Hildener Oberarzt sperrt sich aus Wohnung aus. Ein Schlüsseldienst hilft ihm aus der Klemme – aber zu einem sehr hohem Preis.

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Oberarzt Johannes Pfeifer bezahlte teures Lehrgeld. Künftig will er erst nach dem Preis fragen.

Oberarzt Johannes Pfeifer bezahlte teures Lehrgeld. Künftig will er erst nach dem Preis fragen.

Anna Schwartz

Oberarzt Johannes Pfeifer bezahlte teures Lehrgeld. Künftig will er erst nach dem Preis fragen.

Hilden. Es sind nur wenige Sekunden, die Johannes Pfeifer 400 Euro ärmer gemacht haben. Die Sekunden, in denen er ohne nachzudenken die Tür zur Wohnung hinter sich zuzieht – während der Schlüssel noch darin liegt. Und die Sekunden, die eine gute Stunde später der Techniker eines Hildener Schlüsseldienstes benötigt, um die Tür zu öffnen. „Das ist die reinste Abzocke“, findet Pfeifer.

Der Kunde vergisst, nach dem Preis zu fragen

Der Hildener ist Oberarzt der Anästhesie am St. Josef Krankenhaus. An 15 Tagen monatlich arbeitet er im 24-stündigen Rufdienst. So auch an jenem Sonntag, an dem er sich aus seiner Wohnung ausschließt. „Es hätte sein können, dass ich jederzeit zum Dienst muss, aber Autoschlüssel, Handy, alles lag drinnen“, berichtet er. Eine echte Notlage also.

Von Nachbarn aus sucht Pfeifer im Internet nach Schlüsseldiensten. Der erste sagt ihm zu, für 80 Euro die Tür zu öffnen. Wenig später sagt er dann doch ab. Es sei kein Techniker zu bekommen. Nach einigen weiteren erfolglosen Versuchen – niemand meldet sich bei den Diensten – erreicht er einen anderen Schlüsseldienst in Hilden. Hier versäumt es Johannes Pfeifer allerdings, nach dem Preis zu fragen. Ein fataler Fehler.

In weniger als zehn Sekunden ist die Tür geöffnet

Als 50 Minuten später der Techniker vor der Tür steht, staunt der Oberarzt nicht schlecht: Das Öffnen der Türe koste laut Tarif 159 Euro zuzüglich 100 Prozent Sonntagszuschlag sowie 30 Euro Anfahrtspauschale. Macht zusammen 414,12 Euro. „Ich befand mich in einer Notsituation, also stimmte ich zu“, berichtet Pfeifer der WZ, „der Techniker öffnete die Tür innerhalb von weniger als zehn Sekunden.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung bei besagtem Schlüsseldienst will sich der Mitarbeiter zunächst nicht äußern. Schließlich sagt er: „Wir sind ein Notdienst und gewährleisten, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr da zu sein. Diese Berechnungsgrundlage brauchen wir, um am Markt bestehen zu können.“

Nachts und am Wochenende sind oft hohe Zuschläge fällig

Die Verbraucherzentrale NRW rät, auf einen Dienst in der Nähe zurückzugreifen, um die Kosten für die Anfahrt zu reduzieren. Am besten informiert man sich bereits im Voraus, um für einen Notfall gewappnet zu sein und die Nummer etwa im Handy eingespeichert zu haben. Dann können auch Festpreise vereinbart werden. Seriöse Unternehmen haben zudem meist Preislisten.

Macht der angerückte Schlüsseldienst Anstalten, eine nur zugezogene und nicht abgeschlossene Tür aufzubrechen oder das Schloss auszubauen, sollte man ihn gleich wieder nach Hause schicken. Eine nicht abgeschlossene Tür kann vom Fachmann in der Regel leicht geöffnet werden. Nur in Ausnahmefällen ist ein neues Türschloss notwendig.

Eine gute Lösung ist es auch, einen Ersatzschlüssel bei einer Vertrauensperson zu deponieren. So spart man sich in der Regel eine Menge Geld – und Ärger.

Mieter müssen in der Regel selbst für die Kosten einer Türöffnung aufkommen. Eine Ausnahme gibt es laut Verbraucherzentrale jedoch: Bei einer Materialschwäche an Schlüssel oder Tür kann der Vermieter zu einer Kostenbeteiligung hinzugezogen werden.

Dass Schlüsseldienste überhöhte Tarife abrechnen, hört Carolin Semmler, Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale NRW immer wieder. Außerhalb der normalen Arbeitszeit oder am Wochenende sei der Schlüsseldienst jedoch berechtigt, Zuschläge von bis zu 100 Prozent im Vergleich zum Normaltarif zu nehmen. „Ist nichts vereinbart, so ist der branchenübliche Tarif zu beachten“, betont sie. Der bewege sich in den meisten Fällen inklusive Fahrtkosten um die 80 Euro zu einer normalen Tageszeit. „Aber das ist schwer zu verallgemeinern“, sagt Semmler.

Generell kann sie Verbrauchern nur raten, Rechnungen vom Schlüsseldienst oder anderen Notdiensten genau zu prüfen. Und zwar ehe sie den vollen Betrag zahlen. Oft stünden darauf Spezialwerkzeuge oder spezielle Methoden, die gar nicht zum Einsatz gekommen seien. Nur um den Betrag in die Höhe zu treiben. Hinterher sei es immer schwierig, zu viel gezahltes Geld zurückzufordern.

Johannes Pfeifer will jetzt vor allem andere Menschen vor einem ähnlichen Schicksal bewahren. „Mich macht der Betrag nicht arm, auch wenn ich innerhalb des 24-Stunden-Dienstes an diesen Verdienst nicht herankomme“, sagt er. In Zukunft will er erst vorher den Preis abklären, ehe er einen Dienst beauftragt. Und einen Schlüssel beim Nachbarn deponieren – für den Fall der Fälle.

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