Bei Rabatten von bis zu 70 Prozent bilden sich an den Kassen Schlangen, wie es sie zu normalen Zeiten nicht gab.

Alles soll raus: Mit deutlichen Preisnachlässen begann gestern der Ausverkauf in der Hertie-Filiale. Die Kunden kamen in Scharen.
Alles soll raus: Mit deutlichen Preisnachlässen begann gestern der Ausverkauf in der Hertie-Filiale. Die Kunden kamen in Scharen.

Alles soll raus: Mit deutlichen Preisnachlässen begann gestern der Ausverkauf in der Hertie-Filiale. Die Kunden kamen in Scharen.

Dirk Thomé

Alles soll raus: Mit deutlichen Preisnachlässen begann gestern der Ausverkauf in der Hertie-Filiale. Die Kunden kamen in Scharen.

Erkrath. Wenn Preise sinken, macht die Betroffenheit Pause. "Räumungsverkauf - 30 Prozent extra" schrien am Freitag Plakate den Kunden am ersten Tag des Räumungsverkaufs in der Hertie-Filiale entgegen. Da gingen Herren-Oberhemden für sechs Euro, Pullover für zehn Euro und Winterjacken für schlanke 26 Euro über den Kassentisch.

"Das ist hart. Jetzt kommen die Geier", kommentierte ein Abteilungsleiter einen Kundenansturm, der - hätten ihn denn auch normale Tage entfachen können - das Kaufhaus kaum in die Pleite getrieben hätte.

Er habe 40 Jahre bei Karstadt, Karstadt Compact und jetzt Hertie gearbeitet. "Wir sind verbittert." Bevor er seinen Namen nennen kann, wendet er sich brüsk ab: "Sonst krieg’ ich gleich einen Wutanfall." Die andere Welt sind die Menschen, die mit sieben Hemden beladen die angenehme Seite des Ausverkaufs für sich entdeckt haben.

"Wir haben keinen Krankenstand. Das sind gute Mitarbeiter."

Detlef Kalus, Geschäftsführer von Hertie Erkrath

Hannelore Born ist nicht nur am Freitag gekommen. "Ich war jeden Tag hier", sagt sie. Kleinigkeiten habe sie bei Hertie gekauft. "Das jetzt geschlossen wird, ist eine Katastrophe - vor allem für die Mitarbeiter." Dass als Nachfolger für das Kaufhaus ein weiteres Lebensmittelgeschäft wahrscheinlich wird, findet sie nicht gut. "Das brauchen wir nicht. Wichtiger wären ein Schuhgeschäft oder ein Laden, in dem ich Porzellan kaufen kann."

Mit dieser Meinung liegt sie voll im Trend. Auch Petra Kersting, Bernd Roland und Kurt Sembritzki halten ein weiteres Lebensmittelgeschäft für verzichtbar. "Kleinere Geschäfte wie ein Fischgeschäft und Läden mit Textilien und Haushaltswaren wären besser", so Roland.

Das sieht Bürgermeister Arno Werner völlig anders. "Um die Bahnstraße zu stützen, braucht man einen Frequenzbringer", sagt er. Das könne auch ein Geschäft mit vermeintlich verzichtbarem Angebot wie ein weiterer Discounter sein. "Nur dann haben kleinere Geschäfte die Möglichkeit, mitzuschwimmen."

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