Am Sonntag probten die Rettungskräfte aus sechs Städten den Ernstfall. Mehr als 400 Helfer waren bei zwei Übungen im Einsatz.

Ausnahmezustand auf der A44: Ein Unfallszenario mit mehreren Opfern wird auf der Autobahn simuliert. Etliche Einsatzfahrzeuge und Ersthelfer sind vor Ort und proben die Rettungsaktion.
Ausnahmezustand auf der A44: Ein Unfallszenario mit mehreren Opfern wird auf der Autobahn simuliert. Etliche Einsatzfahrzeuge und Ersthelfer sind vor Ort und proben die Rettungsaktion.

Ausnahmezustand auf der A44: Ein Unfallszenario mit mehreren Opfern wird auf der Autobahn simuliert. Etliche Einsatzfahrzeuge und Ersthelfer sind vor Ort und proben die Rettungsaktion.

Stefan Fries

Ausnahmezustand auf der A44: Ein Unfallszenario mit mehreren Opfern wird auf der Autobahn simuliert. Etliche Einsatzfahrzeuge und Ersthelfer sind vor Ort und proben die Rettungsaktion.

Kreis Mettmann. Sonntag, 10 Uhr: Dichter Rauch strömt aus dem Reichswaldallee-Tunnel auf der Autobahn 44. Zwei schlimme Unfälle haben sich kurz zuvor ereignet.

Vor dem Eingang zum Tunnel sind zwei Pkw, ein holländischer Reisebus und ein Lkw ineinander gekracht. Mehrere blutüberströmte Verletzte befinden sich in den Fahrzeugen. Aus der Ferne tönen Sirenen, das ersten Blaulicht ist bereits in Sicht - Hilfe ist unterwegs.

Die Feuerwehr aus Ratingen vermutet im Tunnel weitere Verletzte. Dass die Lüftung der Betonröhre wegen eines verrosteten Schlosses nicht aktiviert werden kann, kostet wertvolle Zeit, die mancher Verletzte nicht hat. Aber der anwesende Mitarbeiter von Straßen NRW muss eine Viertelstunde warten bis er Licht und Lüftung im Tunnel einschalten darf, denn das Szenario auf der A44 in Fahrtrichtung Düsseldorf ist eine Übung der Feuerwehren des Kreises Mettmann. "Und die soll so realistisch wie möglich sein", sagt René Schubert, Gesamtleiter der Feuerwehr in Ratingen, am Rande des Geschehens.

Ganz genau observieren Schubert und sein Beobachter-Team den Einsatz und machen Notizen für die Auswertung. Das verrostete Schloss wird dann ein Thema sein. Doch das nutzt den beiden Verletzten im Tunnel nur wenig, denn sie können nur noch tot geborgen werden.

Hydraulische Rettungsgeräte zerschneiden Autotüren wie Papier

Wichtig ist jetzt die Befreiung der Überlebenden. Die Tür eines blauen Pkw klemmt. Der Fahrer kann nur durch den Einsatz von schwerem Gerät befreit werden. Währenddessen übergibt sich der Fahrer des Lkw, als ein Rettungshelfer sich nach seinem Zustand erkundigen will. Der Fahrer gehört zu einer Schauspiel-Gruppe, die im Kreis Mettmann bereits zum zweiten Mal für eine Übung angeheuert wurde. Die 20 Laien-Darsteller arbeiten zwar ehrenamtlich, haben aber eine dreijährige Ausbildung absolviert, um genau zu wissen, welche Krankheit oder Verletzung welche Symptome verursacht.

Professionelles Jammern, Stöhnen und Leiden

Mehr als 400 Einsatzkräfte waren beteiligt. Die freiwilligen und Berufsfeuerwehren aus Ratingen, Haan, Heiligenhaus, Velbert, Tönisheide, Mettmann und Erkrath waren bis 13 Uhr im Einsatz. In Erkrath wurden 2000 Meter Schlauchleitungen zur Wasserversorgung verlegt.

Corni Thoomsen, Ausbilder der "Lotus-Gruppe", ist bisher zufrieden mit der Leistung seiner Darsteller. Und in der Tat: Sie stöhnen, jammern und leiden, bis endlich der Katastrophenschutz anrückt, um einen Bereich zu errichten, in dem die Verletzten versorgt werden können.

Die so genannte "Patientenablage" wird vom Patiententransportzug des Deutschen Roten Kreuzes eingerichtet, das mit 55 Helfern vor Ort ist. Weitere 30 Rot-Kreuzler warten in der Feuerwache Ratingen. Fünf Mitarbeiter koordinieren im Kreisauskunftsbüro Anrufe von Angehörigen der Verletzten, denn in Windeseile übermittelt das DRK Informationen, damit Verwandte so schnell wie möglich erfahren können, wie es um ihre Lieben steht. "Deshalb ist es wichtig, dass die Dokumentation zügig und korrekt durchläuft", sagt Stefan Vieth vom DRK. Fehler will sich keiner erlauben, auch wenn es nur eine Übung ist.

Erster Einsatz bei den "Großen" für den 18-jährigen Manuel Böhnke

Wäre der Einsatz real, die Katastrophe traurige Wirklichkeit, hätte Manuel Böhnke nicht viel zu lachen. Der Ratinger ist seit vier Jahren bei der Jugendfeuerwehr. Es ist sein 18. Geburtstag und auch sein erster Einsatz mit den "Großen" der freiwilligen Feuerwehr.

Sein Gruppenleiter ist begeistert von der guten Arbeit, die der junge Ratinger leistet. Wie Stefan Vieth vom DRK ist es Manuel Böhnke wichtig, dass die Verletzten sich gut versorgt fühlen. Geld oder übermäßiges Lob möchte er nicht für seine ehrenamtliche Arbeit. "Es macht einfach Spaß, Menschen zu helfen", sagt er nach der Übung gelassen.

Gelassen ist mittlerweile die Stimmung beim zweiten Unfallszenario, das zeitgleich in Erkrath geprobt wurde. Nach einer Explosion in einem Heizkraftwerk, fällt im Altenheim Rosenhof die Heizung aus. Es ist Winter, die Senioren frieren und müssen kurzerhand evakuiert werden. 36 Bewohner hatten sich für die Feuerwehrübung freiwillig gemeldet und dürfen sich nach erfolgreicher Evakuierung im Bürgerhaus mit Gulaschsuppe stärken und aufwärmen. "Ein bisschen mehr Action hatten wir uns aber schon erwartet", sagt Bewohnerin Margot Wieczorek ein wenig enttäuscht.

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