Der Hildener Willi Odenthal tritt bei der Weltmeisterschaft im Bodybuilding in der Seniorenklasse an.

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Mit seinen Muskelpaketen will Willi Odenthal (56) die Preisrichter bei der Bodybuilding-Weltmeisterschaft am 18. und 19. Juni in Ungarn überzeugen.

Mit seinen Muskelpaketen will Willi Odenthal (56) die Preisrichter bei der Bodybuilding-Weltmeisterschaft am 18. und 19. Juni in Ungarn überzeugen.

Dirk Thomé

Mit seinen Muskelpaketen will Willi Odenthal (56) die Preisrichter bei der Bodybuilding-Weltmeisterschaft am 18. und 19. Juni in Ungarn überzeugen.

Hilden. „Wow – ist ja irre!“ Wenn Willi Odenthal das T-Shirt lüftet, treibt es dem gemeinen Fitnessstudio-Besucher die Tränen in die Augen. Ein Brustkorb wie Hulk, Oberarme wie ein Schwellenleger und ein Waschbrettbauch, der selbst Brad Pitt vor Neid erblassen ließe. Was mache ich bloß falsch? Schließlich ist mein Gegenüber 56 Jahre alt. „Das ist das Ergebnis jahrzehntelanger und harter Arbeit“, sagt Odenthal und lächelt vergnügt: „Und es kann sich sehen lassen – oder? Meine Freundin findet es jedenfalls klasse.“

80 Kilogramm wiegt das Kraftpaket von der Nordstraße – bei einer Körpergröße von 1,72 Metern. Neben Training, Training und nochmals Training gehören eiserne Disziplin und eine ausgewogene Ernährung zum Erfolgsrezept des Mannes, der es in einer Woche noch einmal wissen will: Am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Juni, steht im ungarischen Budapest die Weltmeisterschaft im Bodybuilding auf dem Programm. „Der Titel wäre natürlich ein Traum“, sagt Odenthal, der im Tross der Nationalmannschaft mitreist – und in der Seniorenklasse Ü50 antritt.

Erst mit 50 Jahren ins Wettkampfgeschehen eingetreten

Bodybuilding betreibt der gebürtige Neusser zwar schon seit seinem 26. Lebensjahr, ins Wettkampfgeschehen stieg er aber erst mit 50 Jahren ein. „Eigentlich wollte ich das schon früher, aber irgendwie kam immer etwas dazwischen“, sagt Odenthal. Zum Beispiel das eigene Fitnessstudio, das er 15 Jahre lang in Neuss betrieben hat.

Sei’s drum: Seitdem „Muskel-Willi“ dabei ist, hat er alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Er ist zigfacher Landesmeister, Südwestdeutscher- und Norddeutscher Meister und sogar sechsfacher Deutscher Meister. Den jüngsten DM-Titel holte sich der Wahl-Hildener vor zwei Wochen in Alzey. Deshalb ist er auch in Ungarn dabei.

Sechs Wochen lang jeden Tag ein Kilo Hähnchenbrust gegessen

Damit es endlich zum ganz großen Wurf reicht (2008 wurde Odenthal bei der WM in Petersberg Fünfter, und bei der Wahl zum „Mr. Universum“ im gleichen Jahr holte er Bronze), bereitet er sich seit Wochen intensiv vor. Ganz wichtig: die Ernährung. So gab es sechs Wochen lang jeden Tag ein Kilo Hähnchenbrust und Rührei-Eiweiß von 15 Eiern, dazu anfangs einen Beutel Reis, der später immer kleiner wurde und schließlich in einer mickrigen Reiswaffel endete. Mittlerweile stehen Kohlenhydrate zwar wieder auf seinem Speiseplan, dafür beginnt morgen das Entwässern: Von sechs Liter Wasser und/oder Brennnesseltee geht es bis zum kommenden Samstag auf null Liter herunter. „Dann werden nur noch die Lippen benetzt“, sagt Odenthal.

Zahlreiche Trainingseinheiten absolviert Willi Odenthal, wenn andere Leute schlafen: nachts ab 3 Uhr. Der 56-Jährige arbeitet hauptberuflich für eine Security-Firma im Schichtbetrieb. „Wenn ich ab 6 Uhr Frühdienst habe, stehe ich um 2 Uhr auf und gehe danach in ein 24-Stunden-Studio in Düsseldorf. Da habe ich am meisten Ruhe.“ Ansonsten trainiert Odenthal im Hildener Clever-Fit-Studio um die Ecke.

 

Bei seinen zahlreichen USA-Reisen lernte Willi Odenthal auch Arnold Schwarzenegger und Ralf Moeller kennen – und trainierte mit ihnen.

 

Willi Odenthals Fettanteil im Körper beträgt gerade einmal fünf Prozent. Bei einem 56-jährigen Otto-Normal-Verbraucher beträgt der Anteil in der Regel 20 Prozent.

In der Bodybuilding-Szene ist Willi Odenthal – der „Senior“ mit dem gestählten Körper – bekannt wie ein bunter Hund. „Bodylab 24“, ein bekannter Internet-Anbieter, hat ihn jetzt unter Vertrag genommen und versorgt ihn mit seinen Produkten.

Kombiniert wird der straffe Nahrungsfahrplan mit intensivem Training. „Im Moment gehe ich jeden Tag ins Studio, trainiere jeweils zwei, drei Stunden eine andere Muskelgruppe“, sagt Odenthal. Kniebeugen macht er dabei mit 170 Kilo auf den Schultern, mit der Beinpresse wuchtet er 600 Kilo, und beim Bankdrücken schafft er 120 Kilogramm. „Dieser Aufwand ist aber nötig“, sagt Odenthal. Nicht nur, um beim Posing vor den Kampfrichtern eine gute Figur zu machen. „Vor allem, weil diese eine Minute auf der Bühne alles abverlangt. Die schlaucht mehr als eine harte Trainingseinheit“, sagt Odenthal.

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