Es hätte nicht viel gefehlt, und ein Lkw wäre von der Brücke der A 3 ins Neandertal gestürzt – direkt über der CO-Pipeline.

Unfall
Mit Seilwinden zieht die Feuerwehr die Reste des Brückengeländers zurück auf die Fahrbahn. Es hatte den Absturz des Lastwagens verhindert.

Mit Seilwinden zieht die Feuerwehr die Reste des Brückengeländers zurück auf die Fahrbahn. Es hatte den Absturz des Lastwagens verhindert.

Joghurtbecher und andere Fracht flogen über den Brückenrand in die Tiefe und landeten in unmittelbarer Nähe der Pipelinetrasse.

Dirk Thomé, Bild 1 von 2

Mit Seilwinden zieht die Feuerwehr die Reste des Brückengeländers zurück auf die Fahrbahn. Es hatte den Absturz des Lastwagens verhindert.

Erkrath. Es sind nur 18 Meter. Doch für den Fahrer eines Lebensmitteltransporters waren es die tiefsten 18 Meter seines Lebens, als er am Mittwoch gegen fünf Uhr morgens auf der Autobahnbrücke der A 3 über das Neandertal die Kontrolle über seinen Sattelschlepper verlor und die Leitplanke durchbrach.

„Der Fahrer hat dem Tod in die Augen geblickt“, sagt ein Polizist am Boden – über ihm bergen Einsatzkräfte Reste der Leitplanke und des Brückengeländers, die bizarr verformt über dem Abgrund hängen.

Die Rettungskräfte sind sich einig: Ohne diese nun völlig zerstörte Sicherheitsbarriere wäre der 52-Jährige mit dem grauschwarzen Schnurrbart jetzt tot.

Unterhalb der Unfallstelle liegen Gas-Pipelines im Boden

Seit kurz nach fünf sind sie im Einsatz. Im dichten Schnee und bei Minusgraden ziehen sie den weißen Lastzug vom Abgrund weg, pumpen 700 Liter Diesel ab und sichern das Geländer, das herabzustürzen droht.

Mittags schaufeln Feuerwehrleute am Fuß der Brücke Joghurtbecher und Tiefkühlpizza auf einen Haufen. Direkt neben dem geborstenen Kühlcontainer, der beim Aufprall des Lastwagens in die Leitplanke aus dem Anhänger in die Tiefe geschleudert wurde, steht ein unauffälliger gelber Pfahl. Er zeigt an: Hier liegen Pipelines im Boden. Auch die CO-Pipeline von Bayer verläuft neben der A 3.

Bürgermeister sieht Sorgen über Sicherheit bestätigt

Von der zuständigen Bezirksregierung war am Mittwoch keine Stellungnahme zur Sicherheit der Pipelinetrasse zu erhalten. Unsere Zeitung hatte gefragt, ob angesichts des Beinaheunfalls die Trassenführung nahe der Autobahn noch als sicher gelten könne und ob die Pipeline den Einschlag eines Lastwagens verkraften könne.

Bei dem Unfall traten auch 500 Liter Diesel aus dem Tank des Lkw aus. Sie konnten im Ölabscheider eines Regenrückhaltebeckens aufgefangen werden.

Hätten Leitplanke und Geländer dem Aufprall des Lastwagens nicht standgehalten – er wäre im Bereich der Leitung gelandet. Zwar fließt noch kein Kohlenmonoxid durch das Rohr, aber in direkter Nachbarschaft liegt auch noch eine große Gaspipeline. Der Einschlag eines tonnenschweren Lkw könnte an kaum einer ungünstigeren Stelle passieren.

„Damit hat sich bestätigt, wovor wir immer gewarnt haben“, sagt Erkraths Bürgermeister Arno Werner. Die Stadt und Anwohner haben aus Sorge vor genau so einem Lkw-Unfall Einspruch gegen die parallel zur Autobahn verlaufende Trasse eingelegt.

Oben auf der Brücke fließt der Verkehr im Schneckentempo über eine Spur. Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Spedition, für die der Unfall-Lkw unterwegs war, bergen den unbeschädigten Teil der Ladung – Milch, Wurst, Nudeln.

Erkraths Feuerwehrchef Guido Vogt ist erleichtert, dass es bei Sachschäden und leichten Handverletztungen des Fahrers geblieben ist. „Der Fahrer hat sehr viel Glück gehabt, dass er nicht runtergefallen ist“, sagt er mit Blick über den Brückenrand.

Im Hintergrund kreischt der Trennschleifer. Arbeiter demontieren 70 Meter zerstörte Leitplanke und ersetzen sie im Eiltempo. Bis zum Abend werden sie bei Minusgraden flexen und schrauben. „Muss schnell gehen“, sagt einer von ihnen schulterzuckend. „Verkehr muss rollen.“

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