Die Polizei kennt ihre Klientel: Für die kriminellen Einsteiger gibt es die gelbe Karte, Intensivtäter werden massiv überwacht.

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Die Polizei registriert bei Jugendlichen steigende Gewaltbereitschaft – besonders in Verbindung mit Alkohol.

Die Polizei registriert bei Jugendlichen steigende Gewaltbereitschaft – besonders in Verbindung mit Alkohol.

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Die Polizei registriert bei Jugendlichen steigende Gewaltbereitschaft – besonders in Verbindung mit Alkohol.

Mettmann. Im vergangenen Jahr gelang es der Polizei im Kreis Mettmann, 15 256 von 31 478 registrierten Straftaten aufzuklären. Dabei gerieten 11 700 Menschen als Tatverdächtige ins Blickfeld der Polizei, die dabei auch viele bekannte Gesichter wiedertraf. Denn 4890 Tatverdächtige waren bei der Polizei schon früher mindestens einmal aufgefallen.

Für diejenigen, die innerhalb eines Jahres fünfmal und häufiger mit Straftaten in Verbindung gebracht werden, hat die Polizei eine Mehrfachtäterdatei eingerichtet. 2009 waren es 391 Personen, von denen 156 jünger als 21 Jahre waren.

Und aus dem Kreis der Mehrfachtäter sticht noch einmal eine Gruppe hervor, auf deren Kappe besonders viele Straftaten gehen, die so genannten Intensivtäter. Die entsprechende Datei enthält zurzeit 31 Namen. "Wer darin steht, kann sich unserer ganz besonderen Betreuung erfreuen", sagt Landrat Thomas Hendele, dem auch die Polizei im Kreis untersteht. Der Leitende Polizeidirektor Ulrich Koch erklärt: "Alle, die uns intensiv beschäftigen, müssen damit rechnen, dass wir uns intensiv mit ihnen beschäftigen."

Polizeistreifen melden jeden gesichteten Intensivtäter

Und das könne für die Betroffenen wirklich unangenehm werden, erklärt Koch. So müssten Intensivtäter zu jeder Zeit damit rechnen, dass sie kontrolliert würden. "Auch unsere Bezirksbeamten werden sie gezielt auf der Straße ansprechen oder auch zuhause besuchen, um ihnen klar zu machen, dass sie unter Beobachtung stehen." Wenn der Streifendienst die bekannten Personen irgendwo antrifft, würde dieser auch Ort und Zeit an die Kripo weitergeben. Außerdem würde eng mit der Staatsanwaltschaft und anderen externen Stellen zusammengearbeitet.

Auf der anderen Seite versucht die Polizei, Tätern unter 21 Jahren, die das erste Mal auffallen, mit dem so genannten Gelbe-Karten-Verfahren Brücken zu bauen. So werden sie zu Gesprächen eingeladen und können, wenn sie sich zu sozialen Arbeitsstunden bereit erklären, um eine Anklage herumkommen. Im vergangenen Jahr wurden 160 solcher gelber Karten im Kreis Mettmann vergeben. Ein Vorgehen, das bundesweit angewandt und als erfolgreich betrachtet wird.

Insgesamt nimmt die Gruppe der unter 21-Jährigen bei den Tatverdächtigen einen Anteil von 27,7 Prozent ein und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent zurückgegangen. Besonders hoch ist der Anteil der jungen Menschen an Raubüberfällen auf offener Straße (86,6 Prozent), Diebstahl von motorisierten Zweirädern (92,1), Sachbeschädigungen im öffentlichen Bereich (77,2) und Diebstahl von Fahrrädern (55).

Bei den Gewaltdelikten der unter 21-Jährigen ist besonders häufig Alkohol im Spiel. "Wir verzeichnen bei Jugendlichen in vielen Fällen eine höhere Bereitschaft zur Gewalt, und das besonders in Kombination mit Alkohol", sagt Ulrich Koch, der Leitende Polizeidirektor.

Gewalt bekommen die Polizeibeamten auch immer stärker selbst zu spüren: 125 Mal verzeichneten die Polizisten bei ihren Einsätzen Widerstand. 41 Beamte wurden Opfer von Körperverletzungen, Bedrohungen oder Nötigungen. Landrat Hendele zeigt sich entschlossen: "Eine Steigerung der Gewalt und des Widerstands gegen Polizei-beamte von über 20 Prozent ist etwas, das wir nicht akzeptieren können, wollen und werden."

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