Produktion: Auf dem sanierten Viadukt in Heiligenhaus drehte eine Filmcrew Szenen für einen Kurzfilm.

Die Filmcrew dreht eine Szene mit Fenja Rühl auf dem Viadukt in Heiligenhaus.
Die Filmcrew dreht eine Szene mit Fenja Rühl auf dem Viadukt in Heiligenhaus.

Die Filmcrew dreht eine Szene mit Fenja Rühl auf dem Viadukt in Heiligenhaus.

Dirk Thomé

Die Filmcrew dreht eine Szene mit Fenja Rühl auf dem Viadukt in Heiligenhaus.

Heiligenhaus. Die Kapuze der nassen Jacke ist tief ins Gesicht gezogen, die Schultern sind hochgezogen und die Hände stecken in den Hosentaschen. Mit abwartendem Blick schaut der junge Mann in den wolkenverhangenen Himmel. "Das Wetter ist ärgerlich. Aber es hilft ja alles nichts.

Wir müssen die Szenen heute unbedingt in den Kasten bekommen", sagt Florian Forsch und blickt in die Runde. Er bekleidet den Regisseurposten in der insgesamt zwölfköpfigen deutsch-holländischen Filmcrew, die an der alten Eisenbahnbrücke an der Ruhrstraße in Heiligenhaus zwei Szenen für ihren Film "Unerreichbarkeit" dreht.

Eine Low-Budget-Produktion, die nicht ohne Sponsoren auskommt

Nach drei Wochen Vorbereitungszeit sind die fünf Studenten der Akademie der Bildenden Künste in Maastricht mit ihren Helfern und zwei Schauspielern angereist. Ein wahrer Fuhrpark, darunter ein Wohnmobil als Übernachtungsmöglichkeit, steht am Fuß der Brücke.

Aufgrund des Wetters zögert sich der geplante Drehbeginn noch immer hinaus - was bei insgesamt fünf bis neun eingeplanten Drehtagen nicht unproblematisch ist. "Das Wetter behindert uns in einigen Situationen schon. Wir müssen vor allem darauf achten, dass es nicht in der einen Sequenz regnet und nach einem Schnitt die Darsteller plötzlich im strahlenden Sonnenschein stehen", erläutert Forsch und blickt dabei immer wieder skeptisch in den grauen Himmel.

Gemeinsam mit seinen vier Mitstudenten bekam der 27-Jährige von seinem Dozenten den Auftrag, einen rund zwanzigminütigen Film zum Thema "Unerreichbarkeit" zu drehen. "Es ist unser bislang größtes Projekt", erläutert Co-Produzentin Paula Manthey und betont: "Unser Film ist eine Low-Budget Produktion. Ohne die ganzen Sponsoren und Helfer könnten wir das Ganze gar nicht schaffen."

Im Juni 2008 wurde das Viadukt an der Ruhrstraße restauriert und so Radfahrern und Wanderern zugänglich gemacht. Die Brücke, die bis 1960 noch von der Niederbergbahn befahren wurde, steht seit 1990 unter Denkmalschutz.

Kathinka wird bei einem Streit auf einer dunklen Landstraße aus dem Auto geworfen. Allein und mit nichts außer ihrem Koffer und einer Flasche Vodka begegnet sie auf ihrem Weg einem jungen, suizidgefährdeten Mann. Sie treffen eine Vereinbarung, bei der die Flasche zur Sanduhr wird. An deren Ende soll der gemeinsame Selbstmord stehen. Sie verbringen die Nacht zusammen auf dem Gelände eines Einkaufszentrums und obwohl die Beiden nicht gegensätzlicher sein könnten, kommen sie sich näher. Die Flasche bleibt jedoch nicht ewig voll.

Die Akademie der Bildenden Künste im niederländischen Maastricht wurde 1926 gegründet. Das Studienangebot beinhaltet Fächer, die zwischen autonom bildender Kunst/Design und dozent bildender Kunst/Design angesiedelt sind. Wer nähere Informationen über ein Studium an der Akademie haben möchte, kann sich telefonisch (043-346 6670) oder per Mail (info.abk@hszuyd.nl) informieren.

Der Regen schwächt etwas ab - und sofort kommt Bewegung in die Gruppe. Kein Wunder, die Kamera ist nicht unendlich ausgeliehen und auch die Schauspieler, die über 300 Meter Kabel und das Wohnmobil stehen ebenfalls nicht auf unbegrenzte Zeit zur Verfügung.

"Auch der Mitarbeiter des Leverkusener Kletterwerks, der für die Sicherungsarbeiten des höhergelegenen Drehortes zuständig ist, kann nur heute", so Forsch. Schon am Freitag soll es zur Nachbearbeitung der Aufnahmen zurück an die Akademie gehen. Nach einer kurzen Besprechung geht es für alle Beteiligten eilig auf das Viadukt, das laut der gesamten Crew "ein vielversprechendes Filmset" ist.

Über das Internet von dem Viadukt in Heiligenhaus erfahren

"Nachdem wir die ersten Szenen in Roermond gedreht hatten, suchten wir eine schöne Brücke mit dem passenden landschaftlichen Umfeld, wo nicht allzu viel Verkehr ist", sagt die 23-jährige Paula Manthey und deutet auf Forsch, der auf die Idee kam, den Kreis Mettmann abzusuchen: "Über das Internet habe ich erfahren, dass es hier zahlreiche, landschaftlich schön gelegene Viadukte gibt. Und das hier ist das schönste, was wir finden konnten."

Zunächst schickte der gebürtige Düsseldorfer seinen Vater als "Späher" zu der ehemaligen Eisenbahnbrücke. "Als die Stadt Heiligenhaus uns dann grünes Licht für den Dreh gegeben hat, waren wir natürlich heilfroh", strahlen Forsch und Manthey, als das Filmteam mittlerweile auf der Brücke angelangt ist - nach einem Zick-zack-Lauf um zahlreiche Pfützen.

Aus über 20 Meter Höhe blickt Forsch über das auffallend rote Brückengeländer auf die Ruhrstraße hinab. Hier sollen die Akteure ihren Suizid-Plan in die Tat umsetzen - oder auch nicht. Eines ist jedenfalls klar: "Hier ist ein guter Platz für die beiden letzten Szenen des Showdowns."

Endlich kann der Kameramann auf Position gehen, das Mikrophon steht auch bereit und die beiden Hauptdarsteller machen sich fertig für die letzten Szenen am Brückengeländer. "Wie diese Szenen ablaufen und somit der Film letztlich endet, wird natürlich auch verraten", grinst Forsch. "Erst bei der Premiere." Die ist allerdings erst am 26. Februar im Lumiere Cinema in Maastricht.

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