Mehr als 100 Jahre gehörte die Gaststätte Weidenhof zum Stadtbild. Nun macht das Haus Platz für eine Wohnanlage.

Zwölf Jahre stand das Gebäude an der Ecke Kreuz und Neanderstraße leer. An dieser Stelle soll nun eine Seniorenwohnanlage entstehen.
Zwölf Jahre stand das Gebäude an der Ecke Kreuz und Neanderstraße leer. An dieser Stelle soll nun eine Seniorenwohnanlage entstehen.

Zwölf Jahre stand das Gebäude an der Ecke Kreuz und Neanderstraße leer. An dieser Stelle soll nun eine Seniorenwohnanlage entstehen.

Achim Blazy

Zwölf Jahre stand das Gebäude an der Ecke Kreuz und Neanderstraße leer. An dieser Stelle soll nun eine Seniorenwohnanlage entstehen.

Erkrath. Als Erstes muss die Kegelbahn dran glauben. Die rissige Teerpappe auf dem Dach hat keine Chance gegen den Bagger. Mit tiefen Schnitten gräbt sich der an der Schaufel befestigte Abriss-Hammer immer tiefer durch das Dach, trifft die ersten Balken, die wegknicken wie Streichhölzer. Es kracht, es knarzt, es ächzt, Staub wirbelt auf und ein paar Stunden später ist die Kegelbahn nur noch Geschichte. Eine ziemlich lange Geschichte, die hier ihr abruptes Ende findet.

Die Gaststätte Weidenhof an der Ecke Kreuz- und Neanderstraße wurde 1887 eröffnet und war in ihrer über 100-jährigen Geschichte meist ein Familienunternehmen. In den Chroniken ist nachzulesen, dass sich auf der Kegelbahn bis zu 60 verschiedene Erkrather Kegelvereine die Klinke in die Hand gaben. Die letzte Wirtin war alleinstehend und über 70 Jahre alt. Als sie im Jahr 2004 das Lokal aufgab, fand sich kein Nachmieter mehr. Seitdem steht die Gaststätte leer.

Das Gebäude an exponierter Stelle im Stadtgebiet ist in den vergangenen Jahren immer mehr heruntergekommen. Die Fenster eingeschlagen, der Wind pfiff durch die alten Mauern. Auf dem ehemaligen Parkplatz wucherte das Unkraut, es türmte sich Bauschutt und Abfall.

Eigentümer hatte ursprünglich einen Edel-Schnellimbiss geplant

Schon vor Jahren hat der Erkrather Horst Ksienzy den Weidenhof gekauft. Seine Pläne, dort eine Art „Edel-Schnellimbiss“ zu eröffnen, klangen verheißungsvoll. Der Standort ideal, viele Leute, die in der Nähe wohnen und auch mit dem Auto gut erreichbar. 2011 stellte der Eigentümer einen Bauantrag an die Stadt, den Weidenhof zu einem Schnell-imbiss auszubauen. Gescheitert ist das Vorhaben letztendlich am Lärmschutz. Horst Ksienzy wollte, dass der Laden länger als bis 22 Uhr geöffnet werden kann, die Lärmschutzauflagen vor allem für die Anwohner in der Nähe sprachen aber dagegen. Aus dem Schnell-Imbiss wurde nichts.

Mehr als fünf Jahre hat sich zumindest nach außen sichtbar nichts getan. Doch hinter den Kulissen arbeitete der Inhaber offenbar an einer anderen Nutzung des Grundstücks. Im Juni 2016 wurden neue Pläne bekannt, über die im Rat abgestimmt werden musste. Statt eines Restaurants ist nun eine Seniorenwohnanlage geplant.

Die Eckdaten des Neubaus haben es in sich: Ohne Keller, aber dafür drei- und viergeschossig in die Höhe soll der Neubau eine Breite von 43,5 Metern entlang der Kreuzstraße einnehmen. Das Gebäude bietet Platz für 14 seniorengerechte Wohnungen sowie eine Arztpraxis. Parken werden Bewohner, Gäste und Patienten der Praxis im Innenhof. Dort soll Platz für 23 Autos sein. Der Neubau soll allerdings zwei Meter von der jetzigen Gebäudekante zurückversetzt errichtet werden. So kann der Bürgersteig dort deutlich breiter werden.

Die Bauherren Horst Ksienzyk und Jürgen Meuche, der Bausachverständige Diplom-Ingenieur Christian Güttler gaben mit Bürgermeister Christoph Schultz den symbolischen Startschuss für den Abriss des Weidenhofes. Die weiteren Planungen sehen vor, dass der „Einleitungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Weidenhof“ am 30. Mai im Planungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss (PlUV) behandelt wird. Der Rat der Stadt soll dann Anfang Juli über den Beschlussvorschlag abstimmen.

„Es ist gut, dass wir heute den Startschuss für die Abrissarbeiten des Weidenhofes geben konnten“, sagte Bürgermeister Christoph Schultz. Das Neue, das hier entstehe, werde der brachliegenden Fläche ein neues Erscheinungsbild geben und die Attraktivität des Stadtbildes an diesem zentralen Ort wesentlich erhöhen.

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