Mit der Einnahme des Bürgerhauses und der Waldkaserne hat die närrische Schar die Regentschaft über die Stadt übernommen.

Karneval
Auch das massive Tor der Waldkaserne hielt dem Ansturm der Möhnen am Donnerstag nicht lange stand. Letztendlich mussten sich die Soldaten dem närrischen Ansturm geschlagen geben.

Auch das massive Tor der Waldkaserne hielt dem Ansturm der Möhnen am Donnerstag nicht lange stand. Letztendlich mussten sich die Soldaten dem närrischen Ansturm geschlagen geben.

Als gelernter Dachdecker kennt Seine Tollität den kürzesten Weg auf den Bürgerhausbalkon.

Dirk Thomé, Bild 1 von 2

Auch das massive Tor der Waldkaserne hielt dem Ansturm der Möhnen am Donnerstag nicht lange stand. Letztendlich mussten sich die Soldaten dem närrischen Ansturm geschlagen geben.

Hilden. Polizei, Bundeswehr, Rathauspfeifen: Alles, was zwei Beine hat, war gestern von Bürgermeister Horst Thiele zwangsrekrutiert worden, um für den drohenden Sturm der jecken Wiever auf das Bürgerhaus gewappnet zu sein. Doch am Ende nützte aller Einsatz nichts: Um 11.20 Uhr war die Bastion an der Mittelstraße gefallen und fest in Narrenhand.

Zu verdanken war das „Waterloo“ dem todesmutigen Einsatz Seiner Tollität Prinz Hildanus Bernd III. Der Dachdecker-Meister hat mit Höhenangst nichts an der Narrenkappe, ließ eine Leiter ans Bürgerhaus legen und kletterte einfach auf den Balkon, wo er die verdutzten Verteidiger mit einem dreifachen „Itter, Itter, Helau“ begrüßte.

Nach einem Schluck zur Stärkung raste er drinnen die Treppe herunter, um Kämmerer Heinrich Klausgrete, dem Beigeordneten Reinhard Gatzke und Polizeichef Wolfgang Busch in den Rücken zu fallen. Die stemmten sich mit letzter Kraft dem jecken Drängen von draußen entgegen. Die Tore waren extra mit Pflanzenkübeln verbarrikadiert worden. „Versucht ruhig reinzukommen“, hatte der Bürgermeister zuvor noch vollmundig vom Balkon verkündet: „Wenn Ihr gegen die Baumschutzsatzung verstoßt und die Dinger umhaut, wird’s teuer.“

Die Kinderprinzessin hat den Stadtschlüssel gefunden

Mit einem lauten „Attacke“ stürmten die närrischen Weiber, die Musketiere und die anderen wild bemalten und kostümierten Gestalten die Treppe hinauf in den alten Ratssaal, wo der Widerstand der Rathauspfeifen wenige Augenblicke später endgültig erlahmte.

„Wir haben den Schlüssel“, strahlte Kinderprinzessin Hildania Anna. „Dat ging aber flück“, meinte der Bürgermeister, als er die Karnevalisten mit dem gusseisernen Beutestück winken sah.

„Dabei hatten wir uns so eine Mühe mit dem Versteck hinter der Heizungsverkleidung gegeben.“ Des Rätsels Lösung: „Opa spricht im Schlaf“, verriet Kinderprinz Hildanus Tamias. Bekanntlich ist der Bürgermeister der Großvater des Elfjährigen – eine nette Familie.

Der Eroberungshunger der siegreichen Möhnen und anderen Jecken war damit aber noch lange nicht gestillt. Nach einem kurzen Sammeln im Festzelt auf dem Alten Markt ging es weiter zur Waldkaserne.

Auch dort hatten sich die Truppen um den Standortältesten in Vertretung, Major Mario Makowka, zwar formiert – aber auch dort wurde der Widerstand in kürzester Zeit gebrochen. Selbst eine 16-köpfige Eliteeinheit im Kampfanzug mit Schilden, Helmen und Schlagstöcken konnte dem Anrennen der närrischen Horden nicht standhalten.

Nachdem Seine Tollität Prinz Hildanus Bernd III. und sein Gefolge vom Dach eines Lieferwagens aus über eine Rutsche aufs Kasernengelände gelangt waren, war die Moral der Verteidiger gebrochen. Nahezu widerstandslos ließen sie es zu, dass der jecke Regent die Kasernentore an der Elberfelder Straße öffnete.

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