Die Anklageschrift ist unterschrieben und dem Gericht zugestellt. Der Vorwurf lautet auf versuchten Mord.

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Zwei Polizisten heben den Gullydeckel des Kanalschachts hoch, in den die neunjährige Kassandra geworfen wurde. (Archiv

Zwei Polizisten heben den Gullydeckel des Kanalschachts hoch, in den die neunjährige Kassandra geworfen wurde. (Archiv

Simone Bahrmann

Zwei Polizisten heben den Gullydeckel des Kanalschachts hoch, in den die neunjährige Kassandra geworfen wurde. (Archiv

Velbert. Der Fall Kassandra geht in die entscheidende Phase. "Die Anklageschrift ist unterschrieben und auf dem Weg. Sie lautet auf versuchten Mord und wird dem Gericht in den nächsten Tagen vorliegen", sagte der Wuppertaler Staatsanwalt Rüdiger Ihl am Montag.

Dem mittlerweile 15-jährigen Hauptverdächtigen, der seit Anfang Oktober in Untersuchungshaft sitzt, drohen im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Schließlich habe er billigend in Kauf genommen, dass die Neunjährige die Tat nicht überlebt.

Wann der Prozess eröffnet wird, vermochte Ihl allerdings nicht zu sagen. "Das Gericht lässt die Anklageschrift zunächst der Verteidigung zukommen. Danach gibt es noch Fristen, sich zu äußern. Außerdem muss ein Termin gefunden werden, der von den Schöffen bis zu den Gutachtern alle unter einen Hut bringt", erklärte Ihl.

Er gehe aber davon aus, dass dies ein überschaubarer Zeitraum sei - zumal es sich bei dem Angeklagten, der zum potenziellen Tatzeitpunkt übrigens erst 14Jahre alt war, um einen Jugendlichen in U-Haft handele.

Nachdem die neunjährige Kassandra am 14. September vergangenen Jahres nicht von ihrem Nachmittagstreff nach Hause zurückgekommen war, suchten erst die Eltern alleine, dann ein Großaufgebot der Polizei nach der Kleinen.

Kassandra kommt am Nachmittag vom "Treff 51" in Velbert-Neviges nicht nach Hause. Die Eltern suchen erst selbst, verständigen dann die Polizei. Gegen 1.20 Uhr wird Kassandra von Suchhund "Christo" entdeckt.

Kassandra wird in ein künstliches Koma versetzt. Sie hat ein Schädel-Hirn-Trauma und Bauchverletzungen. Der mutmaßliche Täter wird als Zeuge verhört.

Die Polizei startet eine Hausbefragung. Kassandra wird aus dem Koma geholt.

Eine Hundertschaft der Polizei durchsucht die Umgebung des Tatortes.

21.September: Kassandra kommt wieder zu Bewusstsein.

22.September: Der 14-Jährige wird als Beschuldigter vernommen.

2.Oktober: Der Haftrichter erlässt Haftbefehl. Der 14-Jährige wird festgenommen.

Dezember: Der Wuppertaler Staatsanwalt Rüdiger Ihl bestätigt, dass in Kürze Anklage erhoben wird.

Januar: Die Anklage ist unterschrieben und dem Gericht zugestellt. Das Gericht leitet das Schreiben an die Verteidigung weiter.

Schließlich wurde sie in einem Gullyschacht im Velberter Ortsteil Neviges nicht weit von ihrem Treff entfernt gefunden. Die Neunjährige war unterkühlt, hatte ein Schädel-Hirn-Trauma und Bauchverletzungen. Im Uniklinikum Essen wurde sie zunächst in ein künstliches Koma versetzt, bis heute kann sich Kassandra an den Tathergang nicht erinnern.

Der tatverdächtige Jugendliche schweigt zu den Vorwürfen

Der damals 14-Jährige, dem nun der Prozess gemacht wird, war schnell ins Visier der Kriminalpolizei geraten. So stammt der verhaltensauffällige Junge aus der Nachbarschaft von Kassandras Familie und soll in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht haben, Kassandra und andere Kinder des Nevigeser Jugendtreffs zu belästigen. Bislang schweigt er jedoch zu den Vorwürfen.

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