Ulrike Proba-Köhler möchte helfen, die Sprachlosigkeit beim Thema Sterben zu überwinden.

Erkrath. Am Franziskus-Hospiz in Hochdahl startet am 4. Februar das Grundseminar „Leben. Krankheit. Sterben. Tod.“ Hospizsprecherin Ulrike Proba-Köhler erklärt, was die Teilnehmer thematisch erwartet.

„Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht“ ist schon bei Epikur zu lesen. Wie kann es dennoch gelingen, den Tod ins Leben zu holen?

Ulrike Proba-Köhler Lassen Sie mich mit einem Satz von Jostein Gaardner antworten: ,Man kann nicht erleben, dass man existiert, ohne auch zu erleben, dass man sterben muss. Und es ist genauso unmöglich, darüber nachzudenken, dass man sterben muss, ohne zugleich daran zu denken, wie fantastisch das Leben ist.’

Lässt sich die Angst vorm Tod wirklich überwinden?

Proba-Köhler Das würde ich so nicht sagen wollen. Was sich jedoch überwinden lässt, ist die Sprachlosigkeit. Man holt den Tod ins Leben, indem man darüber spricht. Viele Menschen spüren das gesellschaftliche Tabu, das sich nach wie vor um Tod und Sterben rankt – beispielsweise im Angesicht von Verlusterfahrungen in der eigenen Lebenswelt.

Welche Ängste verbergen sich konkret hinter der Todesangst?

Proba-Köhler Der Angst vor dem Sterben lässt sich wohl eher beikommen als der Angst vor dem Tod. Das Wissen um die Möglichkeiten einer palliativen Versorgung kann dazu beitragen, dass die Furcht vor einem schmerzhaften und leidvollen Krankheitsverlauf abnimmt. Die Angst vor dem Tod hingegen ist sehr individuell. Dahinter verbergen sich der Verlust des eigenen Ich und der Abschied von Angehörigen, um deren Weiterleben man sich Sorgen macht.

Mit den Seminarteilnehmern wollen Sie auch Krankheits- und Grenzerfahrungen thematisieren. Hilft die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensweg, um die Furcht vor dem Sterben zu überwinden?

Proba-Köhler Auf den eigenen Lebensweg zu schauen bedeutet erstmal auch eine Rückschau auf eigene Wurzeln und Verletzungen. In jedem Leben gibt es jedoch auch Gelungenes, aus dem man Kraft schöpfen kann. Natürlich lässt es sich leicht sagen, und dennoch erleben wir es oft bei unseren Hospizgästen: Es gibt vor dem Hintergrund eines als erfüllt wahrgenommenen Lebens auch so etwas wie eine ,Lebenssattheit’, die das Loslassen leichter machen kann.

Auch Nachtodliches ist ein Thema, über das gesprochen werden soll. Kann es hierfür überhaupt Wegweisungen oder gar Antworten geben?

Proba-Köhler Man kann sicherlich Ängste und Hoffnungen formulieren. Wegweisungen kann es hier nicht geben, weil die Frage nach dem, was nach dem Tod kommen mag, eine Grenze überschreitet, die sich unserer rationalen Wahrnehmung entzieht. Allerdings ebnen auch hier ausgesprochene Gedanken den Weg, um sich den vielen Fragen und Befürchtungen nähern zu können.

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