Interview: FDP-Vorsitzender Hans-Peter Altmann befürchtet, dass die Vermarktung des Rathaus-Areals, so wie sie geplant ist, Kunden aus dem Stadtkern in die neue Passage lockt.

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FDP-Vorsitzender Hans-Peter Altmann im WZ-Sommergespräch

FDP-Vorsitzender Hans-Peter Altmann im WZ-Sommergespräch

FDP-Vorsitzender Hans-Peter Altmann im WZ-Sommergespräch

Herr Altmann, die FDP verzichtet in diesem Jahr auf ein Wahlprogramm. Machen Sie es sich damit nicht ein bisschen einfach?
Hans-Peter Altmann: Aus unserer Sicht nicht. Wenn man sich die anderen Wahlprogramme anschaut, stehen da zwar viele Dinge drin, die wir prinzipiell auch unterstützen würden, jedoch nur wenig über die Finanzierung dieser Ideen. Aber solange nicht geklärt ist, wo das Geld herkommt, hat es doch keinen Zweck, falsche Vorstellungen zu wecken.

Aber gerade wo die FDP bundesweit im Aufwind ist, würde es sich doch anbieten, stärker Profil zu zeigen, oder?
Altmann: Wir stehen für eine ruhige, sachliche Art, Politik zu betreiben, und wir sind für Engagement und Eigenverantwortung der Bürger. Bei der Kommunalwahl 2004 haben wir damit einen dritten Sitz im Stadtrat hinzugewonnen. Die Leute merken es doch, wenn falsche Versprechungen gemacht werden - zum Beispiel wenn die CDU im Stadtrat den Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems fordert. Das sind Dinge, die nicht in Wülfrath entschieden werden. Auch Anmerkungen wie von der DLW, dass in der Wülfrather Politik viel gemauschelt würde, sind sicher nicht hilfreich, wenn man Interesse an Kommunalpolitik wecken will: Es passiert in Wülfrath nichts in Hinterzimmern.

Was sind konkrete Ziele der Wülfrather Liberalen?
Altmann: Erstes Ziel ist es, den Haushalt in Ordnung zu bringen. Wobei wir da - auf einer Linie mit der Bundes-FDP - eine Änderung der Gemeindefinanzierung fordern, weil sich die Kommunen alleine kaum noch retten können. Dann wollen wir uns dafür einsetzen, dass die Wülfrather Infrastruktur bestehen bleibt: Wenn’s irgendwie geht, soll keine Einrichtung geschlossen werden. Wichtig ist außerdem, dass das Stadtmarketing verbessert wird - und dass zum Beispiel in Sachen Innenstadt alle Beteiligten, die Stadtspitze, "Wülfrath pro" und die Hausbesitzer, einbezogen werden.

Da Ihnen die Innenstadt als ehemaliger Vorsitzender von "Wülfrath pro" besonders am Herzen liegt: Wie beurteilen Sie, dass das alte Rathaus-Areal nun vermarktet ist? Altmann: Die Ruine muss natürlich weg. Aber ich habe damals gegen den Rathaus-Umzug gestimmt, weil ich der Meinung war, dass es nicht hilfreich für den Handel ist. Wenn jetzt Aldi, ein Frische-Markt und weitere Geschäfte in die Goethe-Passage ziehen, konzentriert sich dort viel. Damit geht die Frequenz in der Innenstadt runter, und das ist kontraproduktiv.

Sie verzichten auf einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten. Warum?
Altmann:
Aus unserer Sicht muss ein Kandidat vor allem fachliche Qualifikationen für die Verwaltungsarbeit und Organisationstalent besitzen. Diese Kriterien haben dazu geführt, dass wir keinen Kandidaten aus den eigenen Reihen aufstellen. Und anhand dieser Kriterien haben wir auch schon vor der Kommunalwahl 2004 gesagt, dass Barbara Lorenz-Allendorff die Voraussetzungen nicht erfüllt.

Hat sich an dieser Einschätzung etwas geändert?
Altmann
: Nein. Selbst die offene Gesprächskultur, die sie vor der Wahl angekündigt hat, ist nicht umgesetzt worden. Ich hätte mir gewünscht, dass die Bürgermeisterin in wichtigen Fragen alle an einen Tisch bringt, damit wir gemeinsam im Interesse Wülfraths an einem Strang ziehen.

Wie sieht es mit den anderen Kandidaten aus?
Altmann:
Zunächst hatten wir gesagt, dass wir keine Empfehlung aussprechen, aber dann ist von der Wülfrather Gruppe Claudia Panke nominiert worden. Mit ihr haben wir für Ende Juli einen Gesprächstermin vereinbart. Ich könnte mir vorstellen, dass es von ihren Einstellungen und vom Werdegang her so sein kann, dass die FDP sie unterstützt. Das werden wir nach diesem Gespräch entscheiden. Aus meiner persönlichen Sicht hat sie die entsprechende Ausbildung.

Was ist Ihr Ziel bei der Kommunalwahl?
Altmann
: Ich denke schon, dass wir - wegen unserer Arbeit vor Ort und auch wegen des bundespolitischen Trends - deutlich zulegen können. Wir rechnen mit 14 oder 15 Prozent.

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