Marvin Joof wollte eigentlich von Neukirchen-Vluyn nach Mettmann. In Düsseldorf war aber Endstation.

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Kein Platz für Kinder: Die Bahn ließ einen 13-jährigen Jungen am Hauptbahnhof in Düsseldorf zurück, weil er seine Fahrkarte mehrfach abgestempelt haben soll.

Kein Platz für Kinder: Die Bahn ließ einen 13-jährigen Jungen am Hauptbahnhof in Düsseldorf zurück, weil er seine Fahrkarte mehrfach abgestempelt haben soll.

Simone Bahrmann

Kein Platz für Kinder: Die Bahn ließ einen 13-jährigen Jungen am Hauptbahnhof in Düsseldorf zurück, weil er seine Fahrkarte mehrfach abgestempelt haben soll.

Mettmann. Weil er seine Fahrkarte mehrfach abgestempelt haben soll, war für den 13 Jahre alten Joel Marvin Joof, der mit der Bahn auf dem Heimweg nach Mettmann war, am Düsseldorfer Hauptbahnhof Endstation.

Ein Kontrolleur soll sich die Daten des Jungen aufgeschrieben und ihn dann ohne Fahrschein und Bescheinigung, mit der er hätte weiterfahren können, auf den Bahnsteig stehen gelassen haben. Ein Fall, von dem die Bahn nichts wissen will.

Ohne Geld und ohne Fahrkarte traute sich der Junge nicht, mit der Regiobahn weiterzufahren. "Als er nicht am Stadtwald mit dem Zug ankam, habe ich ihn sofort auf dem Handy angerufen", so Ulrike Joof, Joels Mutter. "Dann habe ich ihn mit dem Auto in Düsseldorf abgeholt." Ulrike Joof kochte innerlich. Ihr Sohn hatte ihr versichert, sein Ticket nur einmal abgestempelt zu haben.

Ulrike Joof: "Er hat das Ticket wie immer im Bus einmal entwertet"

Der Junge lebt zurzeit im Neukirchner Erziehungsverein und fährt regelmäßig von Neukirchen-Vluyn zu Besuch nach Mettmann. So auch am vergangenen Silvestertag. "Er hat in Neukirchen-Vluyn das Ticket wie immer im Bus einmal entwertet", sagt Ulrike Joof. Doch das sah der Zugbegleiter, der den Jungen im Zug von Duisburg nach Düsseldorf kontrollierte, wohl anders.

Ulrike Joof schrieb eine E-Mail an die Bahn und bat um Aufklärung. Gegen einen Bußgeldbescheid kündigte sie Widerspruch an, werde den Fall ihrer Anwältin übergeben. Nichts geschah. Von der Bahn kam keine Nachricht, keine Reaktion. Ulrike Joof meldete sich daraufhin bei der WZ.

"Weder der Name des Jungen ist bei uns irgendwo zu finden, noch gibt es überhaupt eine Notiz von diesem Vorfall."

Ein Bahnsprecher, nachdem alle Systeme überprüft und sämtliche Mitarbeiter befragt worden waren

Auf Nachfrage unserer Zeitung nahm die Bahn im Fall Joel allmählich Fahrt auf. Nachdem alle Systeme überprüft und die Mitarbeiter des Zuges, in dem der Junge am Silvestertag gefahren war, angehört worden waren, war für die Pressestelle der Fall schnell erledigt. "Weder der Name des Jungen ist bei uns irgendwo zu finden, noch gibt es überhaupt eine Notiz von diesem Vorfall", erklärte ein Bahnsprecher gegenüber der WZ und auch Joels Mutter.

Hatte sich der Junge die Geschichte ausgedacht? "Das kann ich mir nicht vorstellen", wiederholte Joels Mutter. Und sie sollte Recht behalten. Nach über einem Monat bekam sie Post von der DB Vertriebs GmbH, Abteilung Fahrpreisnacherhebung: "Wir teilen Ihnen mit, dass Ihr Kind bei der Prüfung der Fahrausweise auf einer Fahrt am 31.12.2008 keinen beziehungsweise keinen tarifgemäßen Fahrausweis vorzeigen konnte."

40 Euro plus sieben Euro Mahnkosten möchte die Bahn von Ulrike Joof haben. "Die Bahn hat den Brief mit meinem Namen an den Erziehungsverein in Neukirchen geschickt. Das ist wohl die Erklärung dafür, dass es sich schon um eine Mahnung mit Gebühren von sieben Euro handelt." Wo der erste Brief abgeblieben ist, weiß sie nicht.

Bahn: Der Junge hätte in Düsseldorf eh umsteigen müssen

"Wir haben alles überprüft. Ich kann mich nur darauf verlassen, was mir die Kollegen gesagt haben", sagte der Bahnsprecher, der zuvor versichert hatte, dass es keinen "Fall Joel" gebe.

Was den Vorwurf angeht, der Zugbegleiter hätte den 13-Jährigen einfach in Düsseldorf zurückgelassen, teilte die Bahn am Freitag derweil mit, dass der so nicht stehen gelassen werden könnte. Der Junge hätte in Düsseldorf eh umsteigen müssen - also auch mit gültigem Ticket. "Er ist also keinesfalls allein gelassen oder sogar aus dem Zug geworfen worden."

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