In einer Kita in Haan-Gruiten sind zahlreiche Kinder von den Blutsaugern befallen worden. Das ist kein Einzelfall.

Haan. Sie krabbeln sich durchs Kopfhaar, saugen das Blut ihres Wirtes, vermehren sich in Windeseile und sorgen für unerträglichen Juckreiz bei den Betroffenen: Kopfläuse.

Wolfgang Schade und noch mehr Tochter Klara (Namen von der Redaktion geändert) haben mit den flügellosen Tieren jede Menge Ärger. Das Mädchen, das den Kindergarten der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Haan-Gruiten besucht, wurde von den Erzieherinnen nach Hause geschickt. Sie hatten in den Haaren des Mädchens Läuse entdeckt.

Die Tiere verstecken sich auch in Kuscheltieren

Übertragen worden waren die Tiere mit großer Wahrscheinlichkeit von anderen Kindern. "Und dann können Sie sich ja vorstellen, was bei uns zu Hause los war. Wäsche und Kuscheltiere waschen, Haare mehrmals waschen und durchkämmen. Eine lästige Prozedur", sagt Vater Wolfgang Schade.

Dabei gab es im Kindergarten sechs Jahre lang keinen einzigen Fall von Kopfläusen. "Jetzt haben wir wieder welche", sagt die Leiterin des Kindergartens, Gabi Vömel. Wie die Tiere ihren Weg in die Kindertagestätte gefunden haben, weiß niemand so genau. Nachdem die ersten Fälle im Kindergarten bekannt wurden, nahm Gabi Vömel Kontakt zu einer Apothekerin im Ort auf.

"Und die sagte, dass man nicht weiß, woher Läuse auf einmal auftauchen. Es sei aber oft so, dass gerade nach der Urlaubszeit die Fallzahlen zunehmen", berichtet Vömel von ihrem Gespräch mit der Pharmazeutin. Wie viele Kinder in ihrem Kindergarten betroffen sind, will die Leiterin nicht sagen. Ihr Argument: "Das sind ja Daten, die schützenswert sind."

Kopfläuse sind flügellose Insekten. Sie sind in Europa heimisch. Jeder Mensch kann sie bekommen. Der Befall hat nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun. Die drei Millimeter langen Läuse saugen Blut und können gefährliche Krankheitserreger übertragen.

Die Läuse werden in der Regel bei direktem Kontakt von Kopf zu Kopf übertragen. Der indirekte Weg erfolgt über Kämme, Bürsten oder Kuscheltiere.

Besteht der Verdacht auf Läuse, sollte der Kopf mit einem Nissenkamm gekämmt werden. Die Läuse bleiben darin hängen und sind sichtbar. Es stehen verschiedene Medikamente zu Verfügung. Läusemittel sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Für Kinder bis zwölf Jahre stellt der Arzt ein Rezept aus - in diesem Fall trägt die Krankenkasse die Kosten.

Das Merkblatt des Kreisgesundheitsamtes ist über die Kreisverwaltung erhältlich.

Für die Maßnahmen, die der Kindergarten nach dem Befall seiner jungen Gäste mit Läusen ergreifen muss, spielt dies auch keine Rolle. Denn wenn auch nur bei einem Kind die Tiere über die Kopfhaut krabbeln, müssen alle Eltern informiert werden, sagt Stefanie Schelling vom Gesundheitsamt. "Und dann muss natürlich auch hier in der Einrichtung alles gewaschen werden, wo sich die Läuse aufhalten können - zum Beispiel die Verkleidungskisten."

Dass der Kindergarten nicht die einzige Einrichtung ist, in der die Läuse ihr Unwesen treiben, zeigen die Fallzahlen des Kreises Mettmann: So sind dem Kreisgesundheitsamt in diesem Jahr bis heute 508 Fälle gemeldet worden. Aber: Insgesamt haben sich weniger Menschen als in den Vorjahren mit Blutsaugern herumärgern müssen.

So teilt die Kreisverwaltung auf WZ-Anfrage mit, dass im vergangenen Jahr 760 Fälle und 2008 826 Fälle registriert worden sind. "Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Wochen dieses Jahres nicht mehr so viele Fälle gemeldet werden, dass wir die Zahlen aus den Vorjahren erreichen. Man kann also sagen, die Zahlen sind rückläufig", sagt Daniela Hitzemann, Sprecherin des Kreises Mettmann. Dieser stellt ein Merkblatt mit Informationen zu Läusebefall bereit und was in einem solchen Fall zu tun ist.

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