Wenn Lutz Kniep nicht gerade an der Musikschule unterrichtet, dann ist er mit seiner eigenen Show auf großer Tour. Während des Karnevals ist er fast täglich landesweit gefragt.

Die feine Klassik beherrscht er genauso wie die Kunst, die Masse zum Toben und Tanzen zu bringen.
Die feine Klassik beherrscht er genauso wie die Kunst, die Masse zum Toben und Tanzen zu bringen.

Die feine Klassik beherrscht er genauso wie die Kunst, die Masse zum Toben und Tanzen zu bringen.

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Die feine Klassik beherrscht er genauso wie die Kunst, die Masse zum Toben und Tanzen zu bringen.

Ratingen. Nein, ein Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist er nicht, aber in zwei Welten lebt Lutz Kniep schon - meistens. Zwei Tage in der Woche ist der 44-Jährige mit der Stoppelfrisur ganz normaler Pädagoge an der städtischen Musikschule, wo er zwei Dutzend Kindern die ersten Gehversuche mit der Trompete ermöglicht und in der Bläserklasse der Käthe-Kollwitz-Schule unterrichtet.

Der andere Lutz Kniep steht in vollen Hallen und Sälen im Rampenlicht, zelebriert auf Galas, Kreuzfahrten, Firmenevents, Partys und Festen zu einer von ihm selbst entworfenen Lasershow brillante Trompetenklänge mit Gänsehauteffekt - ob kürzlich auf der großen Silvestergala in der Ratinger Stadthalle oder in Kölns feiner Stube, dem Gürzenich.

Ein minutiöser Plan ermöglicht bis zu sieben Auftritte pro Tag

Zurzeit ist er aber vor allem "dä Mann met dr Trööt", der die jecken Massen zum Toben bringt. Karneval bedeutet Dauereinsatz: 70 Termine hat er allein von Januar bis Aschermittwoch zu absolvieren, fünf, sechs, manchmal sogar sieben am Tag - quer durchs ganze Land. Dann hat Kniep einen 14-Stunden Tag. Denn oft geht’s schon mittags los. "Das muss alles minutiös durchgeplant sein, sonst klappt’s nicht."

Seine Frau Petra, die die komplette Organisation und Planung übernimmt, entwirft dazu einen detaillierten Ablaufplan: Veranstaltungsorte, Fahrrouten und -zeiten, Auftrittszeit, Telefonnummern wichtiger Ansprechpartner - alles ist notiert. "Besonders wichtig ist ein Hinweis, welchen Eingang ich nehmen muss", weiß Kniep aus Erfahrung. Gerade bei Schnee und Eis kann es mal eng werden. Wenn aber schon der erste Auftritt nicht pünktlich ist, fällt die ganze Planung wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Der Karnevalswahnsinn dauert manchmal bis nach Mitternacht

Manchmal kommt Kniep erst fünf Minuten vor seinem Auftritt an der Halle an, dann muss alles schnell gehen: im Auto das verschwitzte Hemd wechseln, das Jacket über den Arm, den Trompetenkoffer in die Hand und zum richtigen Bühneneingang hasten. "Da bleibt keine Zeit zum Suchen." Augenblicke später steht er auf der Bühne. Seine beiden Techniker haben mit wenigen Handgriffen alles Notwendige verkabelt. Mit Klassikern wie "Wenn et Trömmelche jeht" hat er dann im Handumdrehen den Saal für sich gewonnen. Applaus, Jubel, Zugaben - dann geht’s wieder weiter. Manchmal ist er erst lange nach Mitternacht wieder zu Hause in Homberg. "Bis ich dann wieder runterkomme, dauert es noch eine Weile." Aber den "Karnevalswahnsinn" mache er gerne.

Lutz Kniep (44) absolvierte eine klassisches Trompetenstudium an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar. Danach jazzte er auch viel und stellte eine eigene Louis-Armstrong-Show auf die Beine. Er ist seit vielen Jahren Trompetenlehrer an der Ratinger Musikschule.

Sein Lieblingsinstrument ist eine "Stradivarius" der renommierten US-Firma Bach. Die Trompete kaufte er 1993 günstig in Hongkong und ließ sie sich versilbern.

Lutz Kniep lebt mit Frau Petra und drei Kindern (Lukas, Anna, Julia) in Homberg.

Auf den Weg, abseits des Musikschulunterrichts zu musizieren, brachte ihn ein Zufall: Anfang der 90er-Jahre hatte der Ratinger Musikalienhändler Volker Kunz ihn gefragt, ob Kniep ihn nicht auf einer Kreuzfahrt vertreten könne. Er sagte zu und gab auf einer Tour von Bremerhaven nach Spitzbergen an Bord Rentnern Unterricht am Keyboard. Beim nächsten Mal packte er "aus einem Bauchgefühl" seine Trompete mit ein, bekam Gelegenheit aufzutreten - und nur positive Rückmeldungen. "Ab da wurde es ein Selbstläufer", erinnert sich Kniep. Er entwickelte ein Gala-Programm und war regelmäßig an Bord im Einsatz.

Den Dreh zum Karneval hatte Kniep den Düsseldorfer Urgesteinen Pit & Joe zu verdanken. "Die gaben mir den entscheidenden Tipp." Nach einem Künstlervorstellabend in Neuss bekam Kniep prompt 26 Aufträge. Inzwischen hat er eine eigene Agentur "Alaaaf", um die vielen Sessionsbuchungen abzuwickeln.

"Nur Trompete reicht heute nicht mehr für eine Show", weiß Kniep, der deshalb mit eigenem Lichtverfolger, eigener Ton- und Lasertechnik unterwegs ist, alles in handlichem Format. 24000Euro kostete der letzte Laser, den er angeschafft hatte. Daneben tüftelt Kniep ständig, die Lichttechnik noch wirkungsvoller einzusetzen. Auf seinen Apparat, der auf Knopfdruck eine riesige Gaze-Leinwand als Projektionsfläche ausfährt, hat er ein Patent angemeldet.

Was kommt nach Aschermittwoch? "Mehr Ruhe - und mehrere Auftritte zur Markteinführung des neuen 5er-BMW."

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