Reiten, Tiere füttern, Äpfel zu Saft pressen – für Kinder soll die Natur wieder erlebbar werden.

Petra Siegel gibt mit Pony Nemo den Mädchen Luana, Dennie und Lillie (v.l.) auf dem Halfeshof Reitunterricht. Therapeutisches Reiten ist ein Angebot auf dem Bauernhof, der sich auch als Lernort versteht.
Petra Siegel gibt mit Pony Nemo den Mädchen Luana, Dennie und Lillie (v.l.) auf dem Halfeshof Reitunterricht. Therapeutisches Reiten ist ein Angebot auf dem Bauernhof, der sich auch als Lernort versteht.

Petra Siegel gibt mit Pony Nemo den Mädchen Luana, Dennie und Lillie (v.l.) auf dem Halfeshof Reitunterricht. Therapeutisches Reiten ist ein Angebot auf dem Bauernhof, der sich auch als Lernort versteht.

Dirk Thomé

Petra Siegel gibt mit Pony Nemo den Mädchen Luana, Dennie und Lillie (v.l.) auf dem Halfeshof Reitunterricht. Therapeutisches Reiten ist ein Angebot auf dem Bauernhof, der sich auch als Lernort versteht.

Kreis Mettmann. Kaum ist der Familienvan zum Stillstand gekommen, krabbelt Lillie (5) auch schon von der Rückbank, saust mit Freundin Luana (5) und Schwesterchen Dennie (3) auf den Hof - und mit viel Schwung in die Arme von Petra Siegel. Der fällt bei der stürmischen Begrüßung beinahe der Cowboyhut vom Kopf. "Ich habe mich schon so auf euch gefreut", begrüßt sie die drei Mädchen vertraut.

Die 43 Jahre alte Voltigierpädagogin gibt seit eineinhalb Jahren Voltigierstunden auf dem Halfeshof im Neandertal. Dabei verfolgt Pferdenärrin Petra Siegel einen pädagogischen Zweck: In kleinen Gruppen lernen die Kinder auf das Pferd einzugehen und aufeinander Rücksicht zu nehmen.

"Das Pferd ist der beste Lehrmeister. Wenn die Kinder zu hektisch sind, erschreckt sich das Pferd, und die Kinder werden daran erinnert, dass sie ruhiger sein müssen", erklärt Petra Siegel, während sie Pony Nemo aus der Box holt.

Die Tiere und die Natur rund um den Hof kennenlernen

Die Mädchentruppe weiß bereits, was jetzt zu tun ist. Flink sind die Bürsten aus dem Putzkasten geholt, und Nemo wird liebevoll gestriegelt. Der Umgangston ist nett, die Kinder sind ausgelassen und rücksichtsvoll zugleich.

Während die Mädchen auf dem Weg in die Reithalle sind, macht sich auf dem Halfeshof langsam die Abendsonne breit. Die alte Bruchsteinmauer der Scheune wird in ein warmes Rot getaucht. Aus der Ferne sind die Mädchenstimmen zu hören, sonst ist es still geworden auf dem Hof.

Voltigierstunden kosten je nach Gruppengröße zehn bis zwölf Euro pro Stunde. Für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen oder Verhaltensauffälligkeiten werden Einzelstunden angeboten. Das Programm auf Gut Halfeshof wird durch eine psychomotorische Förderung des Kindes ergänzt, die eine Motopädin anbietet. Besonders angesprochen sind Kinder, die in ihrer geistigen oder körperlichen Entwicklung verzögert oder beeinträchtigt sind. Es gibt Kürbisschnitzen für Schulklassen, Gruppen und Kindergeburtstage, Pfadfinderstunden mit den Neanderfüchsen und mehr.

Doch still ist es selten auf dem Bauernhof. Wie auf anderen Höfen auch, werden dort Kindergeburtstage gefeiert gefeiert. Mit Hofinhaber Roland Rapp lernen die Kinder in drei Stunden alle Tiere und Bereiche des Hofes kennen, toben ausgelassen in der Scheune im Stroh oder auf den großen Wiesen.

Im Sommer sammeln sie im Obsthof Äpfel, stückeln und pressen sie und kosten anschließend ihren Apfelsaft. "Für Kinder ist es heute normal, dass sie in den Supermarkt gehen und Säfte aus Tetrapacks kaufen. Hier bekommen sie ein Gespür dafür, wie viel Arbeit dahinter steckt", sagt Roland Rapp. "Ein Bauernhof ist für Kinder ideal, um sich auszutoben und eine Wertschätzung für so selbstverständlich gewordene Dinge zu vermitteln."

Vor eineinhalb Jahren übernahm der 35-jährige Roland Rapp den Hof seines Vaters und setzt seitdem, neben dem familiengerechten Angebot, auf den ökologischen Landbau. Auf chemische Dünger und Spritzmittel wird vollends verzichtet, Schafe, Zebu-Rinder und Ponys ersetzen den Rasenmäher. Und auch Sau Luise bekommt ausschließlich ökologisches Futter.

Zurzeit kann sich Luise aber weder daran, noch am Auslauf erfreuen. Unruhig steht sie am Zaun ihres Geheges, wirft den Rüssel gen Himmel und grunzt herzergreifend. Vor kurzem hat sie ihren Partner Konrad verloren, nun trauert sie. Doch schon ist die kleine Dennie aus dem Reitstall da. Bis für Luise ein neuer Partner gefunden ist, hat sich die Dreijährige bereit erklärt, Trauerarbeit zu leisten und Luise regelmäßig zu besuchen.

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