Ämter, Polizei und Soziale Dienste wollen bei häuslicher Gewalt enger zusammenarbeiten.

Mettmann. Schon häufiger wurde das traurige Thema häusliche Gewalt bei Fachveranstaltungen im Kreis Mettmann am Runden Tisch diskutiert und dargestellt. "Wir müssen und werden auch weiterhin dafür sorgen, dass diese Thematik nie in Vergessenheit gerät", sagte Birgit Köppe-Gaisendrees. Die Leiterin der Ärztlichen Beratungsstelle Bergisches Land bei Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern referierte diesmal vor mehr als 80Teilnehmern über "Kinder als Opfer häuslicher Gewalt".

"Kinder haben tausende von Antennen. Selbst wenn sie nicht direkt misshandelt wurden, können Gewalterfahrungen und Streitigkeiten im familiären Umfeld schlimme Auswirkungen auf die Zukunft der Kinder haben", sagte Köppe-Gaisendrees und führte einige Fälle an, mit denen sie an ihrer Klinik in der Vergangenheitkonfrontiert wurde.

So habe ein Achtjähriger gemeinsam mit seiner zwei Jahre alten Schwester körperliche Übergriffe von seinem Stiefvater auf seine Mutter und die damit verbundenen Polizeieingriffe und Fluchten in Frauenhäuser mitgemacht. Negativer Höhepunkt sei der Umstand gewesen, dass der Stiefvater seine Frau mit einem Messer bedroht haben soll, während sie die kleine Tochter auf dem Arm hielt.

"Kinder verstehen Zusammenhänge nicht immer und suchen die Fehler häufig bei sich. Im Zusammenspiel mit diesen schlimmen Erfahrungen kann das erhebliche seelische Folgeschäden und Existenzängste verursachen", so die Referentin. Darüber hinaus seien Kinder immer darum bemüht, Situationen zu deeskalieren, sich solidarisch mit den Eltern zu erklären und diese sogar in Schutz zu nehmen. Dies könne sogar den Aufbau von Schein-Realitäten zur Folge haben, um das Idealbild der Familie zu behalten.

Um sich den Opfern solcher Fälle und auch allen anderen Problemen in diesem traurigen Themenbereich künftig noch besser annehmen zu können, soll die Zusammenarbeit zwischen Jugendamt, Polizei und den Mitgliedern des betreffenden Arbeitskreises enger verzahnt werden. Zu diesem Zweck stellten Thomas Langmesser, Diplom-Sozialpädagoge des Jugendamtes der Stadt Heiligenhaus, und Dirk Schatte, Abteilungsleiter des Sozialen Dienstes in Hilden, die sogenannten Frühwarn- und Hilfesysteme für Häusliche Gewalt ihrer Städte vor.

Informationen und Hilfe gibt es bei der Interventionsstelle des Kreises gegen häusliche Gewalt unter Telefon: 02104/1419221, oder per E-Mail an: interventionsstelle@skfm-mettmann.de

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