Es wird weniger Frischwasser verbraucht. Trotzdem steigen in den Städten die Kosten für die Beseitigung des Abwassers.

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Der Durchmesser der Kanäle reicht bis zu einer Höhe von 2,50 Meter. Sie bestehen aus Materialien wie Steinzeug, Beton, Stahlbeton und Guss, und nicht alle sind leicht zu sanieren.

Der Durchmesser der Kanäle reicht bis zu einer Höhe von 2,50 Meter. Sie bestehen aus Materialien wie Steinzeug, Beton, Stahlbeton und Guss, und nicht alle sind leicht zu sanieren.

Andreas Bischof

Der Durchmesser der Kanäle reicht bis zu einer Höhe von 2,50 Meter. Sie bestehen aus Materialien wie Steinzeug, Beton, Stahlbeton und Guss, und nicht alle sind leicht zu sanieren.

Kreis Mettmann. Der tägliche Wasserbedarf eines Bürgers im Kreis Mettmann beträgt derzeit140,9 Liter. Die Menschen gehen sorgsamer mit dem Trinkwasser um. Beim Neukauf von Wasch- und Spülmaschinen spielt der Wasserverbrauch eine große Rolle, denn der Mensch selbst verbraucht zum Trinken und zur Nahrungszubereitung täglich nur etwa zwei bis drei Liter. Sparsamkeit, die sich also lohnt und der Natur zu Gute kommt.

Doch jedes Ding hat zwei Seiten. Zum einen hat der eigentlich positive rückläufige Wasserverbrauch der Haushalte durch sparsamen Umgang vielerorts dazu geführt, dass die im Abwasser enthaltenen Feststoffe nicht mehr bis zur Kläranlage geschwemmt werden, sondern sich im Kanalnetz ablagern und zu Betriebsstörungen führen.

Und zum anderen sorgt die sinkende Einwohnerzahl für weniger Abwasser. Der sinkende Verbrauch steht also den steigenden Fixkosten gegenüber, die auf weniger Zahler verteilt werden müssen.

In vielen Kommunen wurde für dieses Jahr zwar die Abfallbeseitigungsgebühr gesenkt, die Abwasserbeseitigungsgebühr jedoch aufgrund des deutlichen Rückgangs der Abwassermengen erhöht. So werden zum Beispiel in diesem Jahr in Hilden sieben Cent für jeden Kubikmeter Abwasser mehr fällig. Verantwortlich dafür ist der deutliche Anstieg bei der Abwasserableitungsgebühr, die gleich um 22 Cent (von 60 auf 82 Cent) je Kubikmeter steigt

"Abwasserbeseitigung ist ein kostenintensiver Bereich"

"Gerade die Abwasserbeseitigung ist ein sehr kostenintensiver Bereich", sagt Peter Schu, der seit dem vergangenen Jahr den technischen Geschäftsbereich beim Bergisch-Rheinischen Wasserverband (BRW) leitet. Er führt zudem den Bereich Wasserwirtschaft. Rund 70 Prozent der Investitionen steckt der BRW in den Bereich Abwasserbeseitigung.

"Es werden mehr Kosten für immer weniger Menschen werden", sagt Peter Schu. So wird der BRW in den nächsten Jahren rund 19 Millionen Euro für die Regenwasserbeseitigung, weitere 25 Millionen Euro für die Klärwerke ausgeben. 60 Prozent dessen, womit sich der BRW beschäftigt, ist Schmutzwasser. Die 22 eigenen Klärwerke reinigen jährlich 60Millionen Kubikmeter Wasser.

Und da vielerorts die Abwasserkanäle - gleich, ob es sich um Schmutzwasser-, Regenwasser- oder Mischwasserkanäle handelt - nicht im besten Zustand sind, kommen auf die Kommunen hohe Sanierungskosten zu - die natürlich letztendlich der Steuerzahler zu tragen hat.

Beispiel Velbert: Nachdem in den 90er-Jahren nur wenig ins Kanalnetz investiert worden war, holt die Stadt nun kräftig nach. In dem Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt sind Investitionen in Höhe von rund 77 Millionen Euro vorgesehen.

In Monheim hat man in den vergangenen zehn Jahren rund 30Millionen Euro investiert, eine Million Euro hat man für das laufene Jahr veranschlagt. Und in Wülfrath will die Stadt bis Ende 2009 rund 1,7 Millionen Euro in die Sanierung oder die Erneuerung des Kanalsystems stecken.

"Wenn die Kosten für Reparaturen und Sanierung zunehmen, sollte man wie bei einem alten Auto darüber nachdenken, ob man weiterhin in das alte System investiert oder ob ein neues langfristig nicht sinnvoller wäre", empfiehlt Dr. Harald Hiessl, Projektleiter am Fraunhofer-Institut, das im Auftrag der WestLB-Stiftung Zukunft NRW nach Alternativen der kommunalen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sucht.

Dass irgendwann einmal Ebbe in den Rohren der Abwasser-, Regenwasser- und Mischwasserkanäle herrscht, glaubt Peter Schu nicht. "Wir leben hier nicht gerade in einem Gebiet, in dem es an Regen mangelt." Und auch der tägliche Wasserbedarf der Bürger werde wohl kaum noch weiter sinken.

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