Adel und Jagd – seit Jahrhunderten gehört das zusammen. Doch Vorsicht: Der schießwütige Snob ist ein Märchen, meint Adolf von Fürstenberg, oberster Jäger im Kreis.

Adolf von Fürstenberg jagt seit 45 Jahren aus Leidenschaft.
Adolf von Fürstenberg jagt seit 45 Jahren aus Leidenschaft.

Adolf von Fürstenberg jagt seit 45 Jahren aus Leidenschaft.

B. Nanninga

Adolf von Fürstenberg jagt seit 45 Jahren aus Leidenschaft.

Kreis Mettmann. Auf ihrer "Gehörnschau" stellte die Kreisjägerschaft jetzt wieder die schönsten Trophäen des letzten Jagdjahres aus. Wir nahmen dies zum Anlass, den Vorsitzenden der Kreisjägerschaft zu fragen: Was ist dran an den landläufigen Jäger-Klischees?

Herr von Fürstenberg, sammeln Sie gerne Tiere als Trophäen?

Adolf von Fürstenberg: Ein schwieriges Thema. Sicherlich sind Trophäen schöne Erinnerungswerte. Aber Jagd ist ja viel mehr als "Knochenolympiade". Die meisten der Tiere, die geschossen werden, sind ja keine so genannten Trophäenträger - Rehe, Hasen, Sauen zum Beispiel. Und die Abschüsse haben ja auch einen statistischen Wert, weil sie Auskunft geben über den Zustand der Bestände.

Also kann ein Jäger auch Tierfreund sein?

von Fürstenberg: Absolut. Wir erbringen ja auch viele Naturschutzleistungen, pflegen die Biotope im Wald und sorgen für die nachhaltige Bewirtschaftung der Wildbestände: Wir bauen Überpopulationen ab und schonen Unterpopulationen. All das trägt zum Erhalt unserer gewachsenen Kulturlandschaft bei.

Aus Ihrer Sicht: Wie geht es den Wildbeständen im Kreis?

von Fürstenberg: Der Druck durch die Naherholung ist sehr, sehr stark. Alles Rotwild zum Beispiel, was im vergangenen Jahr getötet wurde, war Fallwild - also gestorben durch Unfälle mit Bahn und Auto oder durch Krankheiten verendet. Auch Hunde, die frei durch den Wald laufen, sind ein Problem.

Wie lange jagen Sie eigentlich schon?
 
von Fürstenberg: Meinen Jagdschein habe ich mit 17 gemacht. Aber die Jagd wurde mir im Grunde in die Wiege gelegt. (lacht) Was meinen Sie, wie ich früher zuhause die Bestände von Spatzen und Amseln ohne Genehmigung dezimiert habe?

Für einen jungen Adligen war das vermutlich ein fast pflichtgemäßes Hobby?

von Fürstenberg: Das stimmt, viel Wahl hatte ich da nicht. Jagd war auch einfach ein Teil der elterlichen Forstwirtschaft - mehr ein Beruf und eine Berufung als ein bloßes Hobby. Aber Statussymbol und anerkannte Freizeitbeschäftigung war es auch - das kommt noch aus dem 19. Jahrhundert, als die gesellschaftlichen Zwänge für junge Adlige noch größer waren. Da war die Jagd die einzige Möglichkeit, sich mal ein wenig auszutoben, auch Mädchen kennen zu lernen.

Ist die Jagd denn trotzdem noch ein Adelssport?

von Fürstenberg: Prozentual sind die Adligen in den Jägerschaften immer noch überrepräsentiert, das schon. Aber hier im Kreis und in Düsseldorf weniger. Die Jäger hier kommen aus allen Berufen - Handwerker, Beamte und viele Landwirte natürlich. Die reichen, jagenden Bonzen sind wirklich ein Märchen. Auch Frauen und junge Leute sind dabei - wir sind also keine Altmännergesellschaft.

Wenn Sie also Jäger mit Leib und Seele sind - spielen sie eigentlich Jagdhorn?

von Fürstenberg: Um Gottes Willen, hören Sie auf! aus meinem Horn kommt nur Staub raus. Ich bin da total unbegabt - aber ich bin stolzer Schirmherr des hervorragenden Jagdhornchores "Diana" Velbert. Die Frauen können das Horn wirklich blasen!
 

Die Jäger und ihr Chef

Der Vorsitzende Adolf Freiherr von Fürstenberg (62) stammt aus einem alten sauerländischen Adelsgeschlecht, das unter anderem mehrere Fürstbischöfe des Bistums Münster stellte. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und zwei Enkel. Er arbeitet als Land- und Forstwirt.

Die Jägerschaft Die Kreisjägerschaft Düsseldorf und Mettmann hat gut 2000 Mitglieder (die Hälfte davon im Kreis), knapp 180 sind Frauen.

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