Gut Falkenberg: Haarschnitt, Uhrzeiten und eine Schuluniform – am Bergischen Internat wird auf die konsequente Umsetzung geachtet.

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Schon in der fünften Klasse hat jeder Schüler – hier Eddie und Steve (r.) – die Möglichkeit, mit einem Laptop zu arbeiten.

Schon in der fünften Klasse hat jeder Schüler – hier Eddie und Steve (r.) – die Möglichkeit, mit einem Laptop zu arbeiten.

Dirk Thomé

Schon in der fünften Klasse hat jeder Schüler – hier Eddie und Steve (r.) – die Möglichkeit, mit einem Laptop zu arbeiten.

Erkrath. "Wenn sich Schüler sehr aufwändig stylen, dann meist nur, um von etwas anderem abzulenken. Von schlechten Noten etwa oder von anderen Problemen." Am Bergischen Internat ist ein Irokesenhaarschnitt daher ebenso wie Gel in den Haaren für unter 14-Jährige verboten.

Strenge Regeln, denen sich die rund 200 Schüler unterwerfen müssen, doch Schulleiter Bernd Kesseler hat dafür eine gute Begründung: "Unsere Erziehung muss nicht auf Gegenliebe stoßen, sie muss konsequent sein, und die Regeln müssen nachvollziehbar sein."

Für die Schüler heißt das, dass Käppis im Schulgebäude abgenommen werden und den Anweisungen der Lehrer absolut Folge zu leisten ist. Es gibt feste Zeiten, wann die Internatsschüler in ihrem Zimmer sein müssen und wann das Licht aus sein muss. Halten sich Schüler trotzdem noch auf den Gängen oder in anderen Zimmern auf, gibt es einen dreitägigen Schulverweis, beim zweiten Mal fliegen sie von der Schule. Knallhart. "Diese Regelung haben wir vor einigen Jahren eingeführt, und sie muss vor dem Eintritt ins Internat von den Schülern unterschrieben werden. Seitdem haben wir eigentlich keine Probleme mehr", so Kesseler.

Rund die Hälfte der Schüler ist im Internat untergebracht. Nur am Wochenende geht es für sie nach Hause, und wenn sie am Montag mit Reisetasche und Rollkoffer wieder eintrudeln, wird jeder Schüler vom Direktor einzeln begrüßt. "Ich kenne jedes Gesicht und finde diesen engen Kontakt sehr wichtig", betont Kesseler.

In Klassen mit rund 20Schülern wird nach dem üblichen Lehrplan gelernt, Schulschluss ist je nach Jahrgang um 13.30 oder 15.30 Uhr.

Laptops gibt es schon für die fünften Klassen

Rund 200 Schüler besuchen das Bergische Internat, die Hälfte von ihnen ist unter der Woche in der Schule untergebracht. Am Wochenende geht es auch für sie nach Hause - in die Nähe von Hamburg, nach Koblenz und auch in die Umgebung.

Ein schuleigener Bus fährt morgens über Ratingen, Heiligenhaus, Velbert, Wülfrath, Mettmann und Erkrath. Auch an den Nachmittagen wird der Bus für Ausflüge und Unternehmungen genutzt.

Schulbeginn ist um 8.25 Uhr, der Unterricht endet, je nach Jahrgangsstufe um 13.30 oder 15.30 Uhr. Die Schüler verteilen sich auf die Klassen fünf bis zehn, ab Klasse sieben wird zweizügig, in den unteren Klassen einzügig unterrichtet.

Für die Aufnahme am Bergischen Internat müssen nach vierteljährlicher Zahlung 1563 Euro Aufnahmegebühr bezahlt werden, Internat und Schule kosten 3687 Euro. Kesseler betont, allerdings, das zehn Prozent der Schüler über ein Stipendium die Schule besuchen.

Doch statt Freizeit folgt nun das Silentium, in dem Schüler mit schlechteren Noten ihre Leistungen verbessern sollen. Hausaufgaben gibt es nicht. Und Briefe an die Eltern, wenn die Klassenarbeit doch daneben ging, gibt es auch nicht. Im Gegenteil. Wenn die Eltern Post vom Bergischen Internat bekommen, dann, weil sich die Schüler besonders gut gemacht haben.

Gepaart ist die konservative Pädagogik des Bergischen Internats mit modernen Lernmitteln. Schüler ab Klasse fünf bekommen einen Laptop, an dem Programme passend zu den Schulbüchern zusätzliches Wissen vermitteln. Dort entwerfen beispielsweise die Schüler der sechsten Klasse, wie sie die Wände im Flur bemalen wollen.

Vor einigen Jahren wurde am Bergischen Internat die einheitliche Schulkleidung für die fünften Klassen eingeführt. Die unteren Klassen tragen dunkelblaue Sweatshirts, die ein weißes Emblem mit dem Schriftzug "Bergisches Internat" ziert. Eingeschüchtert oder gelangweilt sehen die Schüler am Bergischen Internat ob der strengen Regeln nicht aus - auf dem Schulhof geht es nach dem Wochenende genauso laut und fröhlich zu wie an jeder anderen Schule auch.

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