Stadt ändert Bebauungspläne für Gewerbegebiete, um die Ansiedlung von Vergnügungsstätten zu verhindern.

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Das Hildener Casino im Industriegebiet West soll nicht zum Vorbild werden.

Das Hildener Casino im Industriegebiet West soll nicht zum Vorbild werden.

Anna Schwartz

Das Hildener Casino im Industriegebiet West soll nicht zum Vorbild werden.

Hilden. Im Gewerbegebiet Auf dem Sand und In den Weiden, östlich vom Westring, kann die Stadt nun kontrollieren, welche Arten von Unternehmen sich dort ansiedeln. Die dafür nötige Änderung des Bebauungsplanes ist im Stadtentwicklungsausschuss einstimmig beschlossen worden.

„Eine Vermietung an Einzelhändler ist viel lukrativer als an handwerkliche Betriebe.“

Peter Stuhlträger, Leiter des Planungsamtes

Sogenannte Vergnügungsstätten, also Spielhallen, Wettbüros oder bordellartige Betriebe, fallen komplett raus. Auch Einzelhandel, der die Größe eines betriebseigenen Werksverkaufes übertrifft, ist verboten.

Nur Waren, die auch in den Betrieben hergestellt oder in einem engen funktionalen Zusammenhang mit den Produkten stehen, dürfen dort dann noch verkauft werden. Ausgenommen von der Regel sind Kioske und Trinkhallen, die die Versorgung der im Gewerbegebiet arbeitenden Menschen gewährleisten.

Anlass der Planänderungen war, dass es immer mehr Anträge auf die Nutzung von leerstehenden Gebäuden (insbesondere als Spiel- oder Automatenhallen) gestellt wurden. Jede freie Fläche sei sofort von Spielhallenbetreibern angefragt worden, sagt Peter Stuhlträger, Leiter des Planungs-und Vermessungsamtes.

„Für Eigentümer ist eine Vermietung an Einzelhändler und Vergnügungsstättenbetreiber viel lukrativer als an handwerkliche Betriebe, die keine hohen Mieten zahlen können“, erläutert Stuhlträger. Allerdings ginge das zu Lasten des Gebietscharakters. Betriebe, die ursprünglich für das Gewerbegebiet vorgesehen waren, werden verdrängt, weil die Grundstückseigentümer vor allem an die zahlungskräftigen Einzelhändler verpachten. Mit dem Beschluss solle das Handwerk geschützt werden.

Um die Entwicklung von Einzelhandel und Vergnügungsstätten in Hilden zu steuern, hat die Stadt 2006 das Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept sowie 2010 das Steuerungskonzept Vergnügungsstätten beschlossen.

Ein Beispiel ist die Spielhalle an der Niedenstraße. Dort beschwerten sich Anwohner nach der Eröffnung 2009 über die Lautstärke und den Verkehr durch die 24-Stunden-Öffnung.

Die Handwerkskammer begrüßt diese Entscheidung der Stadt Hilden. Denn sie befürchtete eben diese „Verdrängung der originär dort vorgesehenen Gewerbebetriebe“ des Handwerks. So steht es in einem Schreiben an das Planungs- und Vermessungsamt, das der WZ vorliegt. Die Einschränkungen dienten der „heutigen und künftigen Standortsicherung der Betriebe“, heißt es weiter.

Keine zweite Niedenstraße

Zurzeit befinden sich im Gewerbegebiet östlich des Westrings mittelständische Betriebe aus der Kfz-Branche, der Softwareentwicklung oder Lagerflächen von Großhändlern. „In den nächsten Wochen sollen auch die Bebauungspläne der anderen Gewerbegebiete im Westen und Süden so geändert werden, dass die Ansiedelung neuer Betriebe zu Gunsten des Handwerks gesteuert werden kann“, sagt Peter Stuhlträger.

Damit es nicht soweit kommt, wie an der Niedenstraße: Dort beschweren sich seit der Eröffnung der Spielhalle 2009 die Anwohner über Lautstärke und Publikumsverkehr, der rund um die Uhr läuft.

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