fort.

Im Jahr 1927 wurde Flintrop im Kölner Dom zum Priester geweiht. 1932 trat er die Kaplanstelle an St. Lambertus an. Er erteilte Religionsunterricht und wurde Präses (geistlicher Begleiter) der Mettmanner Kolpingsfamilie.

 Wegen kritischer Äußerungen zum NS-Regime und dem Krieg wurde Kaplan Flintrop diffamiert und verraten. Das erste Mal wurde er 1940 verhaftet. Am 1. Mai 1942 wurde er ins Konzentrationslager Dachau überstellt. Er starb dort am 18. August 1942. Als Todesursache wurde Phlegmone, eine eitrige Entzündung der Haut, angegeben.

Zwei andere Patientinnen meldeten es den Behörden. Am 30. April wird Flintrop von der Gestapo verhaftet. Im Mai wird er nach Dachau deportiert, wo er am 18. August stirbt.

Meiswinkel hat die Protokollbücher der Kolpingsfamilie und die Verhörprotokolle ausgewertet. Außerdem sprach er mit 14 Zeitzeugen. Viele unbekannte Fotos von Flintrop bereichern die Biografie. Das Buch wurde in einer Auflage von 1500 Exemplaren gedruckt. Erhältlich ist es in den Mettmanner Buchhandlungen zum Preis von acht Euro.

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