Mehr als 60 000 Gäste feiern beim Rosenmontagszug auch die Hochzeit des Prinzenpaares.

Brauchtum
Die „Hildener Narrenpartei“ gibt sich als Kartenspiel unpolitisch.

Die „Hildener Narrenpartei“ gibt sich als Kartenspiel unpolitisch.

Das frisch verheiratete Hildener Prinzenpaar Hildanus Daniel I. und Hildania Sabine I. beginnt am Lindenplatz um 14.11 Uhr im Prinzenwagen seine Hochzeitsreise.

Thome, D. (dth), Bild 1 von 2

Die „Hildener Narrenpartei“ gibt sich als Kartenspiel unpolitisch.

Hilden. Rosenmontag, 14.11 Uhr, am Lindenplatz beginnt die Hochzeitsreise des frisch vermählten Hildener Prinzenpaares. Seine Tollität Prinz Hildanus Daniel I. und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Hildania Sabine I. nehmen die Parade der 38 vor ihnen ziehenden Wagen und Fußgruppen ab. Darunter ist auch diesmal das Unterbacher Prinzenpaar.

Am Straßenrand steht noch ein Prinz: „Seine Tollität Prinz Patrick I.“, stellt sich Patrick Lipke, „die falsche Tollität von Langenfeld“, vor. Sein Kostüm wirkt täuschend echt. Nicht wenige fragen ihn, ob er ein richtiger Karnevalsprinz sei. Ist er nicht. Währenddessen jagt seine Tochter dem gerade niedergehenden Kamelleregen nach. „Hier am Zugbeginn ist unser Stammplatz“, sagt Lipke.

Das Hagelkreuz ist mit Gittern abgesperrt

Immer wieder gerät der Zug ins Stocken. Für die großen Wagen ist kaum ein Durchkommen. An beiden Seiten drängen sich die bunt kostümierten Jecken – in Dreierreihen, Viererreihen, teilweise bis zu zehn Reihen hintereinander. Am Hagelkreuz ist es besonders eng. Dort feiert die Jugend. Der Bereich ist mit Gittern abgesperrt. „Gläser dabei?“, fragen die Ordner. Alkoholische und andere Getränke in Flaschen müssen in kostenlose Plastikbecher umgefüllt werden.

„Rosenmontag am Hagelkreuz – getreu dem Motto: Besoffen wie immer, hier simmer“ haben sich die Musketiere als Motto für ihren Motivwagen ausgesucht. Es ist eine Anspielung auf die Exzesse der vergangenen Jahre. „Bisher ist alles ruhig hier“, sagt ein Polizist, der mit zahlreichen Kollegen die Lage am Hagelkreuz im Auge behält.

Etwas weiter weg, auf der Südstraße, feiert „der bunte Timo“ (Timo Köhler, 14) mit seiner Familie. „Alles Gute und viele Kinder“ wünscht er dem Prinzenpaar. In diesem Augenblick ziehen die Kniebachschiffer vorbei. Auf ihrem Festwagen verteilt auch Pfarrer Ulrich Hennes als Matrose die Kamelle unters Volk.

Es folgen die schaurigen Kurrenten des slowenischen Kultur- und Sportvereins Maribor. Sie bringen einen Hauch von alemannischer Fastnacht nach Hilden. Die zotteligen Gestalten mit ihren um die Hüfte gebundenen Kuhglocken vertreiben so manchem ganz jungen Karnevalisten das Lächeln aus dem Gesicht.

Selbst die Hildener Narrenpartei ist auffallend unpolitisch

Ein gemeindeübergreifendes Motiv ziert den Mottowagen der IG Erkrath. Dort ist zu lesen, wo Einwendungen gegen die CO-Pipeline möglich sind: Regierungsbezirk Düsseldorf, Dezernat 54. Das ist es aber auch schon mit politischen Themen gewesen. „Der Freundeskreis“ protestiert noch gegen zu hohe Energiepreise, doch selbst die „Hildener Narrenpartei“ gibt sich als Kartenspiel recht unpolitisch.

Der Zug biegt in die Mittelstraße ein. Dort stehen wie immer die meisten Hexen, Clowns und fantasievolle Irgendetwasse. Vor der Bismarckpassage feiert die Familie des Prinzen. Sie sind als grüne Wiesen unterwegs. Sie wünschen ihrem Prinzenpaar, „dass sie das schaffen, was sie sich vorgenommen haben, und natürlich viele Kinder“, sagt Adriana Antrat, die Stieftante des Prinzen.

Auch Prinzenvater Manfred Antrat wünscht Sohn und Schwiegertochter „alles Liebe, alles Gute“. Lachend beschwert er sich darüber, dass zwischen Heiratsantrag und Hochzeit seines Sohnes nur zwei Wochen lagen. „Deshalb gab es keinen Polterabend, keinen Junggesellenabschied und keine richtige Hochzeitsfeier“, sagt er scherzhaft.

Andererseits, das muss er einräumen, gibt es nur wenige Söhne, die ihren Vater auf eine Hochzeitsparty mit mehr als 60 000 Gästen einladen. Und spätestens als das Prinzenpaar auf seinem Festwagen vorbeikommt, ist das besser als Polterabend und Junggesellenabschied zusammen.

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