Der Bürgerverein Hochdahl lässt mit Zeitzeugen die Erinnerung an das alte Dorf Millrath aufleben.

historisch
Herbert Bander erläutert den Gästen der Veranstaltung eine Luftbildaufnahme aus dem Jahr 1930.

Herbert Bander erläutert den Gästen der Veranstaltung eine Luftbildaufnahme aus dem Jahr 1930.

Dirk Thomé

Herbert Bander erläutert den Gästen der Veranstaltung eine Luftbildaufnahme aus dem Jahr 1930.

Hochdahl. „Ich hab noch nie einen Zug mit Propeller gesehen“ – der sechsjährige Alexander wundert sich, als er mit seinem Großvater Wolfgang Kockel die Bilderwand begutachtet, die der Bürgerverein Hochdahl anlässlich der Veranstaltung „Geschichte zum Anfassen“ aufgebaut und mit historischen Fotos versehen hat. Der jüngste Besucher des Ereignisses hat das Bild eines Schienenzeppelins entdeckt. Ein propellerbetriebener Zug, der unterwegs von Düsseldorf nach Wuppertal auch in Hochdahl Station machte.

„Millrath ist bekannter als man denkt“

Das ungewöhnliche Foto war eines von vielen Bildern, die am Samstag bei einem Tag rund um die Geschichte Millraths und den Werdegang Hochdahls gezeigt wurden. Der Bürgerverein Hochdahl hatte in die alte Schule an der Dorfstraße eingeladen. Herbert Bander, Schriftführer des Bürgervereins Hochdahl, hielt einen Vortrag – mit anschließendem Rundgang. Unterstützt wurde er dabei durch Zeitzeugen, die das Bild vom alten Dorf Millrath aus ihrer Erinnerung lebendig werden ließen.

„Millrath ist bekannter als man denkt“, sagte Bander zu Beginn des Vortrages, und er erklärte auch sofort warum: „Zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung im Jahre 1856 befanden sich die Gebeine des Neandertalers auf Millrather Gebiet.“ Der Stadtteil ist älter als Hochdahl. Zunächst handelte es sich um eine Ansammlung größerer und kleinerer Höfe. Der Name „Millrath“ findet als „Milroyde“ im Jahre 1225 erstmals urkundliche Erwähnung. „Der Hof Schlickum allerdings ist älter und datiert ungefähr auf das Jahr 1050 zurück“, sagte Bander. Im Lauf der Zeit spricht man in Urkunden dann von „Millrod“ (1555), „Mullrad“ (1685) oder auch von „Millraderhöfe“ (1715). „Im Namen kommt das Wort ,roden’ vor“, erklärte Bander.

Der Name „Hochdahl“ wurde 1938 festgelegt

Die „Keimzelle Hochdahls“ ist lange Zeit ein Straßendorf, hier kreuzen sich wichtige Verkehrswege, wie die „Strata coloniensis“, von der heute noch Einschnitte am Kattendahler Wäldchen sichtbar sind, und der Gräfrather Weg, der einst Prozessionsweg war. Der Ortsname „Hochdahl“ wurde im Jahr 1938, über die Köpfe der Bevölkerung hinweg, per Erlass festgelegt. Als nach dem zweiten Weltkrieg der Verkehr zunahm, mussten die Straßen verbreitert werden. Vor allem der Bau der Haaner Straße hat das Stadtbild verändert. Unter anderem der Püttbach Hof fiel dem Ausbau zum Opfer. Doch Teile des alten Dorfes sind noch heute lebendig. Wer von der Dorfstraße in den Heckenweg abbiegt, findet dort noch die alte Pumpe. Die ist zwar nicht mehr in Betrieb, markiert aber noch immer, eingerahmt vom Gesindehaus des Püttbach Hofes und anderen historischen Gebäuden den ehemaligen Dorfmittelpunkt.

Das wird beim Rundgang durch die kleine Sackgasse deutlich. Gustav Püttbach bewohnt noch heute das Gesindehaus und hat Aufnahmen vom ursprünglichen Zustand der Haaner Straße mitgebracht. „Für die Busse war es schwierig, hier durchzukommen“, sagte er und ein Nachbar erinnerte sich, dass die Regenleitung an der Hausecke des öfteren beschädigt war. „Der Straßenausbau war wichtig für die Stadtentwicklung, und hier in Millrath hat man auf die alte Straßenführung zurückgegriffen“, sagte auch Helmut Schillians, Mitglied des Vorstandes im Bürgerverein. „Ich hätte nicht gedacht, dass noch so vieles vom alten Dorf erhalten geblieben ist, einiges hat sich sehr verändert, und man sieht es erst auf den zweiten Blick“, sagte er abschließend und brachte das Erstaunen vieler Teilnehmer auf den Punkt.

Der Bürgerverein Hochdahl wurde 1877 gegründet. Zweck des Vereins ist es, die Interessen der Bürger zu vertreten und echte Bürgergemeinschaft zu pflegen. Lange Jahre setzte sich der Bürgerverein vor allem in stadtplanerischen Fragen mit der Verwaltung auseinander. Daneben organisiert er vor allem heimatkundliche Veranstaltungen und Wanderungen. Vorstandsvorsitzender ist Friedrich Faber. Der Verein hat rund 160 Mitglieder

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