Ende März wird im neuen Gebäude der Sparkasse eine Ausstellung mit Fotos eröffnet, die behinderte Menschen zeigt.

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Ästhetische Menschen in inniger Pose: eines der Fotos von Jörg Wüstefeld, die er mit zum Teil Schwerbehinderten realisiert hat.

Ästhetische Menschen in inniger Pose: eines der Fotos von Jörg Wüstefeld, die er mit zum Teil Schwerbehinderten realisiert hat.

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Ästhetische Menschen in inniger Pose: eines der Fotos von Jörg Wüstefeld, die er mit zum Teil Schwerbehinderten realisiert hat.

Hilden. Die großen Porträts sind ganz zart in hellen Blau- und Grautönen gehalten. Schöne Menschen zeigen sich in Pose oder ganz entspannt liegend, lachen in die Kamera oder sind in sich gekehrt.

Dabei sind die jungen Erwachsenen teilweise schwer behindert. Fotograf Jörg Wüstefeld hat sie für das Fotoprojekt „Grenzenlos gemeinsam“ einzigartig dargestellt.

„Sie wollen auch schön sein.“

Ulrich Lilie, Vorstand der Graf-Recke-Stiftung

Seine Modelle leben im Wohnhaus der Graf-Recke-Stiftung an der Hochdahler Straße – einem landesweit einmaligen Projekt der Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Verein „Gemeinsam Leben lernen“.

In unterschiedlichen Wohnformen sind dort junge Erwachsene unter einem Dach vereint, die teilweise ständig betreut werden müssen, teilweise nur stundenweise Hilfe benötigen.

„Es ist irre schwer und anstrengend“, sagt Wüstefeld zu der Arbeit im Fotostudio – und lächelt dabei doch hoch zufrieden. Einige seiner Modelle haben schon Schwierigkeiten damit, überhaupt zu sitzen. Andere sprechen nicht, sondern teilen sich durch Gesten oder nur durch den Ausdruck ihres Gesichts mit.

2002 wurde beim Verein „Gemeinsam leben lernen“ erstmals über die Möglichkeit eines integrativen Wohnprojekts nachgedacht. Zuvor war es dem 1986 von betroffenen Eltern gegründeten Verein bereits gelungen, integrative Plätze in Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen zu schaffen.

Im September 2007 wurde mit dem Bau des Wohnhauses an der Hochdahler Straße 179 begonnen. Im August 2009 feierten die dort lebenden jungen Menschen mit Behinderung die Einweihung.

Die Graf-Recke-Stiftung finanzierte 750  000 des 2,2 Millionen Euro teuren Projektes. Die Stadt Hilden stellte das Grundstück (Erbpacht mit Sozialzins) zur Verfügung. Weitere Geldgeber waren die Stiftung Wohlfahrtspflege, die Aktion Mensch und der Landschaftsverband.

Einer ist Autist. „Wie motiviert man die?“, sei seine Frage gewesen, erinnert sich Wüstefeld. Jeder brauche eine andere Ansprache, einen anderen Zugang für die Sitzung. Man merke aber, dass sie das Shooting genießen, findet der Fotograf.

„Die Leute sind in dieser Hinsicht völlig normal“, findet Ulrich Lilie, geistlicher Vorstand der Graf-Recke-Stiftung: „Die lassen sich gern fotografieren, weil sie sich gern darstellen. Sie wollen auch schön sein.“

Unterstützung auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit

Wüstefelds Bilder findet Lilie „ästhetisch toll“. Christoph Schluckebier von der Leitung des Wohnhauses hat das Fotoprojekt gern mit getragen: „Hier leben Menschen weitestgehend selbstbestimmt. Wir unterstützen sie bei dem wichtigen Schritt ‘ich löse mich von zu Hause’.“

An zwei Terminen wird Wüstefeld Hildener Bürger fotografieren, deren Porträts die Bilder des Projekts ergänzen sollen. „Ich hoffe, dass viele kommen“, sagt der Fotokünstler. Neben die einzelnen Fotos stellt er eine große Collage aus den Gesichtern aller Beteiligten. Zu sehen sein wird die Ausstellung Ende März im neuen Sparkassengebäude an der Mittelstraße.

Die Fototermine am 15. und 22. Januar sind öffentlich. Jeder kann ohne Anmeldung mitmachen. Jeweils von 11 bis 14 Uhr bildet Jörg Wüstefeld die Teilnehmer ab: im Bürgerhaus, Mittelstraße 40, Raum 11.

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