Anwohner der Wilbergstraße leiden unter Pollenallergie und wollten den Baum fällen lassen. Doch der zuständige Ausschuss sagt dazu Nein.

Die Anwohner Susanne K. und Manfred Köhler (Mitte) erläuterten den Mitgliedern des Umweltausschusses bei einem Ortstermin ihren Bürgerantrag. Im Hintergrund die große Birke, um die es geht.
Die Anwohner Susanne K. und Manfred Köhler (Mitte) erläuterten den Mitgliedern des Umweltausschusses bei einem Ortstermin ihren Bürgerantrag. Im Hintergrund die große Birke, um die es geht.

Die Anwohner Susanne K. und Manfred Köhler (Mitte) erläuterten den Mitgliedern des Umweltausschusses bei einem Ortstermin ihren Bürgerantrag. Im Hintergrund die große Birke, um die es geht.

Michael Nacke

Die Anwohner Susanne K. und Manfred Köhler (Mitte) erläuterten den Mitgliedern des Umweltausschusses bei einem Ortstermin ihren Bürgerantrag. Im Hintergrund die große Birke, um die es geht.

Hilden. „Unsere Enkeltochter ist jeden Tag bei uns, weil sie einen Kindergarten in der Nähe besucht, und leidet nachweislich unter den Birkenpollen“, erläuterte Manfred Köhler den Bürgerantrag, den 16 weitere Anwohner unterschrieben hatten. Ursache des Leidens ist für sie eine große zweistämmige Birke. Sie steht keine drei Meter von Köhlers Grundstück an der Wilbergstraße 35 entfernt am Garather Mühlenbach in Hilden – auf öffentlichem Grund. Der Baum soll weg, bitten die Anwohner den Umweltausschuss.

Bewohner flüchten in der Pollenzeit

„Wir sind erst vor einem Jahr zugezogen“, erläutert Susanne K.: „Seitdem bin ich Allergikerin.“ Ende Mai beginne der Pollenflug – bis September dauere die Tortur: „Wir haben Pollenschutz für unsere Fenster angeschafft, aber die Pollen gelangen trotzdem in die Wohnung und lösen schlimme allergische Reaktionen aus – bis zum Asthma-Anfall.“ Im Frühling sei es am schlimmsten: „Dann fahre ich eine Woche an die Nordsee, weil es nicht mehr auszuhalten ist.“

Bei einer noch vor der Kommunalwahl beschlossenen Ortsbesichtigung zeigten die Mitglieder des Umweltausschusses Freitag Verständnis, lehnten eine Fällung der Birke aber einhellig ab – ohne große Diskussion oder Aussprache. Sie schlossen sich damit der Verwaltung an, die in der Sitzungsvorlage eindringlich davor gewarnt hatte, einen Präzedenzfall zu schaffen.

Verwaltung will Dominoeffekt vermeiden

„Ich kenne das Problem“, sagt Achim Hendrichs, Sachgebietsleiter Grünflächen/Forst bei der Stadt Hilden: „Ich bin selber Allergiker und habe eine dreistämmige Birke fünf Meter von meinem Haus entfernt stehen.“ Jedes Jahr erhalte die Stadtverwaltung im Schnitt rund zehn Anträge von Allergikern, Bäume zu entfernen: „Das ist bislang in allen Fällen abgelehnt worden – aus guten Gründen.“

Nicht nur Birken, auch viele andere Pflanzen könnten Allergien auslösen. Und immer mehr Menschen reagierten auf unterschiedliche Pollen allergisch. „Wo und wie im dicht besiedelten Hilden sollen wir da eine Grenze ziehen?“, fragt Hendrichs. „Über welche Abstände reden wir?

Paragraf 24: „Jeder hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Anregungen oder Beschwerden in Angelegenheiten der Gemeinde an den Rat (...) zu wenden. (...) Die Erledigung von Anregungen oder Beschwerden kann der Rat einem Ausschuss übertragen. Der Antragsteller ist über die Stellungnahme zu den Anregungen und Beschwerden zu unterrichten.“

Nicht nur die Stadt pflanzt Bäume, auch Bürger in ihren privaten Gärten.“ Für den Umweltbeauftragten der Stadt ist klar: „Das ist ein schwieriges Thema. Wir können Bürger A nicht Rechte einräumen, die wir Bürger B nicht auch zugestehen.“ Auf der Lievenstraße beispielsweise steht eine Birkenallee. „Sollen wir die alle fällen, wenn dort ein Allergiker zuzieht und das verlangt?“, fragt Hendrichs.

Stadt sieht sich rechtlich gesehen auf der sicheren Seite

Die Stadtverwaltung sieht sich auch juristisch auf der sicheren Seite. Das Landgericht Frankfurt/Main habe in einem Urteil festgestellt, dass rechtlich kein Anspruch auf Beseitigung eines Allergie auslösenden Baumes bestehe.

Der Pollenflug sei eine Beeinträchtigung, so die Richter. Diese müsse aber hingenommen werden, weil das Interesse der Allgemeinheit an der Wohlfahrtswirkung des Baumes überwiege. Ferner könne bei natürlichen Allergenen kaum der Nachweis erbracht werden, dass ein ganz bestimmter Baum für den Pollenflug verantwortlich sei.

Denn Pollen können große Entfernungen zurücklegen, seien deshalb nahezu überall vorhanden und damit ortüblich, stellte das Landgericht Frankfurt/Main fest. So ist es auch an der Wilbergstraße. Nur etwa 100 Meter von der in Rede stehenden Birke entfernt machten die Lokalpolitiker in unterschiedlichen Himmelsrichtungen zwei weitere große Birkenbäume durch bloßen Augenschein aus.

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