Kleine Leseratten hatten beim Kreisentscheid ihren großen Auftritt – notfalls mit einem Buch aus Muttis Bücherschrank.

Kreis Mettmann. Lesen oder Computerspielen? Wenn Marius Gappa (11) die Wahl hätte, würde er sich immer für die Bücher entscheiden. "Es gibt schließlich viel mehr Bücher als Computerspiele", sagt er selbstbewusst. So wie ihm geht es wohl auch den anderen Kindern, die als Sieger ihrer Stadt beim Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs teilnehmen.

Drei Minuten Zeit zum Vorlesen - dann bimmelt die Glocke

Im Gepäck haben sie ihre Lieblingsbücher, aus denen sie genau drei Minuten vorlesen dürfen - dann bimmelt die Glocke. "Meistens brauchen die Kinder nur einen oder zwei Sätze, dann vertiefen sie sich in ihr Buch", weiß Elke Klingbeil, Organisatorin des Vorlesewettbewerbs. In den vergangenen Jahren hat sie schon viele Kinder lesen gehört. "Die Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren oder Paul Maar sind immer wieder dabei!"

Auf Bestseller wie Harry Potter oder "Tintenherz" wartete man aber vergebens. In diesem Jahr heißen die Buchtitel "Power, Prinzessin!", "Rico, Oscar und die Tieferschatten" oder "Das Papa-Projekt". Letzteres gehört Enesa Husic (11), die als Siegerin der Velberter Hauptschule Am Baum antritt. Mit dabei hat sie natürlich ihren Papa, der mindestens genauso nervös ist wie die Tochter und zum Daumen drücken mitgekommen ist. "Die Stelle, die ich mir herausgesucht habe, hat besonders viele Betonungen", sagt Enesa und schlägt Kapitel 16 ihres Buches auf.

Bis sie dran ist, hat sie Zeit, den anderen Kindern zuzuhören. 24Sechstklässler nehmen teil, es gibt die Gruppe A für die Hauptschulen, Gruppe B für Gymnasien, Real- und Gesamtschulen und Gruppe C für Schüler der Förderschulen. Angetreten sind die jeweiligen Stadtsieger - sie kämpfen um die Teilnahme beim Bezirksentscheid des 50. Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels.

"Ich habe mir "Das Phantom" ausgesucht", sagt Simone Jülicher (12), "das ist die Lebensgeschichte vom Phantom der Oper." Gefragt, wie die Langenfelderin auf das Buch gekommen ist, muss ihre Mutter lachen. "Das stammt aus meinem Bücherschrank", sagt sie und erzählt, dass ihre Tochter viel in ihrer Freizeit liest, "manchmal sogar beim Bügeln", fügt Martina Jülicher hinzu.

Die zwölfjährige Franziska Wünsch hat bereits den Stadtentscheid in Wülfrath gewonnen, nun ist sie mit Mutter und Oma angetreten, um auch beim Kreisentscheid ihr Bestes zu geben. "Ich habe ein bisschen geübt, damit mir keine Fehler passieren", sagt sie und guckt neugierig zu ihren Mitstreitern. Die beginnen langsam, ihre Plätze zu suchen und sich auf den Wettbewerb vorzubereiten.

Eine, die ganz besonders stolz auf ihre Teilnahme sein kann, ist Vanessa Friedrich von der Ferdinand-Lieven-Förderschule in Hilden. Erst in der vierten Klasse hat sie richtig lesen gelernt, aber jetzt hat sie das totale Lesefieber gepackt. "Seitdem lese ich ganz viel", sagt Vanessa mit Stolz und hält ihr Buch mit dem Titel "Verliebt" fest in den Armen. Bis sie endlich dran ist, dauert es noch, "aber das klappt schon", ist sie sich sicher.

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