Jugendamt und Suchthilfe klären Schüler der achten Klassen mit einer anschaulichen Aktion über die Folgen des Alkoholkonsums auf.

Jugendamt und Suchthilfe klären Schüler der achten Klassen mit einer anschaulichen Aktion über die Folgen des Alkoholkonsums auf.
Zu Karneval machen viele Jungen und Mädchen erste Erfahrungen mit Alkohol. Damit die nicht böse enden, gab es jetzt einen Vollrausch ohne Alkohol. Archiv

Zu Karneval machen viele Jungen und Mädchen erste Erfahrungen mit Alkohol. Damit die nicht böse enden, gab es jetzt einen Vollrausch ohne Alkohol. Archiv

Red

Zu Karneval machen viele Jungen und Mädchen erste Erfahrungen mit Alkohol. Damit die nicht böse enden, gab es jetzt einen Vollrausch ohne Alkohol. Archiv

Erkrath. Gerade zu Karneval fallen schnell die Hemmungen und der Gruppendruck verführt zum Mittrinken. Für so manchen Teenie endet die anfangs noch lustige Karnevalsparty dann mit einer Alkoholvergiftung in der Notaufnahme des Krankenhauses. Mit der Aktion „Maßvoll” wollen das Jugendamt der Stadt Erkrath und die Suchthilfe BIZ gemeinsam mit den Lehrern für Suchtvorbeugung bei den Teenies das Bewusstsein für den maßvollen Umgang mit Alkohol schaffen – und zwar möglichst, bevor diese überhaupt erste eigene Erfahrungen damit machen.

Den ersten „Vollrausch” gibt’s daher jedes Jahr für die achten Klassen der Erkrather und zum Teil auch Haaner Schulen unter Beobachtung und ganz ohne Alkohol: Die Rauschbrillen, die Norman Raulf, Leiter des Suchthilfe BIZ der Neander Diakonie, zum Aktionstag mit ins Evangelische Gemeindezentrum Sandheide gebracht hatte, haben meist abschreckende Wirkung:

„Ich hab’ alles doppelt gesehen und konnte nicht einschätzen, ob ich mich auf oder neben der Linie befand”, berichtet Oliver (14), nachdem er versucht hat, mit der Brille auf der Nase einige Meter auf einer Linie geradeaus zu laufen. „Mir war schwindelig, ich hatte kein Gleichgewicht, und die Tiefenwahrnehmung war anders: Alles schien weiter weg und ganz klein”, schildert auch Kevin (14) sein Rauschbrillen-Erlebnis. Die beiden Haaner Realschüler werden wohl weiterhin die Finger vom Alkohol lassen. Gruppendruck haben sie in ihrem Umfeld noch nicht erlebt. Ihre Schulkameradin Sophie (14) sieht das Problem gerade für die bevorstehenden Karnevalstage differenzierter. Ältere Freunde trinken schon mal Alkohol, gibt sie zu. „Da ist es schwer abzuschätzen, wie man reagiert, wenn alle anderen um einen herum was trinken”, sagt sie. Die Aufklärungsaktion findet sie gut: „Hier sehen und erfahren wir Jugendlichen, was ein paar Promille mit einem machen.”

„Wir zeigen, dass es nicht cool ist, wenn man mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommt, sondern peinlich.“

Andrea Lademann-Kolk, Jugendschutzbeauftragte

Dass sie mit Aufklärung allein die jungen Leute nicht erreichen, wissen Suchtberater Norman Raulf und Erkraths Jugendschutzbeauftragte Andrea Lademann-Kolk. Den richtigen Nerv treffen sie, wenn es ums „Cool-Sein” geht. „Wir zeigen, dass es eben nicht cool ist, wenn man mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommt, sondern peinlich”, erklärt Lademann-Kolk: Am nächsten Morgen in Windeln vor der hübschen Krankenschwester aufzuwachen, die nachts das Erbrochene aufwischen durfte – das zieht. Auch mit dem Hinweis auf den hohen Kaloriengehalt von Alkoholika trifft sie die Jugendlichen eher als mit der Warnung vor Promillewerten im Blut. Zum Nachdenken regt Gerhard Raddatz an, der als trockener Alkoholiker während des Aktionstages offen aus seinem Leben erzählte.

Erschreckend seien jedoch fehlendes Mitgefühl und Hilfsbereitschaft der Jugendlichen untereinander, stellt Andrea Lademann-Kolk in letzter Zeit immer wieder in Gesprächen mit Jugendlichen fest: Aus Angst, die Eltern werden merken, dass man selbst auch Alkohol getrunken hat, wird oftmals der Notarzt nicht gerufen, wenn ein Kumpel zu tief ins Glas geguckt hat. Schadenfreude und Feigheit überwiegen und ein Krankenhausaufenthalt wird von der Clique totgeschwiegen. Wichtig ist es der Jugendschutzbeauftragten daher, den Achtklässlern zu vermitteln, aufeinander aufzupassen, Vertrauen zu haben und Erwachsenen um Hilfe zu bitten, wenn man die Situation nicht mehr unter Kontrolle hat. Die Gesundheit – mitunter das Überleben – eines Freundes bzw. einer Freundin muss hier an erster Stelle stehen, nicht die Angst vor der Reaktion der Eltern. Alkohol, auch das ist wichtig, ist erst ab 16 Jahren erlaubt, Hochprozentiges erst ab 18.

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