In der Heilig-Geist-Kirche wird das Leiden Jesu sehr modern dargestellt.

Pfarrer Christoph Biskupek (l.) und Künstler Jan Masa vor dem Kreuzweg in der Heilig-Geist-Kirche.
Pfarrer Christoph Biskupek (l.) und Künstler Jan Masa vor dem Kreuzweg in der Heilig-Geist-Kirche.

Pfarrer Christoph Biskupek (l.) und Künstler Jan Masa vor dem Kreuzweg in der Heilig-Geist-Kirche.

Dirk Thomé

Pfarrer Christoph Biskupek (l.) und Künstler Jan Masa vor dem Kreuzweg in der Heilig-Geist-Kirche.

Hochdahl. Wer die Heilig-Geist-Kirche in der Sandheide betritt, um am Kreuzweg zu beten, findet diesen in ganz anderer Form als gewöhnlich vor. „Unser Kreuzweg ist sehr modern gestaltet“, sagt Pfarrer Christoph Biskupek. „In anderen Kirchen sind die Bilder des Kreuzweges meist sehr figürlich gehalten. Der Betrachter sieht die Ereignisse so, wie sie in der Bibel beschrieben werden.“

Nicht so in Biskupeks Kirche. Der Kreuzweg der Heilig-Geist-Kirche entstammt den Gedanken des Künstlers Jan Masa. Er hat in seinen insgesamt 15 Bildern die sonst üblichen Figuren durch Handabdrücke ersetzt. „Mit Händen kann man wahnsinnig viel ausdrücken: Gewalt, Freundlichkeit und Respekt“, erläutert der Künstler. So sind auf dem Bild, das die Begegnung Jesu mit seiner Mutter darstellen soll, lediglich zwei sich zugewandte Handabdrücke zu erkennen.

Der Draht steht für den Horizont und hat sein Zentrum in der Dornenkrone

So ungewöhnlich die Kreuzwegstationen gestaltet sind, so ungewöhnlich ist ihre von Masa geschaffene Verbindung: Stacheldraht. „Der Stacheldraht steht für den Horizont und hat sein Zentrum in der Dornenkrone.“

Laut Pfarrer Biskupek sind die Reaktionen der Kirchenbesucher auf den Kreuzweg sehr unterschiedlich. „Viele nehmen den modernen Umgang mit Jesus Leidensgeschichte sehr positiv auf und beschäftigen sich mit Masas Umsetzung“, sagt er.

Das sei jedoch nicht bei allen der Fall: „Einige sind auch empört und zeigen wenig Verständnis für unseren Kreuzweg der anderen Art“, erklärt Biskupek. Das seien vor allem Menschen, die den Kreuzweg beten wollten und diesen aus der Vergangenheit nur als figürliche Darstellung kennen würden. „An diese Menschen appelliere ich, sich genauer mit dem Werk zu beschäftigen. Wenn ich ihnen sage, dass sie sich die Hände auch als vergrößerten Ausschnitt eines Gesamtbildes vorstellen können, fangen sie an, mit sich zu kämpfen. Genau das ist es, was ich erreichen will“, sagt der Pastor. „Dieser Kreuzweg konzentriert sich eben auf das Wesentliche.“

Die katholische Kirche Heilig Geist wurde vor 41 Jahren gebaut und stellt seitdem die zweite Kirche der Franziskusgemeinde Hochdahl, neben der Kirche in Trills, dar. Auffällig ist die Betonbauweise der 1970er-Jahre, Architekt war Gottfried Böhm.

www.st-franziskus-hochdahl.de

Jan Masa wurde 1950 in der polnischen Stadt Danzig geboren und studierte dort Kunst und Bildhauerei. 1987 kam er nach Erkrath und arbeitet seitdem auch dort. Seit 2001 setzt er sich speziell mit religiösen Themen auseinander und erarbeitet diese künstlerisch. Bereits 2001 gestaltete er einen Kreuzweg für eine Bottroper Kirchengemeinde.

www.masa-art.de

Entstanden ist das Werk innerhalb einer Stunde, im Rahmen einer Aktion zum 40-jährigen Jubiläum der Kirche vor einem Jahr. Als Jan Masa die Idee zu dieser neuen Umsetzung des Leidensweges Jesu kam, habe er sofort an die Heilig-Geist-Kirche gedacht. „Das ist meine Gemeinde“, sagt er. „Die Kirche ist wie mein Kreuzweg: Schlicht und einfach.“

Vorher gab es in der Kirche fünf vergilbte Bilder

Ursprünglich war geplant, den Kreuzweg nur in der Kirche auszustellen und nicht dauerhaft aufzuhängen. „Ich hatte mich bereits darauf eingestellt, das Kunstwerk einzupacken und in meinen Keller zu stellen“, sagt Masa.

Dass das Werk nun ein fester Bestandteil der Heilig-Geist-Kirche ist, hat die Gemeinde ihrem Pastor zu verdanken: „Am Karfreitag des vergangenen Jahres habe ich eine wunderbare Erfahrung gemacht“, sagt Biskupek. „Als ich mit Kindern der Gemeinde den Kreuzweg ging, konnten diese mir die unterschiedlichen Stationen so genau erklären, wie es kaum ein Erwachsener gekonnt hätte. Das hat mich so beeindruckt, dass für mich feststand: Der Kreuzweg muss bleiben.“

Als Jan Masa sich daraufhin bereiterklärte, der Kirche sein Werk zu schenken, war er überglücklich. „Wir hatten hier vorher keinen richtigen Kreuzweg, nur fünf völlig vergilbte Bilder. Der neue Kreuzweg ist wunderbar erhaben und schön.“

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