Die WfB will in wirtschaftlich schlechten Zeiten neue Nischen suchen, um Behinderten eine Beschäftigung und Ausbildung zu bieten.

Weniger Arbeit haben Gruppenleiter Michael Rätlein (hinten) sowie die WfB-Mitarbeiterinnen Beate Hühn und Olga Riffel bei der Montage von Duschwannenfüßen noch nicht.
Weniger Arbeit haben Gruppenleiter Michael Rätlein (hinten) sowie die WfB-Mitarbeiterinnen Beate Hühn und Olga Riffel bei der Montage von Duschwannenfüßen noch nicht.

Weniger Arbeit haben Gruppenleiter Michael Rätlein (hinten) sowie die WfB-Mitarbeiterinnen Beate Hühn und Olga Riffel bei der Montage von Duschwannenfüßen noch nicht.

Dirk Thomé

Weniger Arbeit haben Gruppenleiter Michael Rätlein (hinten) sowie die WfB-Mitarbeiterinnen Beate Hühn und Olga Riffel bei der Montage von Duschwannenfüßen noch nicht.

Kreis Mettmann. Die Worte "Kurzarbeit" und "Entlassungen" sind für Heinrich Feilhauer in diesen Wochen und Monaten kein Thema, über das zu reden wäre. Das Wort "Wirtschaftskrise" hingegen kennt der Geschäftsführer der Werkstätten für Behinderte (WfB) jedoch genau und steuert trotzig dagegen. "Die deutsche Wirtschaft ist in einer Rezession, aber nicht im freien Fall."

Schließlich gilt es, für über 1000 Menschen mit einer wesentlichen Behinderung eine angemessene berufliche Bildung und Beschäftigung zu bieten. Und wenn möglich, die Behinderten in feste Jobs zu vermitteln. "Die Werkstatt muss keine Einbahnstraße sein. Etwa zehn Prozent unserer Mitarbeiter wären geeignet, in der Industrie zu arbeiten - wenn dort die geeigneten Arbeitsplätze angeboten würden", sagt Feilhauer.

"Ohne Geld kann man nichts Soziales tun"

Da das aber nicht der Realität entspricht, wird in den sechs Werkstätten an den Standorten Langenfeld, Ratingen und Velbert kräftig gearbeitet: Industriemontagen wie Tischlerarbeiten, Gartenbau wie Heißmangelservice. "Wir haben sogar jetzt die ersten Computerarbeitsplätze in Velbert im Aufbau. Dort versuchen wir digitale Foto- und Bildbearbeitung anzubieten", so Feilhauer.

Die Werkstätten setzen auf Vielfalt. "Wir müssen flexibel sein und Nischen besetzen", so Feilhauer. Der "Babyschalenspiegel" ist so ein Beispiel. Mit diesem Spiegel haben Autofahrer ihr Kind auf dem Rücksitz stets gut im Blick. Weil vor zwei Jahren kein Hersteller Interesse an der Erfindung des Heiligenhauser Dieter Hilbertz hatte, sprang die WfB ein. Mittlerweile sind 10000 dieser Spiegel verkauft - für 34,50Euro pro Stück.

In anderen Bereichen habe man schon mittlerweile die komplette Produktion übernommen. "Früher haben unsere Mitarbeiter für die Puky-Kinderräder nur einzelne Teile zusammengesteckt. Heute montieren sie die Räder komplett", ergänzt Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Ockel.

Mit insgesamt sechs Werkstätten sind die WfB in Langenfeld, Ratingen und Velbert vertreten. Die Zahl der behinderten Mitarbeiter stieg von 1014 auf 1034 Mitarbeiter an. In Langenfeld sind es 429, in Velbert 426 und in Ratingen 179 Mitarbeiter. Die Werkstätten sind auf 1053 Arbeitsplätze ausgelegt. Die Mitarbeiter erhalten einen Lohn für ihre Arbeit, im Durchschnitt rund 190 Euro im Monat, und sind sozialversichert.

Auch die Zahl der angestellten Fachkräfte stieg von 206 auf 220.

Das Leistungsspektrum der WfB reicht bis zur Serienfertigung im Bereich der Montage und Verpackung. In der Holzbearbeitung werden sogar Massivholzmöbel und Messestände produziert. Es gibt zudem noch die Garten- und Landschaftspflege, den Kopier- und Versandservice sowie den Textilservice.

Die 2000 Hände der Mitarbeiter schafften im vergangenen Jahr die Montage, Konfektionierung und Verpackung von 50 Millionen Einzelteilen, acht Millionen Automobilzubehörteilen, 100000 Kleinkinder-Fahrzeugen, die Pflege von 50 000 Quadratmetern Grünflächen und das Mangeln von 14000 Quadratmetern Wäsche.

Die Werkstätten für Behinderte müssen sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten - und Geld verdienen. "Ohne Geld kann man nichts Soziales tun", sagt Feilhauer. Immerhin wurden im vergangenen Jahr über drei Millionen Euro umgesetzt. "Dieses Ziel haben wir uns auch für 2009 gesteckt. Außerdem wollen wir kräftig in neue computergesteuerte Maschinen für die Metallverarbeitung investieren, um unseren Kunden bei steigender Nachfrage sofort ein Angebot machen zu können", so Feilhauer.

Die Vielfalt ist es auch, die den Geschäftsführer nicht aus der Ruhe bringt, wenn er den Bereich Automobilzubehörteile betrachtet. Dort ist man in diesem Jahr schlecht gestartet. "Wir liegen da 15 Prozent unter dem Umsatz der vergleichbaren Monate im Vorjahr." Doch in den anderen Bereichen laufe es gut. "Ob die Kinderräder, Staubsauerdüsen oder die Rohrverbindungen - von einer Wirtschaftskrise ist da noch nichts zu spüren."

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