Am Freitag feiern Christen den Weltgebetstag. Was aber bedeutet Beten? Wer betet und warum? Es gibt viele Antworten.

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Sichtbares Zeichen der Zwiesprache mit Gott beim Gebet sind die gekreuzten oder gefalteten Hände.

Sichtbares Zeichen der Zwiesprache mit Gott beim Gebet sind die gekreuzten oder gefalteten Hände.

dpa

Sichtbares Zeichen der Zwiesprache mit Gott beim Gebet sind die gekreuzten oder gefalteten Hände.

Kreis Mettmann. Nach Minuten des Schweigens legt sie ihre Hände auf den Schoß. Sie hebt den Kopf und schaut noch einmal in Richtung Altar. Ilka Schmitt ist zum Beten in den Mariendom nach Velbert-Neviges gekommen. „Ich bete täglich. Aber meistens bei mir zu Hause, abends bevor ich einschlafe. Dass ich im Dom bete, ist eher die Ausnahme.“

Das Gebet helfe ihr, ihre Nervosität zu verlieren, indem sie Gott von ihren Ängsten erzählt. Ihre Eltern und ihren Ehemann habe sie vor Jahren verloren. „Alle sind sie nicht alt geworden. Mein Mann war erst 58 Jahre, als er einen Herzinfarkt bekam.“ Jetzt sei sie im selben Alter.

„Da kommen schon Gedanken auf, wie lange ich wohl noch lebe.“ In ihrem Gebet vertraut sie aber Gott nicht nur ihre Sorgen und Nöte an. „Ich danke auch für das Leben. Und bitte für meine beiden Söhne, dass sie gesund bleiben.“

Wurzeln des Weltgebetstags führen nach Kanada

Wie Ilka Schmitt beten heute viele Gläubige im Kreis Mettmann und Millionen Menschen weltweit in Gottesdiensten anlässlich des Weltgebetstags der Frauen. 1887 feierten erstmals christliche Frauenmissionswerke in den USA und Kanada einen gemeinsamen Gebetstag.

Im Laufe der Zeit wurde dieser Tag zu einer weltweiten Aktion, die zwar von christlichen Frauen organisiert wird, die Männer aber nicht ausschließt. Genauso sind auch Angehörige anderer Konfessionen eingeladen, den Weltgebetstag zu feiern und zu beten.

Kraft, die aus Gemeinsamkeit entsteht

Für Diemut Meyer, evangelische Pfarrerin im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann, ist der Weltgebetstag etwas Besonderes, „weil dann sehr viele Menschen auf dem ganzen Erdball beten. Und davon geht noch einmal eine ganz andere Kraft aus, als wenn jemand alleine betet“, sagt die Theologin. Das Gebet ist für sie eine „Art des Öffnens sich selbst und Gott gegenüber“.

Mit dieser Sichtweise ist sie nicht alleine. Auch die Katholiken verstehen das Gebet so. „Es geht darum, sich mit seinen Wünschen, Bitten, Nöten Gott zu offenbaren“, sagt Detlef Tappen, Pastoralreferent der katholischen Gemeinde St. Joseph/St. Martin in Langenfeld.

Im christlichen Glauben ist das Gebet eine Bitte für andere

Wichtig ist beiden Theologen aber auch das Gebet für andere. „Ich kann beim Beten für mich selber bitten, aber im christlichen Glauben ist das Bitten für andere zentral“, sagt Meyer. So habe sie beispielsweise bei einem ihrer letzten Gebete anlässlich der Unruhen in Nordafrika für Frieden für die Menschen dort gebetet.

Auf einen anderen Aspekt macht Tappen aufmerksam: „Beten ist nicht nur eine geistliche, sondern auch eine körperliche Angelegenheit“, sagt er. Verschränkte Hände, auf die Knie gehen, den Kopf senken, die Augen schließen – all dies diene dazu, sich auf die innere Zwiesprache mit seinem Gott einzustimmen.

Wie richtig gebetet wird, unterliegt letztlich aber keinen Regeln. „Der Ort, die Worte und die Haltung sind unwichtig“, sagt Meyer. Es gebe auch keine Bibelstelle, in der beschrieben wird, wie zu beten ist.

Sogar Rache- und Wutgebete sind moralisch nicht verwerflich. „Es gibt Psalme, in denen Gott Vorwürfe gemacht werden, weil er schreckliche Dinge geschehen ließ. Und Psalme sind nichts anderes als Gebete“, erklärt Meyer.

Grundsätzliche Gemeinsamkeit zwischen Islam und Christentum

Heute versammeln sich auch Angehörige islamischen Glaubens zum Gebet – wie jeden Freitag. Und die Art der Zwiesprache mit Gott ähnelt der christlichen. So ist auch für die Moslems das Bitten für andere ein wichtiger Moment im Gebet: „Der Islam mahnt, beim Gebet nicht egoistisch zu sein“, sagt Hayrettin Kahramann, Vorsitzender des Islamischen Vereins Wülfrath.

Angehalten, fünfmal täglich zu beten

Daher soll im Gebet „erst an alle anderen Lebewesen dieser Erde gedacht werden, erst dann sind die eigenen Anliegen an der Reihe“. Auch der Ort ist für das islamische Gebet unwichtig: „Aber er muss hygienisch sauber sein“, sagt Kahramann. Wichtig sei aber die Regelmäßigkeit des Gebets: „Wir sind angehalten, fünfmal am Tag zu beten.“

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