Jedes dritte Kind kann keine zwei Schritte rückwärts balancieren. Die Initiative „Lott Jonn – Kindergarten in Bewegung“ des Kreisgesundheitsamtes soll das verhindern. 130 Kitas im Kreisgebiet sind bereits dabei.

In der Kita Kunterbunt in Hilden können sich Kinder austoben, wenn sie Lust dazu haben. Katrina und Micha probieren sich am Klettergerüst.
In der Kita Kunterbunt in Hilden können sich Kinder austoben, wenn sie Lust dazu haben. Katrina und Micha probieren sich am Klettergerüst.

In der Kita Kunterbunt in Hilden können sich Kinder austoben, wenn sie Lust dazu haben. Katrina und Micha probieren sich am Klettergerüst.

Dirk Thomé

In der Kita Kunterbunt in Hilden können sich Kinder austoben, wenn sie Lust dazu haben. Katrina und Micha probieren sich am Klettergerüst.

Hilden. Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig, sie haben zunehmend motorische Defizite, schneiden bei Gleichgewicht, Sprungkraft oder Feinmotorik schlechter ab als frühere Generationen - eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts über den Gesundheitszustand der Null- bis 17-Jährigen in Deutschland ergab: 35 Prozent der Kinder konnten nicht auf einem drei Zentimeter breiten Balken zwei Schritte rückwärts balancieren, und 43 Prozent erreichten bei einer Rumpfbeuge nicht mit den Fingerspitzen den Fußboden.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, gibt es im Kreis Mettmann seit 2001 das Projekt "Lott Jonn - Kindergarten in Bewegung". Die Initiative des Kreisgesundheitsamtes soll Haltungs-und Bewegungsmängeln schon schon im Kindergartenalter vorbeugen. "Wir haben im Jahr 2000 einen Arbeitskreis gegründet, der sich mit diesen Probleme auseinander gesetzt hat - am Ende stand dann die Frage: Wie können wir Bewegung in den Kindergartenalltag integrieren?", erklärt Projektleiterin Heide Förster.

Die Koordination der Kinder hat sich um mehr als 20 Prozent verbessert

Im Jahr 2001 fiel dann der Startschuss für "Lott Jonn". Kitas in Monheim, Langenfeld und Hilden nahmen an einer Testphase teil, die zeigen sollte, ob sich die motorischen Fähigkeiten der Kinder durch das Programm tatsächlich verbessern. Heide Förster: "Die Körperkoordination der Kinder hatte sich um mehr als 20 Prozent verbessert."

Durchgeführt wurde die Vergleichsstudie von der Sporthochschule Köln, Grundlage waren standardisierte Tests wie bei der Untersuchung des Robert-Koch-Instituts. "Mit diesen Ergebnissen konnten wir Krankenkasse, aber auch die Politik davon überzeugen, das Projekt zu finanzieren", erzählt Förster. Seitdem teilen sich der Kreis Mettmann und die großen Krankenkassen den jährlichen Betrag von 80.000 Euro. Und das Programm ist eine echte Erfolgsgeschichte. Von 244 Kindergärten im Kreis sind mittlerweile 130 dabei. Förster: "Ziel ist es, dass alle Kitas mitmachen."

Erzieher geben ihr Fachwissen auch an die Eltern weiter

Bereits seit 2003 macht das Familienzentrum Kunterbunt in Hilden bei "Lott Jonn" mit. Und dort sind sogar schon die Kleinsten in Bewegung. Einmal in der Woche gibt es für alle fünf Gruppen, also für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren, eine Turnstunde, in der sich die Kinder nach Lust und Laune bewegen können.

Bewegung ist ein elementares Bedürfnis von Kindern. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für eine gesunde körperliche, seelische und soziale Entwicklung.

Das Projekt "Lott Jonn - Kindergarten in Bewegung" soll Bewegung und gesunde Ernährung in Kindergartenalltag integrieren. Dass Projekt soll zudem die Eigeninitiative Erzieher und Eltern stärken.

Kindertageseinrichtungen bewerben sich für eine Teilnahme beim Kreisgesundheitsamt. Bei der Auswahl werden pro Halbjahr die zehn Städte des Kreises Mettmann berücksichtigt. Der Eigenanteil der Einrichtungen liegt bei 200 Euro. In der sechsmonatigen Betreuungsphase wird das komplette Team der Einrichtung mit dem Projekt vertraut gemacht. Zusätzlich finden Fachtagungen statt wie heute in Ratingen zum Thema Ernährung.

Das Projekt kostet im Jahr rund 80.000 Euro. Davon finanziert der Kreis 60.000 Euro. Den Rest übernehmen die Krankenkassen.

Nach der erfolgreichen Pilotprojektphase im Jahr 2001 wurde das Projekt flächendeckend umgesetzt. Mittlerweile beteiligen sich 130 von 244 Kitas. Das Projekt ist zunächst bis 2010 angelegt.

Erzieherin Antje Pauls: "Wir geben keine Übungen vor, das fördert ihr Selbstvertrauen, und die Kinder gehen ihrem natürlichen Bewegungsdrang nach." Auch außerhalb der wöchentlichen Sportstunde werden die Kinder nicht in ihrem Bewegungsdrang gebremst. "Die Kinder können sich jederzeit frei bewegen, sich auch mal draußen austoben", erklärt Pauls. Sie und die anderen Mitarbeiter der Kita stehen voll hinter dem Projekt. "Wir können unser Fachwissen auch an die Eltern weitergeben - das macht Sinn", sagt Pauls.

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