Auf der Leitstelle der Feuerwehr in Mettmann laufen die Notrufe aus dem Kreis Mettmann auf.

rettungdienst
Ein Mann, zwei Telefone, drei Bildschirme: Sebastian Korn ist einer der Feuerwehrleute, die auf der Kreisleitstelle die Einsätze koordinieren.

Ein Mann, zwei Telefone, drei Bildschirme: Sebastian Korn ist einer der Feuerwehrleute, die auf der Kreisleitstelle die Einsätze koordinieren.

Stefan Fries

Ein Mann, zwei Telefone, drei Bildschirme: Sebastian Korn ist einer der Feuerwehrleute, die auf der Kreisleitstelle die Einsätze koordinieren.

Mettmann. „Notruf Feuerwehr, guten Tag.“ Sebastian Korn, Disponent auf der Feuerwehrleitstelle des Kreises nimmt einen Anruf entgegen. „Welche Stadt? In welcher Stadt wohnen Sie?“ Immer wieder muss er nachfragen, bis er erfährt, dass die Anruferin in Erkrath lebt. „Welche Hausnummer?“ „Welches Stockwerk?“

Ruhig und geduldig sammelt Korn die wichtigsten Informationen über den Einsatzort. „Ist die Person ansprechbar? Nein?“ Jetzt weiß Korn: Der Notarzt muss raus. „Ich schicke sofort Hilfe!“, beruhigt er die Anruferin. Sekunden später sind ein Rettungswagen aus Hilden, der Notarzt aus Mettmann und ein Löschfahrzeug aus Erkrath auf dem Weg zu dem Mann, der in seiner Wohnung plötzlich umgekippt und bewusstlos geworden ist.

Viele Anrufer sind aufgewühlt, manche weinen, ausländische Mitbürger sprudeln vor Aufregung in ihrer Muttersprache drauf los – nicht immer erfahren die Disponenten auf der Leitstelle auf Anhieb den Einsatzort und Grund für den Notruf. Mit gezielten Nachfragen müssen sie die Lage einordnen und entsprechend reagieren.

Auf den Bildschirmen um sich herum hat Korn alles im Blick: die Telefonnummer samt Vorwahl des Anrufers, welche Fahrzeuge gerade wie und wo unterwegs oder im Einsatz sind, einen Kartenausschnitt mit der Umgebung des Einsatzortes. „Normalerweise erkennen wir an der Vorwahl, aus welcher Stadt der Anruf kommt – außer bei Mettmann und Teilen von Erkrath und Haan, die alle die 02104 haben“, erklärt Ralf Mader, Chef der Leitstelle. Handys lassen sich nicht lokalisieren.

Rund 300 000 Anrufe laufen im Jahr in der Zentrale ein, auf die sechs Kommunen aufgeschaltet sind. Daraus resultieren 60 000 Einsätze. Mader: „Etwa 80 Prozent sind medizinische Notfälle und Krankentransporte, nur 20 Prozent Feuerwehreinsätze.“

Die Kreisleitstelle nimmt Notrufe und Hilfeersuchen sowie Krankentransportaufträge entgegen, lenkt und koordiniert den Rettungsdienst, alarmiert und unterstützt die Feuerwehren in Erkrath, Heiligenhaus, Hilden, Mettmann, Ratingen und Wülfrath.

Die Notrufnummer lautet 112, für Krankentransporte gilt kreisweit die Nummer 19 222.

Jährlich gehen rund 300 000 Anrufe in der Kreisleitstelle ein. Davon sind 60 000 echte Notfälle oder Anforderungen.

Früher klingelte noch viel häufiger das Telefon wegen der Fehlanrufe – vor allem in der Mittagszeit nach Schulschluss. Seit immer alle Nummern angezeigt werden (auch „unterdrückte“) und ohne SIM-Karte kein Han-dynotruf mehr abgeht, ist die Zahl der Fehlanrufe drastisch weniger geworden.

„Beschimpfungen bis unter die Schuhsohle“

„Einer hatte etwa 150 Mal in einer Nacht angerufen, da haben wir dann die Polizei eingeschaltet“, erinnert sich Joachim Tetard, der ebenfalls als Disponent auf der Leitstelle arbeitet. Außerdem gebe es immer wieder Beschimpfungen, „nicht nur unter der Gürtellinie, sondern bis unter die Schuhsohle“.

Der nächste Notruf: Auf einem Friedhof in Langenfeld hat ein Mann Kreislaufprobleme. Sebastian Korn informiert den örtlichen Rettungsdienst. Eine Minute später klingelt es erneut. „Hallo?“ Korn legt auf: „Taschenhandy“ – offenbar wurden die Tasten durch Zufall in der Hosentasche gedrückt.

Wieder ein Anruf aus Langenfeld. In einem Bistro ist ein Kind mit dem Kopf gegen einen Heizkörper gefallen. Im Hintergrund hört man Kindergebrüll. Dann die Meldung aus Erkrath: Der Mann konnte wiederbelebt werden und muss ins Krankenhaus. Korn informiert die Klinik in Hilden. „Eine erfolgreiche Reanimation kommt sehr selten vor. Hier hat das Zeitfenster wohl noch gereicht.“

Einsatzspitzen in den Morgenstunden und nachmittags

In Ratingen hat sich ein Kind die Hand im Aufzug eingeklemmt. Die Kreisleitstelle setzt die Berufsfeuerwehr, die Freiwillige Wehr und den Rettungsdienst in Bewegung. „Besser nicht benötigte Leute zurückschicken als Hilfskräfte nachfordern“, nennt Mader als Devise. So ruhig wie an diesem Vormittag ist es aber nicht immer. Die Tagesspitzen seien die frühen Morgenstunden und der Nachmittag – „wenn die Heimwerker zu Hause sind“, klärt Mader auf.

Hinter vielen Anrufen verbergen sich Dramen

Mit professioneller Distanz nehmen Korn und seine Kollegen die Notrufe entgegen. Dass hinter vielen Anrufen Dramen stecken oder sich entwickeln, wissen sie. „Das darf man aber nicht an sich heranlassen“, sagt Korn. Nur einmal, als nachts eine völlig aufgelöste Mutter anrief, weil ihr Baby blau angelaufen im Bettchen lag, sei ihm das länger nicht aus dem Kopf gegangen, „obwohl der Säugling reanimiert werden konnte“.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer