Heinrich Rasche war durch die Nazis als Bürgermeister eingesetzt worden. Die Amerikaner entließen ihn.

Erkrath
Die Amerikaner enthoben Heinrich Rasche noch am Tag ihres Einmarsches in Erkrath seines Amtes als Bürgermeister.

Die Amerikaner enthoben Heinrich Rasche noch am Tag ihres Einmarsches in Erkrath seines Amtes als Bürgermeister.

Stadtarchiv

Die Amerikaner enthoben Heinrich Rasche noch am Tag ihres Einmarsches in Erkrath seines Amtes als Bürgermeister.

Sie hängen ihren Mantel mit dem Wind. Sie reden denen, die das Sagen haben, nach dem Mund. Im Grunde machen sie immer das, was Autoritäten von ihnen verlangen, um möglichst glatt durch Leben zu kommen.

Im politischen Sinne sind Opportunisten diejenigen, die nach dem Winde segeln, den andere machen.

Wenn es um den Erkrather „Bürgermeister der Nazizeit“ Heinrich Rasche geht, so kommt man seinem Wirken mit diesen Beschreibungen schon recht nahe.

Von den Nationalsozialisten in den höchsten Tönen ins Amt gelobt, hatte er nach den Kriegswirren nichts Dringenderes zu tun, als sich mit unzähligen Leumundszeugnissen einen so genannten „Persilschein“ zu erschleichen, der seine „Entnazifizierung“ beurkunden sollte.

Sich mit 131 Fragen von der Vergangenheit lossagen: Diese Gelegenheit nutzte damals vermutlich nicht nur Heinrich Rasche. Und tatsächlich gelang es ihm, sich Jahre später durch etliche Instanzen hindurch seine volle Pension zu erstreiten.

Schauen wir aber noch mal zurück auf die Amtszeit des vierten Erkrather Bürgermeisters, die am 17. Juni 1935 begonnen hatte. Als „alter Nationalsozialist“ wurde er in der örtlichen Presse bezeichnet, mit der gelungenen „Gleichschaltung“ der Heiligenhauser Verwaltung hatte er sich zuvor als dortiger Bürgermeister für die hiesigen Amtsgeschäfte empfohlen.

Rasche forderte vom Rat schnell politische Linientreue

Von seinen Mitarbeitern erwartete er auch hier „tatkräftige Mitarbeit im nationalsozialistischen Sinne“, wie er in seiner ersten Gemeinderatssitzung am 23. August 1935 verlauten ließ.

Neben politischer Linientreue hatte er sich eine „sparsame und saubere Haushaltsführung“ auf die Fahnen geschrieben. Zu Kriegszeiten hatte die Gemeinde mit Personalengpässen zu kämpfen und war damit beschäftigt, den allgegenwärtigen Mangel zu verwalten.

„Tatkräftige Mitarbeit im nationalsozialistischen Sinne.“

Heinrich Rasches Forderung an die Ratsmitglieder in einer Sitzung im Jahr 1935.

Mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Erkrath am 17. April 1945 fand die „Ära Rasche“ ein abruptes Ende. Als Bürgermeister, der durch die NSDAP ins Amt gekommen war, wurde er aus selbigem sofort entlassen.

Binnen einer Stunde hatte er seine Dienstvilla zu räumen und zog in ein Wuppertaler Bahnhofsgebäude.

„Am 8. Mai 1945 wurde Heinrich Rasche durch den Geheimdienst der amerikanischen Militärregierung verhaftet und in Wuppertal, Düsseldorf und Hubbelrath interniert“, ist in der Chronik von Stadtarchivarin Erika Stubenhöfer zu lesen.

Leumundszeugnis aus Gruiten fiel negativ aus

So wurde ihm unter anderem vorgeworfen, Lebensmittelzuteilungen für sich selbst verbraucht zu haben, was der ehemalige Verwaltungschef vehement bestritt.

Zu dumm nur, dass Rasche, der zu seinem Amt in Erkrath zwischenzeitlich auch den verstorbenen Gruitener Bürgermeister vertreten hatte, auch dort um ein Leumundszeugnis gebeten hatte.

Man stellte es ihm aus – aber keineswegs so, wie Heinrich Rasche es sich erhofft hatte. „Ich kann mitteilen, dass seine Tätigkeit darin bestanden hat, den Katastrophenschnaps zu vertilgen“, hatte Gruitens Amtsbürgermeister Tondorf die Verantwortlichen wissen lassen.

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