Die städtische Bibliothek besteht den Praxistest mit Bravour. Die Beratung ist freundlich, das Angebot reichhaltig.

Fachfrau: Bibliothekarin Anne Heimansberg-Schmidt berät – in diesem Fall Björn Larsen, der für die WZ die Bücherei testet.
Fachfrau: Bibliothekarin Anne Heimansberg-Schmidt berät – in diesem Fall Björn Larsen, der für die WZ die Bücherei testet.

Fachfrau: Bibliothekarin Anne Heimansberg-Schmidt berät – in diesem Fall Björn Larsen, der für die WZ die Bücherei testet.

Dirk Thomé

Fachfrau: Bibliothekarin Anne Heimansberg-Schmidt berät – in diesem Fall Björn Larsen, der für die WZ die Bücherei testet.

Hochdahl. Die Tage sind trist. Mit Schnee und eisigen Temperaturen geht der Winter sparsam um. Stattdessen verhängen dunkle Regenwolken den Himmel. Die kalte Jahreszeit lädt diesmal kaum zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Trotzdem: Im Sessel, unter einer Decke, können die Abende richtig gemütlich sein – zum Beispiel mit einem Buch.

Also ab in die Stadtbücherei im Bürgerhaus. Gleich der Bestseller-Tisch am Eingang lockt mit Vielgelesenem: Neben Peer Steinbrücks „Unterm Strich“ liegt Jussi Adler-Olsens „Schändung“. Aber das ist nichts für heute Abend. Fantasy? Vielleicht Christopher Paolonis neuer „Eragon – Das Erbe der Macht“. Doch der liegt nicht aus.

„Die Bestseller sind immer sofort weg, können aber vorgemerkt werden.“

Anne Heimansberg-Schmidt, Bibliothekarin

Der Computer hilft. „Einfache Suche“, Titel eingeben, die ausgespuckte Auswahl mit einem Häkchen versehen und auf „Go“ klicken. Verliehen – bis 12. Januar. „Die Bestseller sind immer sofort weg, können aber vorgemerkt werden“, sagt Bibliothekarin Anne Heimansberg-Schmidt.

Dann eben etwas anderes. Vielleicht etwas Forderndes. Michel Houellebecqs „Karte und Gebiet“ dürfte reichlich geistige Nahrung bieten. Und der Rechner bestätigt: Das Buch ist da, liegt im ersten Stock unter der Kategorie „Krimis“ und „Thriller“ aus. Nur die Treppe rauf – und der Abend ist geplant.

Ein Wunsch, den scheinbar einige Erkrather haben. An den elektronischen Ausleihen im Erdgeschoss stehen Erwachsene Schlange. Am anderen Ende des Raums sitzen Kinder auf kniehohen Stühlen und blättern in Kinderbüchern. Dazwischen spielen drei Jungs das Gesellschaftsspiel „Hüpf Hüpf Hurra“.

Die Stadtbüchereien im Bürgerhaus Hochdahl, Sedentaler Straße 105-107, und im Kaiserhof, Bahnstraße 2, bieten mehr als 60 000 Medien – davon rund 53 000 Bücher. In den Sitzecken liegen Tageszeitungen und Zeitschriften aus.

 

Der Ausweis kostet für Erwachsene pro Jahr 13 Euro (für drei Monate vier Euro). Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren zahlen nichts. Für Bestseller, die mehrfach angeschafft wurden und nur zwei Wochen ausgeliehen werden dürfen, bezahlen Mitglieder zwei Euro. CDs (außer Klassik) kosten für eine Woche einen Euro Leihgebühr, DVDs und Computerspiele zwei Euro.

 

Der Gesamtetat für das Jahr 2010 betrug 346 998 Euro. Die Stadt übernimmt davon 338 598 Euro. Projekte für Kinder werden mit Landesmitteln finanziert.

 

„Wir versuchen, Kinder für die Bücherei zu begeistern“, sagt Heimansberg-Schmidt. Deshalb wird der Nachwuchs regelmäßig eingeladen – als Kindergartenkind, Erst- und Fünftklässler sowie Oberstufenschüler. Und die steigenden Anmeldezahlen bestätigen die Arbeit. Mit 3842 Kunden hat die Stadtbücherei aktuell 114 mehr als im Jahr 2010.

„Total verknallt“ in der „Young Corner“

Nur zwei Jugendliche, die im Erdgeschoss auf Sesseln lümmeln, scheint die reichliche Auswahl an Büchern, DVDs und CDs nicht zu interessieren. Sie spielen lieber mit ihren Handys.

Ganz anders sieht es im Obergeschoss aus. Neben der Treppe lassen vier Mädchen die DVD-Hüllen klackern. In der „Young Corner“, der Jugendecke, sitzt eine Mädchen und liest in der „Bravo“ – zwischen Harry Potter und Titeln wie „Total verknallt“.

„Wir bekommen monatlich eine Liste mit Neuerscheinungen. Wenn das Budget es zulässt, kaufen wir neue Medien“, sagt Heimansberg-Schmidt und fügt hinzu, dass derzeit jedoch Stillstand herrsche. Der Haushalt ist noch nicht beschlossen. Ansonsten seien aber auch Kundenwünsche stets willkommen.

„Die Fernsehserie ,How I Met Your Mother’ haben wir auf Wunsch bestellt. Die erste Staffel ist nicht aktuell, aber Kult“, sagt die Bibliothekarin. „Ansonsten halten wir die Augen und Ohren offen, besprechen wöchentlich, welche Medien wir uns zulegen.“

Vorbei an den Mädchen und dem DVD-Regal schweift der Blick wieder über Bücherregale – über Belletristik, Sachbücher, Reiseführer und eben Krimis und Thriller. Houellebecqs jüngstes Werk ist dabei. Vier Wochen bleiben, um die 416 Seiten zu lesen. Was fehlt ist noch der Ausweis, der jährlich 13 Euro kostet. Allein für gemütliche Winterabende ist das günstig.

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