An der Freiheitstraße wurden Reste der alten Befestigungsanlage entdeckt. Bereich wurde lange als Garten genutzt.

An der Freiheitstraße wurden Reste der alten Befestigungsanlage entdeckt. Bereich wurde lange als Garten genutzt.
Archäologin Tünde Kaszab-Olschewski ist sicher: Das sind Teile der mittelalterlichen Mettmanner Stadtmauer.

Archäologin Tünde Kaszab-Olschewski ist sicher: Das sind Teile der mittelalterlichen Mettmanner Stadtmauer.

D. Janicki

Archäologin Tünde Kaszab-Olschewski ist sicher: Das sind Teile der mittelalterlichen Mettmanner Stadtmauer.

Mettmann Bei Bauarbeiten in der Freiheitstraße sind Arbeiter vor einigen Tagen auf Mauerreste gestoßen. Die Archäologin Dr. Tünde Kaszab-Olschewski von der Firma Archbau wurde informiert. Sie legte die Mauerreste frei und stellte fest: Es ist die mittelalterliche Stadtmauer.

Rückblende: Bereits im August 2015 waren bei den Erdarbeiten in der Neanderstraße gegenüber von Möbel Lensing die Reste einer mächtigen Mauer zum Vorschein gekommen. Das Teilstück war acht Meter lang und in Ost-West-Richtung ausgelegt. „Diese Mauer wurde aus lokalem Bruchstein (Schiefer) errichtet. Die dokumentierte maximale Höhe war 1,10 Meter und die Breite betrug 1,40 Meter“, sagt die Archäologin rückblickend. Allerdings musste die Mauer ursprünglich breiter gewesen sein, denn die äußeren Steine waren ausgebrochen.

„Eine Keramikscherbe kann auf das 17. Jahrhundert datiert werden.“

Tünde Kaszab-Olschewski, Archäologin

Am 11. uns 12. Januar sind in der Freiheitstraße bei der Aushebung von Schächten für Baumscheiben in vier Fällen erneut Reste der Stadtmauer (je zwei Meter lange Stücke) aufgedeckt worden. „Der Verlauf der ehemaligen Befestigung konnte hier auf 23 Meter zurückverfolgt werden“, sagt Kaszab-Olschewski. Und weiter: „Strukturell sind diese Mauerfragmente mit dem in der Neanderstraße identisch, jedoch waren hier die äußeren Kantenscheine vorhanden.“

Die Stadtmauer, so die Archäologin, wurde in der sogenannten Zweischalentechnik errichtet. Zunächst wurden zwei Mauerschalen gebaut und dann ist der Zwischenraum verfüllt worden. In Mettmann, so die Wissenschaftlerin weiter, sind für die Mauerschalen große Bruchsteine (60 bis 80 cm lang und 10 bis 12 Zentimeter hoch) der Länge nach zersägt worden.

Die so genanten geraden Kanten sind als Sichtsteine nach außen gerichtet und die Steine übereinander leicht versetzt aufgeschichtet worden. Als Verfüllung des Zwischenraumes verwendete man kleinere Bruchsteine – ebenfalls Schiefer – und Mörtel aus Sand und Kalk. Bezüglich der Datierung der Mettmanner Stadtmauer ist eine Urkunde aus dem Jahr 1424 bedeutend, so die Kaszab-Olschewski, die nicht nur die bereits vorhandene Befestigung, also Mauer, Graben und auch Wall erwähnt, sondern auch die Erhaltung und Renovierung bereits im Verfall begriffener Teile einfordert. Demnach erfolgte der Bau der Mauer offenbar im 13. bis 14. Jahrhundert oder eventuell noch früher.

Noch ist unklar, ob ein Teil der Stadtmauer sichtbar bleibt

Die Zerstörung und Schleifung der Umwehrung ereignete sich während beziehungsweise nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). „Zumindest diese Datierung kann die ansonsten fundarme Ausgrabung bestätigen. Denn: Eine Keramikscherbe aus der Ausbruchstelle kann als Rheinisches Steinzeug, Siegburger Machart, aus dem 17. Jahrhundert bestimmt werden.“

Nach Aufgabe der Verteidigungsanlagen (Mauer, Graben, Wall) ist dieser Bereich, so Heimatforscher H.G. Hütten als Garten genutzt worden, bis man 1750 die Freiheitstraße anlegte und ab 1775 die Evangelische Kirche erbaute. Die Wallstraße müsste demzufolge frühestens nach dem 30-jährigen Krieg, vermutlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet worden sein.

Noch ist unklar, so Bürgermeister Thomas Dinkelmann, ob ein Teil der Stadtmauer sichtbar bleibt (Glasabdeckung) oder der Verlauf der Stadtmauer im Straßenverlauf dokumentiert wird. „Das hängt auch von der Finanzierung und von Sponsoren ab.“

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