Frank Homberg erklärt, warum die Demokratische Linke keinen Kandidaten fürs Bürgermeister-Amt aufstellt – und sich mit Sparvorschlägen zurückhält.

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Frank Homberg und die DLW sehen ihren Schwerpunkt in Kultur und vor allem Jugend.

Frank Homberg und die DLW sehen ihren Schwerpunkt in Kultur und vor allem Jugend.

Simone Bahrmann

Frank Homberg und die DLW sehen ihren Schwerpunkt in Kultur und vor allem Jugend.

Wülfrath. Politisch gibt es in diesem Jahr keine Sommerpause: Die Zeit bis zum 30. August wird die heiße Phase des Wahlkampfs. Die WZ spricht in den nächsten Wochen mit den Fraktionsvorsitzenden und Bürgermeister-Kandidaten der Parteien. Den Auftakt macht Frank Homberg, Fraktionssprecher der Demokratischen Linken Wülfrath (DLW).

Herr Homberg, es gibt sechs Kandidaten für das Bürgermeister-Amt, aber keinen von der DLW. Warum nicht?

Frank Homberg: Ich finde, wenn man als Kandidat antritt, muss man auch ernsthafte Chancen auf den Sieg haben. Und man braucht die Aussicht, danach eine Ratsmehrheit hinter sich zu haben. Das ist schwer. Wir wollen diesmal die Fraktion stärken. Stimmen für einen Bürgermeister-Kandidaten, der nicht durchkommt, wären dagegen verloren.

Aber es könnte sein, dass sich die Aufmerksamkeit im Wahlkampf vor allem auf die Kandidaten richtet - und damit weniger auf Ihre Partei.

Homberg: Das glaube ich nicht. Von den Wülfrather Gruppierungen sind wir bestimmt die mit dem schärfsten Profil. Bei uns weiß man, was drin ist - und das kann man dann gut finden oder auch nicht.

Frank Homberg (40) arbeitet als Koch und Historiker. Er hat eine Tochter (5) und einen Sohn (7). Homberg ist Sprecher der Demokratischen Linken Wülfrath, der drittgrößten Fraktion im Stadtrat.

Wie sieht dieses Profil Ihrer Meinung nach aus?

Homberg: Wir sind für Kinder und Jugend, für Kultur und gegen die Veräußerung städtischen Eigentums. Und wir sind vor allem unbestechlich und stören andere Leute, damit es keine Absprachen in Hinterzimmern gibt.

In Ihrem Wahlprogramm heißt es: Wülfrath soll die kinderfreundlichste Stadt Deutschlands werden. Wie soll das denn bitte funktionieren?

Homberg: Wülfrath hat doch alle Möglichkeiten dazu: Wir haben Kindergartenplätze für alle, Schulen mit Ganztagsbetreuung und im Prinzip auch genügend Spielflächen - das ist ja alles durchaus okay. Mittlerweile haben wir aber leider auch die teuersten Kindergartenplätze. Um im Wettbewerb um junge Familien eine Chance zu haben, müssen die Gebühren gesenkt werden. Und die Spielplätze müssen wieder als solche erkennbar sein. Unser Wunsch wäre auch ein Großspielplatz In den Banden, der Eltern mit ihren Kindern in die Innenstadt lockt.

In Ihrem Wahlprogramm findet sich aber keine einzige Zeile über die Finanzierung Ihrer ganzen Vorschläge.

Homberg: Wir müssen uns das Geld für Kultur und Jugend nehmen, um Schwerpunkte zu setzen. Ich glaube auch, dass der Haushalt fast nur über die Einnahmen und weniger über die Wülfrather Ausgaben zu retten ist. Wichtig ist aber, dass sich die Städte für eine Finanzreform einsetzen: Die Kreisumlage und die Abgaben an Bund und Land müssen sinken.

Also keine konkreten Sparvorschläge auf Wülfrather Seite?

Homberg: Wir sind sicher für eine Sparsamkeit und wollen nicht mit der Gießkanne Geld verteilen. Aber beim bedingungslosen Sparen sieht man später auch die Folgen - zum Beispiel bei den Straßen, die jetzt in einem schlechten Zustand sind.

Muss man als drittstärkste Fraktion nicht mehr Verantwortung übernehmen und auch mal Unbequemes aussprechen?

Homberg: Ich finde schon, dass es unbequem ist, wenn wir gegen die Mehrheitsmeinung antreten. Zum Beispiel, als wir gegen den Rathaus-Umzug gekämpft und leider verloren haben. Wir haben damals schon gesagt, dass das rausgeworfenes Geld ist. Das alte Rathaus-Areal ist aber mittlerweile vermarktet.

Fehlt Ihnen damit ein Wahlkampfthema?

Homberg: Nein, die Ruine steht ja noch. Der große Wurf ist das neue Konzept nun auch wirklich nicht: Im Prinzip entsteht ein kleines Zentrum, und Aldi wechselt die Straßenseite. Es sollte darum gehen, die Innenstadt zu beleben, und das wird mit diesem Konzept kaum gelingen.

Was ist Ihr Ziel bei der Kommunalwahl?

Homberg: 20 Prozent. Wir haben ja einen Titel zu verteidigen und wollen die "Linkenstreber" im Westen bleiben (lacht).

Und wie, glauben Sie, geht die Bürgermeister-Wahl aus?

Homberg: Es gibt aus meiner Sicht nur drei ernsthafte Kandidaten: die "Titelverteidigerin" und die Kandidaten von CDU und SPD. Die anderen sind zu kurzfristig gestartet oder haben sich noch gar nicht politisch geäußert.

Wer wäre Ihnen von diesen Dreien denn am liebsten?

Homberg: Das wäre ja eine Wahlempfehlung, die wir diesmal nicht abgeben. Aber ich glaube, dass die Bürgermeisterin ganz gute Chancen hat.

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