Von Ratingen aus eroberte die Waschmaschine „Constructa“ die deutschen Haushalte.

Geschichte

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Ratingen. „An Mutti denken, Constructa schenken.“ Mit diesem Slogan wurde vor 45 Jahren für den ersten deutschen Waschvollautomat geworben. Der Hausfrau wurde ein Leben voller Freizeit suggeriert – und das mit nur einem einzigen Knopfdruck.

„Constructa“ – diese Marke ist noch heute weltweit ein Begriff. Der Name steht zugleich für Ratingens vielseitige Industrie-Historie. Im Rahmen der Sonderausstellung „Antrieb und Spannung. 250 Jahre Industriegeschichte Ratingen“ wurde jetzt die Erfolgsgeschichte der „Constructa“ betrachtet. Gut zehn Jahre lang, von 1958 bis 1969, wurde der Hausfrauen-Traum in Lintorf produziert. In diesen Jahren eroberte die Waschmaschine 80 Prozent aller deutschen Haushalte.

„An Mutti denken, Constructa schenken.“

Werbeslogan aus den 1960er-Jahren

In Ratingen hinterlässt „Constructa“ bis heute „Erinnerungen an eine große Zeit“, wie ehemalige Mitarbeiter beim Cromford-Gespräch im Museum erzählten. Michael Lumer (Heimatvereins Ratingen) rekonstruierte dort den Lebenslauf der Maschine.

„1,50 Meter hoch, 80 Zentimeter breit und fast ebenso tief. Auf der Frontseite eine große Glasscheibe. Unterhalb des Fensters ein Knopf zum Ziehen. Was rätselten wir, was das bloß für ein Gerät sein könnte . . .“, berichtete Hans-Joseph Hadeler von seiner ersten Begegnung mit der Wundermaschine.

Die Sonderaustellung „Antrieb und Spannung. 250 Jahre Industriegeschichte Ratingen“ ist noch bis zum 8. Mai im LVR Industriemuseum Cromford, Cromforder Allee  24, zu besichtigen. Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 10 bis 17 Uhr, Sa./So. 11 bis 18 Uhr.

Auf einer Messe hatte er dieses „zentnerschwere Monster“, das von der Maschinenfabrik Peter Pfenningsberg GmbH vorgestellt wurde, zum ersten Mal erblickt. Kurz darauf feilte er mit an der Revolution der Hausarbeit und eröffnete seinen eigenen Waschsalon in Düsseldorf. „Trauben von Menschen drängten sich vor meinem Fenster. So etwas hatte es bisher noch nicht gegeben. Alle dachten, es wären riesige Fernseher“, sagte Hadeler.

Eine Maschine, die das Wasser nicht nur bewegte, sondern auch erhitzte – die Frauen blieben skeptisch. Nachdem sich jedoch immer mehr mit der neuartigen Waschmaschine angefreundet hatten, wurde die 1951 in Düsseldorf gegründete Produktionsstätte der Maschinenfabrik Peter Pfenningsberg zu klein. Die Geschäftsführung entschloss sich, die Werksanlagen samt bestehender Produktionshallen und Maschinen der Hoffmann-Werke in Lintorf zu erwerben.

Am 27. Februar 1958 war es dann soweit: Die Belegschaft feierte die offizielle Eröffnung. Schon 1959 kam jede Minute eine fertige Maschine vom Band. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs stetig – bis auf 1000. Ab 1961 firmierte das Unternehmen unter dem Namen „Constructa“. Mit Werbeslogans wie „Wunschtraum der Hausfrau: eine Constructa“ und „Constructa – Ein Waschtag völlig ohne Arbeit“ startete die vollautomatische Waschmaschine vom Breitscheider Weg aus ihren Siegeszug.

Doch von wegen Spa und Wellness: „Die freie Zeit sollte die Hausfrau nun in ihren Gatten und ihre Kinder investieren“, weiß Michael Lumer. Ersparte die Maschine denn wirklich jede Arbeit? Helga Hülsmann, ehemalige Mitarbeiterin im Labor der Constructa-Waschtechnik und Vorsitzende des Museumsfördervereins, klärt amüsiert auf: „Wie oft sind die Schläuche abgesprungen und alles stand unter Wasser. Beim Waschen das Haus zu verlassen, brauchte Mut.“

30 bis 40 Prozent Ortsansässige waren bei den „Constructa-Werken“ beschäftigt, als die Firma komplett an Siemens verkauft wurde und die Produktion 1969 nach Berlin verlagert wurde. Einige gingen mit, viele blieben in Ratingen – und mit ihnen die Erinnerungen an die Waschmaschine, die Mutti glücklich machte.

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