Der Schule am Peckhaus fehlen 13 Räume. Eine Dependance in Wülfrath wird von den Eltern als wenig sinnvoll angesehen.

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Die Klassen 2a und 2b der Förderschule am Peckhaus in Mettmann: Wer zur Klasse 2b will, muss erst durch das Klassenzimmer der 2a gehen.

Die Klassen 2a und 2b der Förderschule am Peckhaus in Mettmann: Wer zur Klasse 2b will, muss erst durch das Klassenzimmer der 2a gehen.

Dirk Thomé

Die Klassen 2a und 2b der Förderschule am Peckhaus in Mettmann: Wer zur Klasse 2b will, muss erst durch das Klassenzimmer der 2a gehen.

Kreis Mettmann. Ein plötzlicher Gang zur Toilette während des Unterrichts kann für den siebenjährigen Sebastian in der Klasse2b bedeuten, seine Mitschüler in der 2a beim Lernen stören. Genau so wie bein einem Zuspätkommen.

Weil nämlich Sebastians Weg in sein Klassenzimmer der 2b durch das Klassenzimmer der 2a führt. Was nach einem baulichen Missstand klingt, ist an der Förderschule am Peckhaus in Mettmann in Wirklichkeit nur ein Beispiel der Raumnot - und der organisatorischen Fantasie des Lehrerkollegiums.

"Es fehlen zwölf bis 14 Räume", sagt Heidi Kittner, Leiterin der kreiseigenen Schule für Sprachförderung, die zurzeit knapp 200 Kinder aus fast allen Städten des Kreises besuchen.

Nur für Monheim, Langenfeld und Teile Hildens gibt es mit der Leo-Lionni-Schule in Monheim ein passendes Gegenstück. Eines haben beide Förderschulen gemeinsam: die Schülerzahlen werden trotz demografischen Wandels nicht abnehmen.

Im Gegenteil, denn aufgrund der Sprachdefizite schon bei Kleinkindern ist in den kommenden Jahren mit einem Zuwachs zu rechnen.

Mit einer Dependance in Wülfrath kann sich niemand anfreunden

Für Kinder, deren Sprache nicht altersgemäß entwickelt ist, die unter schweren Hemmungen des Sprechens leiden und deshalb in der Grundschule nicht hinreichend gefördert werden können, steht seit 1977 die Schule am Peckhaus zur Verfügung. Träger ist der Kreis Mettmann. Der Einzugsbereich der Schule reicht vom Norden des Kreises über die Kreismitte bis nach Hilden. Sobald die Sprachauffälligkeiten behoben sind, können die Kinder wieder die Regelschule am Wohnort besuchen. Das ist prinzipiell nach jedem Schuljahr möglich. Rückschulungen nach dem 1.und 2. Schuljahr sind häufig.

Die Kinder erhalten im Unterricht alle Hilfen, um ihre Sprachstörungen abzubauen. Kleine Klassen mit etwa zehn bis 14 Schülern tragen dazu bei, dass häufige Begleiterscheinungen solcher Sprachstörungen, wie mangelndes Selbstvertrauen, Störungen des Lern- und Arbeitsverhaltens oder soziale Anpassungsschwierigkeiten behoben werden können. Ergänzend werden auch Einzel- oder Gruppentherapie angeboten. Die speziell ausgebildeten Lehrer arbeiten bei Bedarf auch mit Fachärzten, Psychologen, Logopäden und heilpädagogischen Einrichtungen zusammen.

Seit August 2003 gibt es in Monheim eine weitere Schule für Sprachbehinderte im Kreis Mettmann. Der Einzugsbereich umfasst Monheim, Langenfeld und Hilden (als Überschneidungsgebiet).

Das Problem der Raumnot - es fehlen auch Fach-, Kunst- und Musikräume, weil diese zu Klassenzimmern umfunktioniert werden mussten - ist der Schulverwaltung durchaus bekannt.

Schon im August 2008 hatte das Kreisschulamt das Raumdefizit ermittelt, das sich trotz zweier angemieteter Räume in der benachbarten Grundschule Spessartstraße nicht beheben lässt.

Als die Idee einer Auslagerung und Gründung einer Dependance in der ehemaligen Grundschule in Wülfrath-Rohdenhaus ins Gespräch kam, waren sich Eltern wie Lehrer einig, dass dieses nicht die Lösung sein kann.

Kerstin Schmitz-Wolf, Vorsitzende der Schulpflegschaft, ist sich sicher: "Damit würde jede spezifische Förderung wegfallen und die pädagogische Arbeit würde darunter leiden."

Ein einheitlicher Standort Mettmann hingegen würde bedeuten, dass Mangelfächer abgedeckt und Vertretungsunterricht pädagogisch sinnvoll organisiert werden könnte.

Für die Eltern kommt daher nur eine Lösung in Betracht: ein Erweiterungsbau, der alle Raumprobleme löst. Ein Gutachten über einen solchen Anbau existiert bereits, die Pläne wurden aber nicht weiter verfolgt.

"Alle wissen um die Problematik, viele haben sich hier schon umgesehen, aber keiner handelt", kritisiert Kerstin Schmitz-Wolf. "Die Politik zeigt leider nur Desinteresse."

Trotzdem hoffen Eltern wie Lehrer offene Ohren zu finden - so zum Beispiel beim Kreisschulausschuss, der am Donnerstag, 5. Februar, wieder tagt.

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