Die Geschichte des von Heiner Klausgrete geschickten Fotos führt ins Jahr 1907.

WZ-Aktion
In altdeutscher Sütterlin-Schrift hat die Absenderin dieser Postkarte aus der Meide die frohe Kunde an eine Freundin geschickt, dass „Klein Peter“ Schützenkönig geworden ist.

In altdeutscher Sütterlin-Schrift hat die Absenderin dieser Postkarte aus der Meide die frohe Kunde an eine Freundin geschickt, dass „Klein Peter“ Schützenkönig geworden ist.

privat

In altdeutscher Sütterlin-Schrift hat die Absenderin dieser Postkarte aus der Meide die frohe Kunde an eine Freundin geschickt, dass „Klein Peter“ Schützenkönig geworden ist.

Hilden. Eine knifflige Aufgabe hatte WZ-Leser Heiner Klausgrete, als er dem Aufruf folgte, der WZ-Redaktion historische Fotos zuzuschicken, um deren Geschichte zu recherchieren.

Knifflig war die Aufgabe vor allem deshalb, weil es nur wenige Aufzeichnungen über das Jahr 1907 gibt, in dem das Foto als Postkarte verschickt wurde. Leicht herauszufinden war lediglich der Ort, an dem die Aufnahme entstand: die Gerresheimer Straße im Bereich Meide. Das steht deutlich auf der Karte.

Schwieriger war es schon, die handschriftlich geschriebenen Zeilen zu entziffern. Kaum jemand kann die altdeutsche Sütterlin-Schrift heute noch lesen. Im Seniorenzentrum am Erikaweg fanden sich allerdings einige hilfreiche Bewohnerinnen, die das Schriftenrätsel lösen konnten.

Unter der Anrede „Für Dame Marta“ stehen folgende Sätze: „Klein Peter ist noch auf dem Schützenplatz, wird Schützenkönig, und wir werden die Ehrendamen. Kannst dich freuen.“ Unter dem Bild steht schließlich noch der Gruß „Familie Ewertz, besten Dank“.

Wahrscheinlich war es das Schützenfest der St. Sebastianer

Aus diesen Zeilen wird klar, dass Absender und Adressat Frauen sind. Alles andere sind Vermutungen, die mehr oder weniger wahrscheinlich sind. Beispielsweise dürfte es sich um ein Schützenfest der St. Sebastianus Schützenbruderschaft gehandelt haben, die in dieser Zeit laut Vereins-Chronik ihre „großen Schützenfeste mit Krönungsball vielfach auf dem Schützenplatz an der Schützenstraße feierte“.

Alte Fotos erzählen oftmals spannende Geschichten. Die WZ ruft deshalb ihre Leser auf, der Redaktion historische Aufnahmen aus ihrem Wohnort zu schicken. Anhand der Fotos recherchiert die Redaktion dann die Geschichte, die hinter den Aufnahmen stecken. Die Fotos können per Post an die Westdeutsche Zeitung, Redaktion Hilden, Pressehaus am Otto-Hausmann-Ring 185, 42115 Wuppertal, oder per E-Mail geschickt werden: redaktion.hilden@westdeutsche-zeitung.de

Nicht ganz auszuschließen ist allerdings, dass der 1903 gegründete Schützenverein Jägerhof seinerzeit gefeiert hat.

Möglicherweise gehörte der Schützenkönig von 1907 der Tellkompanie der St. Sebastianer an, die sich in diesem Jahr formiert hatte. Oder er war begeisterter Sänger und schloss sich dem im gleichen Jahr gegründeten Gemischten Chor Hilden an, der damals den Namen „Almrausch“ trug. Auch der St. Martinsverein Hilden-Süd wurde 1907 gegründet, an der Elberfelder Straße wurde die Waldschenke eröffnet, und Hilden bezog erstmals elektrischen Strom vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk.

Ansonsten gibt es nur wenige Aufzeichnungen aus dem Jahr, in dem die Postkarte verschickt wurde. Die Stadt Hilden hatte damals etwa 12 000 Einwohner und im 1900 erbauten Rathaus (heute Bürgerhaus) saß Carl Wilhelm Heitland auf dem Bürgermeistersessel. Überliefert ist zudem, dass der Stadtrat seinerzeit die Einrichtung eines Feuerwehrzuges für die Meide beschlossen hat – und bei der Anschaffung eines „Sarg-Senk-Apparates“ für den Friedhof erhält ein Exemplar der Marke „Pietät“ den Zuschlag.

So gut wie sicher ist, dass das Foto in Höhe des 1905 erbauten Hauses an der Gerresheimer Straße 196 (auf dem Bild links) entstanden ist und der Blick stadteinwärts schweift. Das vordere Gebäude auf der rechten Straßenseite dürfte das Haus an der Gerresheimer Straße 183 sein, während das hintere Gebäude wohl nicht mehr steht.

Viehhändler Max Feldheim wohnte 1907 an der Gerresheimer Straße 183

Über die Personen auf dem Bild lässt sich wenig sagen. Vielleicht sind es die Kinder des Viehhändlers Max Feldheim, der laut dem Adressbuch der Stadt Hilden von 1907/1908 im Haus an der Gerresheimer Straße 183 lebte. Oder es sind die Kinder von Hermann Erkelenz. Der Schreinermeister wohnte an der Gerresheimer Straße 196.

Etwas wahrscheinlicher ist hingegen, dass die Kinder im Schulgebäude an der Augustastraße unterrichtet wurden. Die Schule wurde 1907 gebaut – ebenso die Walter-Wiederhold-Schule an der Düsseldorfer Straße. Weitere Hinweise auf die Absenderin ergeben sich nicht. Nicht einmal die erwähnten Namen geben einen Aufschluss.

So gibt es im Adressbuch von 1907 insgesamt 17 Einträge mit dem Namen Evertz und zweimal Ewert. Aber keiner davon wohnte in der Meide. Auch wer sich hinter „Klein Peter“ verbirgt, ist nicht klar. Eher unwahrscheinlich ist, dass es sich um den Maurer Peter Klein von der Benrather Straße 41a handelt.

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