Die WZ verbrachte eine Stunde auf dem Markt an der Bavierstraße – ein Ort, an dem Bekannte plaudern und Verkäufer scherzen.

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Auf dem Markt an der Bavierstraße locken Obst und Gemüse mit satten Farben.

Auf dem Markt an der Bavierstraße locken Obst und Gemüse mit satten Farben.

Dirk Thomé

Auf dem Markt an der Bavierstraße locken Obst und Gemüse mit satten Farben.

Erkrath. Mit bunten Regenschirmen huschen vereinzelt Menschen über den Wochenmarkt an der Bavierstraße. Der Regen schwächelt inzwischen, es beginnt zu nieseln. Am Lederwarenstand tupft der Inhaber seine schwarzen Portemonnaies ab. Noch ist wenig los. Nur am Textilstand geht es munter zu. „Die Mütze steht mir ja gar nicht“, sagt eine Senioren und entledigt sich der fliederfarbenen Kopfbedeckung aus Angorawolle. „Dat stört mich“, sagt sie, zeigt auf den Bommel, winkt ab und geht.

Eine Frau ungefähr gleichen Alters wählt ein braunes Exemplar. „Die ist zu eng“, sagt sie und greift eine andere. Die Verkäufern lächelt. „Die ist weiter. Die haben schon mehrere Menschen anprobiert“, erklärt sie. Und die erneut bemützte Kundin blickt zufrieden in den Spiegel – warme Ohren sind ihr zehn Euro wert.

Die Wolken haben das Abregnen derweil eingestellt. Mühsam kämpft sich die Sonne durch den grauen Schleier. Am Obst- und Gemüsestand zeigen Äpfel, Birnen, Orangen, Bohnen und Salate ein sattes Farbenspiel. „Wir suchen noch Kunden. Essen macht Spaß“, ruft der Verkäufer – und wird erhört. Ein Ehepaar bestellt. Der Mann mit dem grauen getrimmten Schnäuzer wirft eine handvoll Möhren schwungvoll in die knisternde Plastiktüte. „Hier habt ihr ein paar Möhrchen zum Knabbern“, sagt er frech.

Der Markt füllt sich. Karierte, gestreifte und einfarbige Trolleys rattern über das Pflaster. Ein älterer Mann mit grauer Mütze und Winterjacke probiert am Käsestand ein Stück Gouda. Nur wenige Meter weiter stehen Menschen am Eierstand Schlange und halten leere Kartons bereit.

„Frohes neues Jahr“, sagt ein Mann, der den Markt mit seiner Frau besucht. Adressat ist eine junge Mutter. Ihr Sohn im Vorschulalter zieht ungeduldig an ihrer Hand. „Habt Ihr schön gefeiert?“, fragt sie. „Ach, dat is doch jedes Jahr dat Gleiche“, antwortet der Mann. Worte, die an diesem Freitag öfter zu hören sind.

„Typisch! Die scharfen Messer liegen alle beim Chef“

In der Serie „60 Minuten“ verbringen WZ-Mitarbeiter eine Stunde an verschiedenen Orten der Stadt. Sie beobachten und lauschen, was die Bürger bewegt.

Der Freitagsmarkt in der Fußgängerzone Bavierstraße ist jede Woche von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Dienstags findet von 8 bis 13 Uhr ein Markt mit Priorität auf Bio- und Bauernprodukte statt.

In Hochdahl verkaufen Standbesitzer ihre Waren donnerstags von 8 bis 18 Uhr auf dem Hochdahler Markt. Der Markt in Unterfeldhaus ist mittwochs von 8 bis 13 Uhr geöffnet.

Fällt der Markttag auf einen gesetzlichen oder kirchlichen Feiertag, findet der Markt am vorhergehenden Tag statt, sofern dieser Tag kein Feiertag ist.

„Frohes neues Jahr, zusammen“, ruft eine Verkäuferin am Metzgereistand der Traube aus Kunden zu. Bratwurst, Grützwurst, Frikadellen und Mettwürste wandern über die Theke. „Die sind ganz frisch aus dem Rauch“, sagt der Chef, während eine der vier Verkäuferinnen um ihn herumwuselt. „Typisch! Die scharfen Messer liegen alle beim Chef“, sagt sie, lacht laut und schneidet anschließend ein Stück grobe Leberwurst nach Kundenwunsch.

Am Blumenstand gegenüber steht eine Frau vor eingetopften Narzissen. „Warten Sie auf mich, junge Frau. Es lohnt sich“, sagt der Schnauzbartträger, der eben noch „Möhrchen zum Knabbern“ verkauft hat und jetzt zwischen Gemüse und Pflanzen pendelt. „Drei Mini-Narzissen. Drei Euro bitte. Ich bin immer froh, wenn die Frauen beschäftigt sind“, scherzt er und zeigt auf seine Verkäuferinnen, die zunehmend mehr zu tun haben.

Die Kundin lacht, bezahlt und geht. Der nächste Kunde steht schon bereit. „Ich hätte gerne zwei Primeln“, sagt er. „Drei Stück kosten 2,50 Euro“, wirbt der Verkäufer. „Ich soll aber nur zwei mitbringen“, entgegnet der Kunde stoisch.

„Dann haben sie Glück. Bei Männern nehme ich nämlich zehn Prozent Aufschlag“, sagt der Blumenfachmann und hüllt zwei gelbe und eine orange Primel in Plastik. Der Marktstart ins neue Jahr ist ein fröhlicher.

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