Die Bürgerpartei mischt seit 1988 in der Lokalpolitik mit. Der Chef erinnert an die schwierigen Anfänge.

Erkrath. Seit 1988 mischt die Fraktion „Bürger mit Umweltverantwortung“ (BmU) in Erkraths Lokalpolitik mit. Heute hat sie sich etabliert, aber einfach war der Weg dorthin nicht. Mit ein wenig Abstand kann man bekanntlich über die Dinge lachen – so wie Bernhard Osterwind. Der heute 63-Jährige gehörte zu den fünf Gründungsmitgliedern der unabhängigen Wählergemeinschaft, die sich damals zusammentaten mit der Vision, eine lokale Gruppierung zu etablieren, die sich einen konsequenten Umweltschutz und eine solide Finanzpolitik auf die Fahnen schreiben wollte.

30 Jahre später sitzt Osterwind im Bürgerhaus mit Gleichgesinnten zusammen, vor sich ein prall gefüllter alter Aktenordner mit jeder Menge Anekdoten. Wie beispielsweise diese: „Damals mussten wir, um zu unserer ersten Kommunalwahl zugelassen zu werden, 150 Bürgerunterschriften vorlegen. Es sollten mindestens 15 aus jedem der damals 23 Wahlkreise sein. Wir machten uns also auf, klingelten an jeder Tür und als wir stolz unsere Ergebnisse vorlegten hieß es, die Unterschriften seien ungültig, man habe aus Versehen die falschen Formulare ausgegeben.“ Die rund 30 Anwesenden schütteln fassungslos ihre Köpfe. „ Aber das war noch lang nicht alles“, sagt der Fraktionsvorsitzende.

„Wir sind Kämpfer, mit uns muss gerechnet werden, wir meinen es ernst.“

BernhardOsterwind, Fraktionsvorsitzender

„Wir sind also mit den neuen Formularen wieder losgezogen, haben die dann eingereicht. Da sagte man uns, es seien leider wieder die falschen ausgegeben worden und nun müssten wir aber Gas geben, denn wir hätte nur noch fünf Tage Zeit für den erneuten Stimmenfang. Letztlich haben wir die Stimmen nach drei Tagen abgegeben und da wussten auch die anderen: Wir sind Kämpfer, mit uns muss gerechnet werden, wir meinen es ernst.“

An viele Stolpersteine kann sich Osterwind erinnern, der vor der Gründung der BmU bereits als CDU-Ratsmitglied politisch aktiv war. Mit der Fraktionsgründung zog frischer Wind durch den Rat, neue Schwerpunkte hielten Einzug und es gab mehr Widerstand. „Wir haben aktiv die Nutzung der 2009 gebauten CO-Pipeline mit verhindert und sind durch diese Aktion im Ansehen in der Bürgerschaft extrem gestiegen“, sagt Christian Ritt, Vorsitzender des Vereins unabhängiger Wählergemeinschaft, der der Fraktion angehört.

19 Prozent holte die BmU bei der Kommunalwahl 2010. Längst setzen sich die Umweltschützer nicht mehr nur für ihre Steckenpferde ein, heute geht es um alle großen sozialen Themen. Auch dass es mittlerweile ein Stadtentwicklungskonzept gibt, schreibt sich die BmU auf ihre Fahne. Nach wie vor wird gegen die Monopolstellung der regelmäßig wechselnden Fernwärmebetreiber vor allem in Hochdahl geklagt, der Breitbandausbau und freies WLAN im Rathaus gehen auf die Initiative der BmU zurück. Und: Die wachsende E-Mobilität steht auf der Agenda weit oben. „Wir haben viel bewegt und wollen es weiter tun“, fasst Christian Ritt zusammen. „Damit es so weitergeht, brauchen wir dringend junge, aktive Verstärkung. Ich bin mit Ende 40 einer der Jüngsten, das sagt jawohl alles.“

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