Zunächst wollten Polizisten das Kind zum Unfallhergang befragen, dann vergaßen sie es.

„Dort ist es geschehen.“ Saskia (12) kam am Montag noch einmal an den Unfallort zurück, an dem sie am Samstag vergessen worden war.
„Dort ist es geschehen.“ Saskia (12) kam am Montag noch einmal an den Unfallort zurück, an dem sie am Samstag vergessen worden war.

„Dort ist es geschehen.“ Saskia (12) kam am Montag noch einmal an den Unfallort zurück, an dem sie am Samstag vergessen worden war.

Christian Beier

„Dort ist es geschehen.“ Saskia (12) kam am Montag noch einmal an den Unfallort zurück, an dem sie am Samstag vergessen worden war.

Haan/Solingen. In der Nähe des Freibads Ittertal, an der Grenze zwischen Solingen und Haan, ist am Samstag die zwölfjährige Saskia als Unfallzeugin von der Polizei am Unfallort vergessen worden.

Ihre Freundin war von einem Auto angefahren und leicht verletzt worden. Die Sanitäter wollten daraufhin beide Mädchen mitnehmen, damit Saskia nicht alleine an der Unfallstelle zurückbleiben musste. Das boten sie zweimal an, Polizisten aus dem Kreis Mettmann sollen dies jedoch verhindert haben. Sie müssten das Mädchen noch als Zeugin befragen.

"Plötzlich waren alle weg, und ich saß da ganz allein."

Saskia

Als später Polizisten aus Solingen eintrafen, rückte der Rettungsdienst bereits ab. "Wir wussten nicht, dass da noch ein Mädchen war", heißt es von Seiten der Solinger Polizei. Offenbar wurde Saskia bei der Übergabe des Unfallorts durch die Mettmanner an die Solinger Beamten "vergessen".

"Plötzlich waren alle weg, und ich saß da ganz allein", sagte die Zwölfjährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie wurde von ihrem Stiefvater abgeholt. Aus Mettmann gab es am Montag keine Stellungnahme. Die Beamten seien im Nachtdienst, hieß es auf Nachfrage.

Was als schöner Tag geplant ist, endet mit großem Schrecken

Eigentlich wollten die zwei zwölfjährigen Mädchen am Samstag nur ins Freibad Ittertal und den schönen Tag nutzen. Doch beim Überqueren der Straße in der Nähe des Bads wurde eines der Mädchen von einem Auto erfasst. Es kam mit leichten Verletzungen davon. Unfallzeugen kümmerten sich um die Verletzte, verständigten Rettungswagen und Polizei.

Die Sanitäter nahmen sich der Freundin an. "Sie haben gefragt, ob ich mitfahren möchte, damit ich nicht allein bin", erzählt Saskia. "Die Polizei wollte aber noch meine Aussage zu dem Unfall, also bin ich geblieben", so die Zwölfjährige.

"Bei der Übergabe wurde nicht gesagt, dass da noch ein Schulkind ist."

Ein Sprecher der Polizei Solingen

Beim Erzählen ist Saskia noch immer aufgeregt. "Meine Freundin ist durch die Luft geflogen", schildert sie. "Ich habe mir total Sorgen gemacht." Doch zu einer Befragung seitens der Polizei sei es gar nicht mehr gekommen.

Das erste Einsatzfahrzeug am Einsatzort war ein Auto mit Mettmanner Kennzeichen, denn es war nicht ganz klar, in wessen Zuständigkeitsbereich der Unfall fällt - Haan oder doch Solingen

Die Mettmanner Polizisten sollen auf der Befragung bestanden haben

"Unsere Leute haben die Mettmanner Polizisten zweimal gefragt, ob sie das zweite Mädchen mitnehmen dürfen. Das wurde zweimal verneint, mit Hinweis auf die Befragung. Danach sind wir dann auch abgerückt. Wir mussten uns ja vor allem um die Verletzte kümmern", sagt Gerd Herholt, der Leiter des Rettungsdienstes.

Die Solinger Polizei kam am Samstag erst, als die Sanitäter bereits abrückten. Sie hat den Einsatzort von den Mettmanner Beamten übernommen. "Bei der Übergabe wurde nicht gesagt, dass noch ein Schulkind da ist", sagt Ralf Dargel, Sprecher der Solinger Polizei.

Jedenfalls wurde nicht angeboten, das Kind nach Hause zu fahren. Die Eltern wurden auch nicht verständigt. "Ich wusste gar nicht richtig, was ich tun sollte", sagt Saskia, die mit der Situation überfordert war. "Wir hätten überhaupt nicht erfahren, was passiert ist, wenn uns nicht die Mutter der Verletzten informiert hätte", sagt Corina Biermann-Klein (41), Saskias Mutter.

Eltern schildern Zustand des Mädchens als "schockiert"

Als Saskia abgeholt wurde, "saß sie da, war schockiert und aufgeregt. Und sie war kreidebleich", sagt ihr Stiefvater Uwe Biermann (50). Warum sich die Polizei nicht um Saskia gekümmert habe, sei ihnen unbegreiflich. "Es hätte ja schon ein kurzer Anruf bei uns gereicht", sagt die Mutter.

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