Selbstbewusst in ein neues Leben: Nach der Hochzeit mit ihrem aus Pakistan stammenden Mann Tayyab hat sich Khadija Wessinger entschieden, zum Islam zu konvertieren. Das Paar lebt in Velbert.

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Khadija Wessinger mit ihrem Sohn Kamza.

Khadija Wessinger mit ihrem Sohn Kamza.

Simone Bahrmann

Khadija Wessinger mit ihrem Sohn Kamza.

Velbert. Vor ein paar Jahren trug Khadija Wessinger noch Minirock. Und einen anderen Namen. Dann lernte sie 2003 beim Chatten im Internet Tayyab kennen. Die ausgebildete Erzieherin lebte damals noch bei Karlsruhe, der aus Pakistan stammende Tayyab, studierte Kunststoff-Technik in Stuttgart. Für Monate war das Internet die einzige Form des Kontakts. "Wir haben uns auch über das Wetter und Politik ausgetauscht", sagt Khadija Wessinger.

Dass es nicht gleich darum ging, sich irgendwo zu treffen, hat der jungen Frau damals gefallen. Auch als sie sich längst ineinander verliebt hatten, gab es keine gemeinsamen Nächte. Eine richtige Beziehung wollte der Pakistaner nur nach einer Heirat führen. "Deshalb haben wir ziemlich bald in einer muslimischen Zeremonie geheiratet. Für mich waren es nur ein paar schöne Stunden, weil ich damit noch nicht so viel anfangen konnte", erzählt Khadija Wessinger.

Aus Interesse liest sie Bücher über den Islam, dann betet sie täglich

Mittlerweile ist die 29-jährige Mutter auch standesamtlich mit Tayyab verheiratet. Das Paar, das drei Kinder hat, zog vor etwa viereinhalb Jahren nach Velbert. Und Khadija konvertierte zum Islam. "Mein Mann hat mich nie gedrängt. Ich habe irgendwann selbst angefangen, Bücher darüber zu lesen", sagt die ehemalige Katholikin.

Zu Beginn der Beziehung habe sie sich das nicht vorstellen konnte. "Ich habe ihm unmissverständlich klargemacht, dass ich mich nicht verbiegen lasse." Er habe auch nie verlangt, dass sie sich anders kleidet. Irgendwann begann Khadija Wessinger von sich aus, nach islamischem Ritus fünfmal am Tag zu beten. Seit zwei Jahren trägt sie ein Kopftuch.

Eine Deutsche mit Kopftuch? Das sorgt für Unverständnis

"Meine Eltern haben mich so noch nie gesehen. Sie wohnen in einem katholischen Dorf in der Nähe von Karlruhe. Dort würde es viel Gerede geben", sagt sie. Als vor sechs Jahren die erste Tochter geboren wurde, haben die Eltern noch gesagt, deshalb müsse man ja nicht gleich heiraten. Nach der Hochzeit und der Entscheidung, zum Islam zu konvertieren, ist das Verhältnis noch schwieriger geworden.

Dienstag (19. Januar), 22.15 Uhr, ZDF, 37 Grad: "Aus Liebe zu Dir - Aufbruch in ein neues Leben".

Die beiden Töchter (sechs und vier Jahre) hat Khadija Wessinger noch taufen lassen, um ihren Eltern einen Gefallen zu tun. "Das würde ich heute nicht mehr machen", sagt sie. Für ihren Mann war die Taufe übrigens kein Problem. Er hatte den Kindern, wie beim Islam üblich, das Glaubensbekenntnis direkt nach der Geburt in die Ohren gerufen.

Sich dem Mann in den eigenen vier Wänden unterzuordnen, das kommt für Khadija Wessinger bis heute nicht infrage. "Ich entscheide in welche Wohnung wir ziehen, welches Haus wir kaufen und in welchen Kindergarten die Kinder gehen sollen", sagt sie selbstbewusst. Das sei allerdings längst nicht in allen muslimischen Ehen so. "Es gibt Männer, die das Vorurteil bestätigen. Aber mein Mann gehört nicht dazu." Allerdings achtet Khadija Wessinger darauf, dass die Töchter beim Schwimmen ein T-Shirt über dem Badeanzug tragen. Und Sohn Hamza (18 Monate) soll beschnitten werden.

Im Alltag kämpft Khadija mit vielen Vorurteilen

Im Alltagsleben hat Khadija Wessinger mit Vorurteilen aller Art zu kämpfen. Die gelernte Erzieherin würde gern wieder arbeiten gehen. "Das sagt natürlich niemand offen, aber mit Kopftuch werde ich bei Bewerbungen vermutlich wenig Chancen haben", glaubt die Konvertitin.

Für Unverständnis sorgt auch immer wieder, dass sie als Deutsche zum Islam konvertiert ist. "Muslimisch und türkisch, dass passt für die Leute eher zusammen", sagt sie und spricht über die Distanz, die ihr häufig entgegengebracht wird. Freundinnen hat Khadija Wessinger vor allem in der muslimischen Gemeinde. Dort spricht sie über ihren Glauben und organisiert Schwimmzeiten im Hallenbad für muslimische Frauen.

Über ihre Probleme spricht sie nur mit ihrem Mann. "Er ist mein einziger Halt. Auch wenn er mir nicht immer helfen kann, diskutieren wir viel miteinander", sagt sie. Den Schritt, ihre Geschichte im Fernsehen zu erzählen, hat er übrigens unterstützt.

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