In der Ogata Herrenhauser Straße lernen Kinder mit Projekthund Paul, wie Konflikte mit Verstand gelöst werden können.

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Oliver Fredrich (l.) erklärt den Kinder, wie sie Paul richtig auffordern, die Pfote zu geben.

Oliver Fredrich (l.) erklärt den Kinder, wie sie Paul richtig auffordern, die Pfote zu geben.

Stefan Fries

Oliver Fredrich (l.) erklärt den Kinder, wie sie Paul richtig auffordern, die Pfote zu geben.

Mettmann. Wenn Paul etwas nicht passt, reicht eine Kopfbewegung. Sprechen kann er auch nicht – er ist ein Hund. Aber nicht irgendeiner, sondern ein Projekthund. Und von und mit ihm können Kinder eine Menge lernen. So wie die Erst- bis Viertklässler im offenen Ganztag der Grundschule Herrenhauser Straße.

„Die Gewalt nimmt an Schulen zu. Deshalb unternehmen wir etwas.“

Daniela Winter, Leiterin der Ogata Herrenhauser Straße

Im Rahmen der sogenannten Bildungsoffensive der Diakonie drücken die Kinder nach dem regulären Unterricht noch mal die Schulbank im Fach „Konflikttraining“. „Die Gewalt nimmt an Schulen zu“, weiß Ogata-Leiterin Daniela Winter. „Deshalb unternehmen wir etwas.“

Hier kommen der Australian Shepherd Paul und Trainer Oliver Fredrich ins Spiel. „Wie entstehen Konflikte?“, fragt der Coach in die Runde. Daniel, Artur, Olivia, Sophie, Julia, Svenja, Mikael, Philip, Arina, Helen und Martha denken nach. „Weil nicht genug oder gar nicht geredet wird“, antwortet Zoey.

Der Löwenanteil des Trainings besteht aus Rollenspielen und Übungen. Daniel und Artur sollen mit Paul um ein Spielzeug rangeln. Der Hund hält das Objekt der Begierde fest in seiner Schnauze.

Anknüpfend an die Fragerunde hakt der Coach nach, wie man die Situation besser lösen könnte. „Indem man sagt: Gib mir bitte das Spielzeug“, sagt Arina. Fredrich nickt. „Höflich zu sein, schadet nie“, sagt er.

Wenn Situationen eskalieren, ist es wichtig, ruhig zu bleiben

Ein wichtiges Element der sogenannten Bildungsoffensive, zu der außer der Sommerferienuniversität auch eine Schwimmgruppe gehört, ist das Anti-Aggressionstraining unter der Leitung von Oliver Fredrich. 2009 an vier Ogatas an drei Standorten für etwa 350 Kinder ins Leben gerufen, läuft das maßgeblich durch Spenden finanzierte Projekt im Sommer dieses Jahres aus.
 

„Wir tun alles dafür, um das Projekt in Zukunft fortsetzen zu können“, sagt Michael Reichelt, Chef der Diakonie.

Vertieft werden nun die Höflichkeitsformeln „Bitte“ und „Danke“ durch ein Ballspiel, bei dem alle zwölf Kinder eingebunden sind. Paul lieben die Schülern ohnehin und die Übungen machen ihnen Spaß. Auch die eher Schüchternen kommen zu Wort und in Aktion.

Geübt werden neben der Körpersprache vor allem das klare und deutliche Sprechen. Gerade, wenn Situationen zu eskalieren drohen, ist es laut Fredrich wichtig, ruhiges Blut zu bewahren – und eben nicht zu brüllen. „Es geht nicht nur darum, was man sagt, sondern wie man es sagt“, erklärt der Tiertrainer.

Je nachdem, wie man Paul beispielsweise zum Mitgehen auffordert, trottet der Vierbeiner gelangweilt oder interessiert mit. Konfliktvermeidung und -bewältigung, Selbstbewusstsein und Vertrauen sind Themen, die Paul und Oliver Fredrich in den Übungseinheiten vermitteln. Letztlich geht es darum, die Kinder zu sensibilisieren und fit zu machen.

Das geht am besten durch Wiederholungen. Und am Ende brauchen die Ogata-Kinder gar nicht viele Worte. Mit ausgestrecktem Arm demonstrieren sie Paul „Stopp!“. Unmissverständlich bedeutet das: Bis hier hin und nicht weiter.

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