Gabriele Härtel ist frustriert wegen der Härten, die Hartz IV für sie mitbringt. Doch sie hat auch Verständnis für den Gesetzgeber.

Ratingen. Gabriele Härtel (43) weist mit der Hand durch das gemütlich eingerichtete Wohnzimmer ihrer Wohnung in Ratingen-West. Seit zwölf Jahren wohnt die geschiedene Mutter von drei Kindern (21, 15, 12 Jahre) dort. Jetzt muss sie in eine andere, kleinere Wohnung umziehen. Denn für die HartzIV-Empfängerin und ihre noch bei ihr lebenden zwei Kinder gilt die Vierzimmerwohnung als zu groß.

"Mir stehen 75 Quadratmeter zu. Bis jetzt machte das nichts aus, da die Miete angemessen war", sagt Härtel. Doch der Vermieter, die LEG, hat die Kaltmiete von 438 auf 472 Euro angehoben - mehr als der Satz, der ihr zusteht. Gabriele Härtel ist schon oft in ihrem Leben umgezogen. Und schon immer war sie von Hartz IV beziehungsweise früher von der Sozialhilfe abhängig. Doch diesmal macht es ihr schon sehr zu schaffen: "Wir haben dann ein Zimmer weniger, da muss ich auf mein Schlafzimmer, meinen Rückzugsraum verzichten. Mein Sohn mit 15 und meine Tochter mit zwölf Jahren sollen doch jeder ein eigenes Zimmer haben."

Für Taschengeld reicht es diesen Monat mal wieder nicht

Gabriele Härtel versucht, trotz des engen Budgets Tochter Sharon und Sohn Justin möglichst ein normales Leben zu bieten, ähnlich ihren Schulfreunden auf der Realschule und der Gesamtschule. Das klappt allerdings nicht immer. "Für Taschengeld reicht es in diesem Monat mal wieder nicht", erzählt die Mutter, die mit 1.280 Euro plus Kindergeld auskommen muss.

Früher hat sie als Zimmermädchen, dann als Küchenhilfe gearbeitet. Gelernt hat sie, die selbst aus einer von Sozialhilfe lebenden Familie kommt, dabei nichts. "Alles unterbezahlte Berufe", wie sie sagt. "Aber die letzte Stelle war klasse, doch leider war das dann auch vorbei." Zurzeit kann sie aus Krankheitsgründen nicht arbeiten, will sich aber auf alle Fälle wieder etwas suchen.

"Das Problem für uns ist, dass immer alles auf Hartz IV angerechnet wird. Von den Erhöhungen, wie beim Kindergeld, haben die Kinder dann wieder nichts", beklagt sie. "Als ich in der Tagesklinik war, habe ich direkt Essensgeld abgezogen bekommen. Dabei habe ich doch am Abend auch noch für meine Kinder gekocht."

"Man darf sich einfach nicht zu schade sein, Hilfe anzunehmen."

Gabriele Härtel, alleinerziehende Mutter und Hartz-IV-Empfängerin

Doch Gabriele Härtel sieht auch, dass nicht in allen Familien, das, was für die Kinder gedacht ist, wirklich bei ihnen ankommt. "Es ist eben wie überall, es gibt gute und schlechte Eltern." Um etwas zurückzulegen, reiche das monatliche Geld einfach nicht. Umso dankbarer ist sie der Tafel, bei der sie regelmäßig mit dem Fahrrad Lebensmittel holt. Nur diese Hilfe verschaffe ihr etwas Luft für Dinge außer der Reihe. "Die Tafel ist meine Möglichkeit zu sparen. Man darf sich einfach nicht zu schade sein, auch Hilfe anzunehmen."

Hoffnungen, dass es nach dem Verfassungsgerichtsurteil zu Hartz IV besser wird (siehe Infokasten), hat Gabriele Härtel kaum. "Die wissen doch nicht, wie wir leben", sagt sie. Aber sie sieht auch die andere Seite. "Es ärgert mich einfach, dass einige das Amt verarschen, wo sie nur können, und die Ehrlichen immer darunter zu leiden haben."

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